Gesunkenes Schiff im Ammersee:Sir Shackleton geht auf Abenteuerreise

Gesunkenes Schiff im Ammersee: "Zu teuer, zu aufwändig": So beurteilt Eigentümer Klaus Gattinger die Reparatur seines Schiffs.

"Zu teuer, zu aufwändig": So beurteilt Eigentümer Klaus Gattinger die Reparatur seines Schiffs.

(Foto: Arlet Ulfers)

Im Sommer versank das Seminarschiff Sir Shackleton im Ammersee. Der Eigentümer sammelt nun Spenden, um wieder auslaufen zu können.

Von Patrizia Steipe, Utting

Rational betrachtet sei das Projekt "völliger Quatsch", gibt Klaus Gattinger zu. Der Eigner des vor einem Jahr im Ammersee bei St. Alban gesunkenen Schiffs Sir Shackleton zählt auf: "Zu teuer, zu aufwändig und es besteht das Risiko des Scheiterns." Trotzdem möchte er den Zweimaster restaurieren und hofft auf Einnahmen aus einem Crowdfunding. Und er hofft, im Sommer nächsten Jahres wieder auslaufen zu können.

"Unser Abenteuer, die Sir wieder in Fahrt zu bringen, beginnt", sagte Gattinger bei einer digitalen Pressekonferenz. "Sir Shackleton Comeback" lautet der Name der Mission. Der Berater und Coach für Führungskräfte genoss zehn Jahre lang auf dem Seminarschiff "das herrliche Gefühl, nur von der Kraft des Windes angetrieben zu werden, die unsagbar schönen Sonnenuntergänge auf dem See und die Törns unter dem Sternenhimmel".

Die Hiobsbotschaft kam vergangenen August. Ein Ermüdungsbruch eines Schlauchstutzens am Kühlwasserfilter ließ das Holzschiff sinken. "Die beiden Masten aus dem Wasser ragen zu sehen, war ein unfassbarer Anblick", erinnert sich Gattinger. Die Sir Shackleton sei stabil "wie eine Festung" gewesen und habe Stürme und Orkane überstanden. Auf Unterwasserfotos der Wasserwacht sieht man Fische in die Kajüte schwimmen.

Nach fünf Tagen wurde das elf Meter lange und zehn Tonnen schwere Schiff aus sieben Metern Tiefe geborgen und zur Steinlechner-Werft in Utting gebracht. Die Schäden waren enorm. "Die komplette Schiffseinrichtung samt Elektrik mussten entsorgt werden", berichtet Gattinger. Auch der Motor war kaputt. Nur der Rumpf und die beiden teilweise beschädigten Holzmasten sind übrig geblieben. Lange hat Gattinger überlegt, was mit dem Schiff passieren soll. Verschrotten wäre zu schade, aber die Werft veranschlagte für die Reparatur Kosten bis zu 65 000 Euro. Die Versicherung hat etwa 36 000 Euro gezahlt, abzüglich eines geringen Restwerts für das Schiff.

Gesunkenes Schiff im Ammersee: Im August ist das Schiff im Ammersee gesunken.

Im August ist das Schiff im Ammersee gesunken.

(Foto: Arlet Ulfers)

Nächtelang hatte sich Gattinger im Internet nach einem gebrauchten Schiff als Ersatz umgesehen, aber nichts Passendes gefunden. Zudem lagen die Preise bei etwa 50 000 Euro und damit schon annähernd so hoch wie die Reparatur. Am Schluss entschied das Bauchgefühl. Miteigner Christian Seelos ist Ende des Jahres allerdings ausgestiegen.

Gattinger hat inzwischen herausgefunden, dass das Segelboot etwa 20 Jahre älter sein könnte, als er bisher angenommen hat. Er vermutet, dass die Zweimast-Ketsch 1909 von dem Konstrukteur Max Oertz in Hamburg gebaut wurde, damals Gertrude hieß, und als Sturmlotsenkutter für die Stadt Travemünde eingesetzt wurde. 2011 wurde das Schiff von Nord- und Ostseeeinsätzen an den Ammersee geholt. Lücken im Lebenslauf des Schiffes möchte Gattinger noch füllen. Daneben bildet er sich technisch weiter. Auf dem Nachtkästchen liegen Schiffsreparaturbücher.

Sir Shackleton in Uttinger Schiffswerft Steinlechner

Versuchen möchte sich Gattinger an der Reparatur seines Schiffes trotz aller Aufwändigkeiten.

(Foto: Astrid Becker)

Mit den Spenden will er einen neuen Motor, eine neue Elektrik, Innenausstattung, die Reparatur von Spanten, Spieren und Masten sowie neue Instrumente finanzieren. Die Reparaturen werden in Teilprojekte aufgeteilt. "Wir fangen im Mai mit den Spanten an", erklärt Gattinger. Jedes Holz müsse einzeln angefertigt und angepasst werden. Dazu wird das Schiff in die Halle geschoben, damit der intakte Lack am Bug nicht durch die Sonne rissig wird. Bei den Lackarbeiten wird der Eigentümer mit Freunden selbst Hand anlegen. Am Heck muss der Lack mit bis zu 15 Schichten neu aufgebaut werden, "das bedeutet schleifen und pinseln".

Spendern bietet Gattinger ab einem bestimmten Betrag Rabatte beim Chartern an, ansonsten werden Geldgeber in einer Liste aufgenommen und erhalten eine Erinnerungsmedaille.

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