Unterbrunn:Erstaunliche Funde

Buchvorstellung über Bombenangriff auf Gauting; Buchvorstellung in Unterbrunn

Stephan Limmer (li.) und Daniel Rehermann forschten über Gauting.

(Foto: Fuchs)

Hobbyhistoriker stellen Buch über Gauting im Bombenkrieg vor

Von Blanche Mamer, Unterbrunn

Mit einem Propeller hat alles angefangen. Hermann Geiger, passionierter Sammler aus Unterbrunn, hatte an einem Gartenzaun in der Ammerseestraße in Gauting den alten Flügelantrieb entdeckt. Er erzählte seinem Spezi von der Feuerwehr, Stephan Limmer, davon. Der Propeller war der Überrest eines britischen Lancaster-Bombers, 1942 in Gauting abgeschossen. Den Propeller bekamen Limmer und Geiger nicht - nur leihweise für die Buchvorstellung am Donnerstag. Schließlich hatte das Fundstück den Anstoß geliefert zu den Recherchen von Limmer und Co-Autor Daniel Rehermann zu "Gauting und seine Ortsteile - Luft und Bombenkrieg 1938 bis 1945".

Der 50-jährige Limmer und der 29-jährige Rehermann kennen sich von der Berufsfeuerwehr in München und nennen sich augenzwinkernd Barfußhistoriker, da sie ohne wissenschaftliche Ausbildung Heimatgeschichte aufarbeiten. Während Limmer sich um Informanten aus seinem Heimatdorf kümmerte, war Rehermann für die Recherchen in Militärarchiven in England und Amerika zuständig. Hermann Geiger und die etwa 30 Zeitzeugen steuerten Fotos und Abbildungen bei.

Der Absturz des Bombers führte zu den Flakstellungen in Unterbrunn und jenen auf dem Geländer der jetzigen Asklepios-Klinik. Dort hatte man bereits 1938 auf 38 Hektar mit dem Bau einer Flakscheinwerferkaserne begonnen. Schon ein Jahr später wurden hier nicht nur Flugabwehrsoldateh und Funker ausgebildet, sondern Flugzeugbesatzungen. Ausbilder waren Piloten der Legion Condor. Die hatten im Spanischen Bürgerkrieg als geheime Gehilfen von General Franco einen massiven Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung geführt.

Noch heute stehen einige der massiven Gebäude. Es gibt auch noch einige Baracken. Und der Schießstand im Wald ist immer noch erkennbar. Luftaufnahmen von 1945 aus amerikanischen Archiven machen das Ausmaß der ehemaligen Kaserne deutlich. Die Flakbatterie im nahen Unterbrunn war nicht nur bestens ausgerüstet. Die Flakhelfer, Gymnasiasten aus München, waren auch bestens ausgebildet. Einige treffen sich immer noch einmal im Jahr beim Böck in Unterbrunn. Die beiden Hobbyhistoriker konnten sie befragen. Sie steuerten etliche Informationen zu dem 230-seitigen broschierten Buch bei. "Plötzlich wussten wir, wo genau auf Unterbrunner Flur die Fünfer-Batterien standen." Limmer berichtet auch, wie die Kanonen funktionierten. Die sogenannten Blitzmädels blendeten die Piloten mit einem 10 000 Meter weit reichenden grellen Lichtstrahl. Der Pilot konnte sein Flugzeug nicht mehr steuern. Dieses wurde anvisiert, Höhe, Winkel und Geschwindigkeit berechnet. Dann der gezielte Abschuss.

Über den amerikanischen "Mission Report" haben die beiden Laienhistoriker herausgefunden, dass Gauting bei der Bombardierung am 21. Juni 1944 nicht Primärziel war. Das brachte ihnen ein großes Lob ein vom Geschichtsprofessor Walter Fürnrohr, der verschiedene Aspekte der Ortsgeschichte während der Nazizeit aufgearbeitet hat. Das Buch gibt es in der Buchhandlung Kirchheim und im Schreibwarenladen Ratzefummel.

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