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Inklusion:Wo Menschen mit Behinderung im Landkreis Urlaub machen können

Nur 14 barrierefreie Quartiere sind im Fünfseenland gelistet. Der Landkreis Starnberg will jetzt ein Konzept erarbeiten, um das touristische Angebot zu verbessern.

Ob Städtetour, Museumsbesuch oder Schwimmen im See: Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bleibt Reisen im Landkreis Starnberg oft ein Traum. Zwar hat sich in der Region einiges getan. Dennoch steckt das Thema Barrierefreiheit weiterhin in den Kinderschuhen, Verbesserungen sind dringend notwendig. Nach Angaben des stellvertretenden GWT-Chefs Klaus Götzl (Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis) gab es zwar in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Vorstöße in Sachen barrierefreier Tourismus, doch viele Projekte verliefen im Sand.

Derzeit wird ein bundesweit einheitliches Kennzeichnungssystem für barrierefreie Reiseziele und Unterkünfte erarbeitet, das vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert wird. Ziel des Projekts "Tourismus für Alle" sei es, einen Urlaub in Bayern möglichst ohne Behinderungen zu erleben, sagt Daniela Hitzler von der Tourismus Bayern Marketing GmbH. Laut Hitzler läuft das Projekt "Reisen für alle" seit drei Jahren, bislang haben sich aber nur 600 von insgesamt 11 000 Tourismusbetrieben in Bayern zertifizieren lassen.

Die meisten Betriebe könnten zwar nicht alle Kriterien erfüllen, insbesondere dann nicht, wenn es sich um ältere Gebäude handle, hat Hitzler festgestellt. Viele könnten jedoch die erste von insgesamt drei Qualitätsstufen erreichen, weil ihre Angebote für die meisten Reisenden mit Handicap ausreichten. Die Betriebe müssen lediglich die relativ geringen Kosten für die Zertifizierung von 150 bis 320 Euro tragen. Laut dem Behindertenbeauftragten im Landratsamt, Maximilian Mayer, sollten aber mit einem Aufruf zur Zertifizierung auch Informationen zu Fördermöglichkeiten und finanzieller Unterstützung einhergehen.

Im Gegensatz zu einigen Nachbarlandkreisen wie Fürstenfeldbruck oder Garmisch hat sich der Landkreis Starnberg dem Projekt bislang noch nicht angeschlossen. Jetzt verständigten sich Götzl und Petra Seidl, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Behindertenfragen, darauf, dass zunächst ein Konzept für barrierefreien Tourismus erarbeitet werden soll. "Wir fangen ja nicht ganz bei Null an", sagt Seidl. Derzeit gibt es einen Gastgeber-Prospekt, in dem 14 barrierefreie Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze ausgewiesen sind. Nach Seidls Meinung ist es noch ein weiter Weg, bis Barrierefreiheit die gesamte touristische Servicekette erreicht hat - also von der Anreise bis zu den Unterkünften, von Serviceeinrichtungen über Freizeit- und Kulturangeboten bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen.

Wie die Vermieterin einer rollstuhlgerechten Ferienwohnung in Andechs, Irene Dorn, monierte, sind Menschen mit Handicap derzeit noch auf Selbstauskünfte der Übernachtungsbetriebe angewiesen. Vor 20 Jahren hatte ein beauftragter Rollstuhlfahrer touristische Einrichtungen getestet und für eine Info-Broschüre zusammengefasst. Vor zehn Jahren wurden Menschen mit Behinderung aus dem Landkreis geschult, damit sie Betriebe testen können. Doch das Projekt scheiterte an der Umsetzung. Deshalb kann nach Götzls Erfahrung ein neuer Vorstoß nur erfolgreich sein, wenn auch die Kommunen mitziehen. Sie müssten die nötige Infrastruktur erstellen, denn oft genug scheitere es schon an abgesenkten Bürgersteigen. Und der Bahn müsse man ohnehin "die purpurrote Karte" zeigen, sagt Götzl. "Da beißt sich die Katze meistens in den Schwanz."