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Unternehmen gegen den Klimawandel:Vorreiter der Nachhaltigkeit

Solarpanels, Bienen und Trinkbrunnen: Wie Unternehmen und eine Schule im Landkreis Starnberg zum Umweltschutz beitragen.

Auf dem PTC-Gelände stehen Bienenstöcke.

(Foto: Privat)

Nachhaltigkeit ist auch in der Wirtschaft im Landkreis Starnberg ein Thema. Das hat eine Besichtigungstour der Wirtschaftsfördergesellschaft GWT gezeigt. Vier Unternehmen, die als Vorreiter gelten, und eine Schule wurden dabei vorgestellt .

Munich International School

Auf dem Campus der MIS pflanzte der ehemalige Schüler Felix Finkbeiner, der Gründer der Organisation "Plant for the Planet", seinen ersten Baum. Dabei ist es nicht geblieben: Plastikflaschen werden vom Campus verbannt, stattdessen gibt es jetzt Trinkbrunnen. "Diese Brunnen zeigen an, wie viele Plastikflaschen man durch seinen Trinkwasserverbrauch einspart", sagt Verwaltungsleiter Roman Friemel. Auch Kopierer wurden zum Teil abgeschafft. Ziel sei eine papierfreie Schule, erklärt Friemel. Vom nächsten Jahr an wolle die Schule nur noch Ökostrom beziehen, bis 2030 soll sie CO₂-neutral sein. "Ein ehrgeiziges Ziel, das wissen wir", sagt Friemel. Ein Gebäude, das 2015 eingeweiht wurde, versorgt sich durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe bereits weitgehend selbst; den Rest erledigt ein Gas-Brennwertkessel.

Soyer

Auf den Dächern ihrer Fabrik in Wörthsee hat die Firma Soyer 1500 Solarpanels installiert. Bis zu einer Million Schweißbolzen werden in der Firma täglich fabriziert, und das verbraucht Energie, die die Firma aber seit zwei Monaten dank der Solaranlagen zu 81 Prozent klimaneutral selbst produzieren kann. "Wir haben alles aus Eigenmitteln finanziert, da war die Situation jetzt günstig, weil die Hardware immer besser und günstiger wird", sagt Ingrid Soyer, die dort für das Marketing zuständig ist. Auch LED-Lichter wurden in der Firma installiert. "Nachts haben wir draußen Kaltlicht, damit die Insekten nicht sterben", erklärt Heinz Soyer senior. Er sieht sich in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Firma nachhaltiger zu gestalten: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

3M

Wenn ein Unternehmen auf Nachhaltigkeit achte, müsse es aber gleichzeitig finanziell leistungsstark bleiben, erklärt Bettina Richter, Managerin bei der Firma 3 M in Seefeld. "In jeder Arbeitsposition besteht in unserem Unternehmen der Anspruch, kein neues Produkt ohne Nachhaltigkeitsziel zu entwickeln. Das macht eine nachhaltige Stimmung", erklärt sie. Nachhaltig ist auch ein großes Blockheizkraftwerk, mit dem die Firma einen Teil der Energie, die sie benötigt, klimaneutral produziert.

Professionals Telecom

Das Unternehmen macht Kommunikationslösungen für Firmen - und seit Anfang dieses Jahres auch Honig. Drei Bienenvölker leben inzwischen am Standort in Wörthsee. "Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur mehr vier Jahre zu leben", nutzt Geschäftsführer Michael Padberg ein Zitat, das Albert Einstein zugeschrieben wird. Die ganze Firma sei von der Bienen-Idee begeistert gewesen, sagt Padberg. Zwei Mitarbeiter haben sich sogar zum Imker ausbilden lassen. Aber auch drinnen ist Nachhaltigkeit ein Thema: Alle Lichter hat die Firma durch LED-Leuchten austauschen lassen. "Dadurch haben wir bis zu 90 Prozent Stromersparnis, eine CO₂-Ersparnis von etwa zehn Tonnen im Jahr, und pro Jahr sparen wir ungefähr 1900 Euro an Energiekosten", erklärt der Firmenchef. Diese Zahlen verdeutlichen einen etwas abstrakten Begriff, der in keiner Nachhaltigkeitsdiskussion fehlen darf: Ökoprofit. Das bedeutet: Zwar muss in nachhaltige Systeme erst einmal investiert werden, aber auf Dauer rechnet es sich. So ist es auch mit der kleinen Solaranlage der Firma. Und mit den beiden Elektroautos, die die Mitarbeiter nutzen können, "vor allem zum Brotzeit holen", sagt Padberg.

Ulenspiegel-Verlag

"Ich hoffe, keiner hat Angst vor Hunden", sagt Barbara Classen, eine Geschäftsführerin des Verlags Ulenspiegel, als die Reisegruppe in Andechs aus dem Bus steigt. Dort druckt der Verlag auf nachhaltigem Recycle-Papier und mit Farben, die auf Pflanzenöl basieren. "Die Qualität von Recycling-Papier ist mittlerweile so gut, dass man fast keinen Unterschied mehr sieht", sagt Classen. Seit 20 Jahren hat die Druckerei das EMAS-Zertifikat. "Seit der Fridays-for-Future-Bewegung haben wir definitiv vermehrt Anfragen", sagt Christoph Berk, der ebenfalls Geschäftsführer ist und in der Produktion arbeitet. "Die Nachhaltigkeit ist unser Alleinstellungsmerkmal." Bei Ulenspiegel drucken zu lassen, sei zwar teurer als bei anderen Druckereien, aber das sei nicht den Gehältern, sondern den nachhaltigen Arbeitsmitteln geschuldet, erklärt Berk der Besuchergruppe.

© SZ vom 22.11.2019

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