Umwelt:Negative Energie

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In Bernried ist mehr Klimaschutz geplant, dennoch verursacht ein Antrag großen Ärger

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

Der Bernrieder Arbeitskreis Energie (AK) fühlt sich brüskiert: In monatelanger Arbeit hatten die ehrenamtlichen Mitglieder einen Antrag zur energetischen Sanierung gemeindlicher Gebäude erarbeitet. Nur wenige Tage später reichte AK-Mitglied Andreas Lüdtke in seiner Funktion als ÜFW-Gemeinderat einen ähnlich lautenden Antrag ein. Er habe sich mit fremden Lorbeeren geschmückt, kritisierte AK-Sprecher Konrad Lang. "Das stößt alle vor dem Kopf, die bisher leidenschaftlich und fürs Gemeinwohl am Klimaschutz arbeiten." Es schreibt in seiner Stellungnahme: "Hier schmückt sich jemand mit den hart erarbeiteten Leistungen des AK." Statt zusammenzuarbeiten und Kräfte zu bündeln, betreibe Lüdtke "machtpolitische Ränkespiele", mit denen er in der Kommunalpolitik punkten möchte. Dafür gebe es keine Berechtigung.

Laut Lang ist Bernried beim Ausbau erneuerbarer Energien mit 7,9 Prozent Schlusslicht im Landkreis Weilheim-Schongau, in dem bereits 69,8 Prozent erreicht wurden. Im Gemeinderat wurden zwar schon Grundsatzbeschlüsse gefasst, etwa, dass Bernried bis 2030 klimaneutral sein will oder dass zusammen mit der Nachbargemeinde Tutzing ein Klimaschutzmanager eingestellt werden sollte. Doch bislang sei nichts passiert, moniert Lang. "Es gibt kein Ziel, keinen Plan, keine umgesetzte Maßnahme."

Auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats standen beide Anträge auf der Tagesordnung. Unter Top 6 wurde Lüdtkes Antrag vom 27. Dezember "auf Organisation einer Ausstiegsstrategie für die gemeindlichen Gebäude und Einrichtungen zur Erreichung einer Null-CO2-Emissions und Hilfestellung der Bernrieder Bürger" verhandelt. Unter Top 7 stand der schon am 19. Dezember eingereichte Antrag "energetische Sanierung kommunaler Gebäude" des AK Energie. Angefügt war zudem ein ausführlicher Rechenschaftsbericht über die Arbeit der vergangenen fünf Jahre, wonach der Arbeitskreis eine Bestandsaufnahme und nun ein konkretes Konzept erarbeitet hat, in dem mögliche Maßnahmen vorgeschlagen werden. Als erster Schritt sollte der Betrieb der Sporthalle klimaneutral gestaltet werden, beispielsweise durch Photovoltaik, Warmwasser- und Batteriespeicher oder Fassadenbegrünung.

In Lüdtkes Antrag wird neben der Ausstiegsstrategie erneut die Einstellung eines Klimaschutzmanagers vorgeschlagen, wie dies der Gemeinderat schon vor zwei Jahren beschlossen hatte. Sein Antrag gehe weit über die vom AK vorgeschlagenen Einzelmaßnahmen hinaus, erklärte er auf Anfrage. "Lang hat sich auf den Schlips getreten gefühlt, weil sich auch andere Leute mit dem Thema befassen", schießt der ÜFW-Gemeinderat zurück, der sich offenbar keiner Schuld bewusst ist. Nach Meinung Lüdtkes, der auch stellvertretender Vorsitzender des SV Bernried ist, sollte nicht nur die Sporthalle, sondern alle Gebäude im Dorf untersucht und den Eigentümern Lösungen beziehungsweise Fördermöglichkeiten vorgeschlagen werden.

Diese Vorschläge sind jedoch auch Gegenstand des AK-Antrags. Unter Punkt 3 werden als Motivation der Bürger zu energetischen Sanierungen konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, wie Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Förderprogramme. Ein weiterer Punkt ist die "Aktive Steuerung des Klimaschutzes", beispielsweise ein Klimaschutzmanagement oder ein Klimaschutzprogramm. In Bernried koche jeder sein eigenes Süppchen, "alles läuft auseinander", machte Lang seinem Unmut Luft.

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