LustspielDas Bermudadreieck bei Gauting

Lesezeit: 3 Min.

In der Unterbrunner Mehrzweckhalle wird nach zweijähriger Pause wieder Theater gespielt, Premiere des Lustspiels "Das Dorffest" in drei Akten ist am 25. März.
In der Unterbrunner Mehrzweckhalle wird nach zweijähriger Pause wieder Theater gespielt, Premiere des Lustspiels "Das Dorffest" in drei Akten ist am 25. März. Franz Xaver Fuchs

Das Unterbrunner Bauerntheater gibt den Dreiakter "Das Dorffest", der vom großen Verschwinden handelt und selbst schon zweimal vom Spielplan gesaust ist.

Von Gerhard Summer, Gauting

SZ bei Google bevorzugen

Geht das alles noch mit rechten Dingen zu? Die Unterbrunner planen im Hochsommer ein großes Dorffest, doch zwei Tage vorher versinken sie ordentlich im Chaos. Die Klamotten für die Modenschau und die Kartons mit den Tombola-Gewinnen sind verschwunden, auch das Meerschweinchen-Rennen fällt wohl flach. Und der Auftritt des Schlagerstars, der Heino Simmel heißt, aber semmelblond ist wie der wahre Heino? So gut wie geplatzt, weil der Mann nichts von seinem Glück weiß und an dem Abend in der Stadthalle Germering auftreten soll. Ja, die Lage so verzweifelt, deshalb sprechen der Opa, der Bäcker- und der Metzgermeister, Gattinnen und Nachbarinnen kräftig dem Alkohol zu. Gut, der ausgeschenkte Schnaps ist Wasser. Aber das Flaschenbier, das die Schauspielerinnen und Schauspieler bei der Premiere Ende März und den weiteren sieben Vorstellungen auf der Bühne trinken werden, ist echt.

Seit zweieinhalb Monaten probt die Unterbrunner Bauernbühne "Das Dorffest" des Autors Willy Stock, bis alles sitzt, dürften die neun Akteure und die Soufleuse Anita Kosper an die 18 zweistündige Abende in der Mehrzweckhalle des Gautinger Ortsteils verbracht haben. Das turbulente Lustpiel vom rätselhaften Verschwinden und unerwarteten Wiederauftauchen ist selbst schon zweimal vom Spielplan gerutscht. Das Stück sollte ursprünglich 2020 über die Bühne gehen, die Aufführungen mussten aber eine Woche vor der Premiere wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. 2021 wiederholte sich das Trauerspiel, wieder legte das Virus das "Dorffest" lahm. Nun soll endlich am Freitag, 25. März, Premiere sein. Wegen des Brandschutzes und der aktuellen Hygieneregelungen dürfen aber nur jeweils 200 Besucher in die sonst meist ausverkaufte Halle.

Vielleicht ist es nicht verkehrt, sich für ein paar Stunden von Corona und Krieg abzulenken

Nein, diese erschütternden Zeiten verlangen nicht unbedingt nach Bauerntheater. Aber umgekehrt ist es vielleicht auch nicht verkehrt, sich für ein paar Stunden ablenken zu lassen und den Krieg in der Ukraine und die steigende Inzidenz zu vergessen. Was Finten betrifft, sind die Unterbrunner jedenfalls ganz groß. Die nach 1945 gegründete Bühne gehört zu den dienstältesten weit und breit; wenn es nach den schriftlichen Aufzeichnungen geht, die nur bis 1966 zurückreichen, dürfte das anstehende "Dorffest" das nunmehr 50. Stück der Theaterspieler sein. Das Ensemble ist so etwas wie ein erweitertes Familienunternehmen: Hubert Dietl, 71, führt Regie und spielt zugleich den leicht verwirrten Opa Lukas Spächt, sein Sohn Thomas hat die Hauptrolle des ebenso umtriebigen wie tollpatschigen Bäckermeisters Fritz Spächt übernommen, Tochter Christine Penzenstadler ist die Frau des Metzgermeisters Fleischer. Und wer bei einer der Proben dabei ist, wird schnell merken, dass dieses eingespielte Team so gut wie keine Anweisungen braucht. Das Regiekonzept heißt schlicht: "Jeder soll sich wohlfühlen auf der Bühne", sagt Dietl, der 2019 mit dem Gautinger Günther-Klinge-Preis ausgezeichnet worden ist.

Hubert Dietl führt Regie und spielt zugleich den leicht verwirrten Opa Lukas Spächt.
Hubert Dietl führt Regie und spielt zugleich den leicht verwirrten Opa Lukas Spächt. Franz Xaver Fuchs

Was in diesem Fall gar nicht so leicht sein dürfte. Die Unterbrunner probieren an dem Abend ausnahmsweise auf der Bühne der Sporthalle, sonst sind sie im Keller zugange. Alle Szenen spielen in der stilecht nachgebauten Bauernstube des Bäckermeisters samt alter Anrichte, Herrgottswinkel und antiquarischem Tastentelefon. Und zuweilen sind die Schauspieler ein wenig schlecht zu verstehen, weil am anderen Ende der Halle hinter einem Vorhang die Tischtennisspieler trainieren und ihre Schreie und das Klackern der Bälle das Tohuwabohu vor der großen Fete grundieren. Die Theaterspieler lassen sich davon nicht irritieren, die meisten von ihnen sind ohnehin komödiantische Naturtalente - allen voran Thomas Dietl, Monika Regensburger und Christine Penzenstadler, die mit Hang zur wunderbaren Übertreibung spielen. Neu im Ensemble, zu dem auch Gabi Gröber, Florian Collet, Jakob Dissinger und Silvia Geiger gehören, ist die angehende Veranstaltungskauffrau Tanja Unger. Sie steht zum ersten Mal überhaupt auf der Bühne. Die 19-Jährige gibt die Tochter der Spächts und sorgt am Ende dafür, dass dieses Dorffest doch noch steigt.

Premiere in der Unterbrunner Mehrzweckhalle ist am Freitag, 25. März. Weitere Vorstellungen des Dreiakters am 26. März, 1., 2., 3., 8., 9. und 10. April. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Kartenbestellung bei Manuela Minzapost unter 089/8503208 (täglich 16 bis 19 Uhr).

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: