Unterbrunn Mörderische Reise

Krimiautor Robert Hültner, der bei "Kultur in Unterbrunn" das Publikum von sich überzeugen konnte.

(Foto: Nila Thiel)

Krimiautor Robert Hültner liest aus mehreren Büchern

Von Blanche Mamer, Unterbrunn

Die Gaststube beim Högner in Unterbrunn ist rappelvoll. Ein paar Stühle werden noch an die Tische geschoben, die Zuhörer, die gespannt auf die Lesung von Krimiautor Robert Hültner warten, rücken zusammen. Die 2016 gestartete Reihe "Kultur in Unterbrunn" hat ihre Fangemeinde gefunden, zwei Drittel des Publikums kommen aus Unter-/Oberbrunn, ein Drittel aus Gauting. Wie schon die Filmnacht mit Marcus H. Rosenmüller und Karl Valentin und das Konzert von Monobo Son ist auch die Lesung ausverkauft. Als nächstes ist ein Auftritt mit "Mrs Zwirbl" geplant, der bayrischen Musikerin Maria Hafner - am Freitag, 5. Mai, diesmal jedoch im Gashof Böck.

Als Autor von Regionalkrimis mag Hültner gar nicht gern bezeichnet werden. Es sei ihm wichtig, die zeitgeschichtlichen Umstände darzustellen und zu zeigen, dass die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen die Kriminalfälle beeinflussten, sagt er. Dieses Kriterium gilt nicht nur für die Verbrechen, die seine bekannteste Figur, Inspektor Kajetan, aufklären muss, sondern vor allem auch für sein Sachbuch "Tödliches Bayern"( 2014), in dem er acht historische Kriminalfälle aus zwei Jahrhundert rekonstruiert.

"Ich bis Jahrgang 1950 und mit einem bestimmten Geschichtsbild aufgewachsen. Es gibt jedoch nicht nur die erzkonservative Seite Bayerns, sondern auch unglaublich menschliche, kreative, fantasievolle Seiten, die man erzählen muss." Der mehrfach ausgezeichnete Autor startet mit einem Kapitel aus seinem Kajetan-Roman "Am Ende des Tages", in dem es um einen Flugzeugabsturz in den Chiemgauer Alpen im Jahr 1928 geht. Da die Maschine eine mysteriöse, aber wertvolle Fracht geladen hatte, ist das Außenministerium in Berlin involviert. Ein Sonderermittler wird ins bayerische Hinterland entsandt, ein arroganter, großmäuliger Hauptstädter. Ein wahrer Culture Clash. Schon bald gerät der Mann aus Berlin im Dorfgasthof mit zwei Hitler-Anhängern aneinander. Etwas später gibt es erneut Zoff, als in einer Münchner Gaststätte der Dackel eines anderen Gastes untern Tisch des Kommissars pieselt. Der aus dem Chiemgau stammende Autor spart nicht mit Lokalkolorit, ist manchmal sehr nah am Klischee; doch dem Publikum gefällt es, wie Hültner den preußischen Befehlston aufs Granteln der Einheimischen loslässt, und dankt mit lautem Applaus.

Danach liest der Autor mit dem freundlichen Blick aus seinen realen Fällen: die traurige Geschichte von Charly, einem 21-Jährigen, der vor Gericht steht, weil er seine Frau und sein Kind umgebracht hat. Es ist das Jahr 1962, die Zeit des Wirtschaftswunders, des Umbruchs und großer gesellschaftlicher Veränderungen. Charly ist ein Verlierer, der eigentlich nur frei sein wollte. Weiter führt der Lesereigen nach Südfrankreich, wo Hültner die Hälfte des Jahres lebt. Hier spielt sein nächster Roman, der im Juni erscheinen soll. Hültner hat einige Manuskriptseiten mitgebracht, um, wie er sagt, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die Szene stimmt. Diesmal ist es ein arroganter Kripobeamte aus Montpellier, der alles besser weiß als der Chef der örtlichen Gendarmerie-Station.

Das Gemeinsame bei all diesen Fällen sei, dass sich der Täter in einer Notsituation befinde, Angst habe, seine Würde zu verlieren, oder schlicht aus Dummheit und Denkfaulheit nur das Verbrechen als Lösung sehe.