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Umwelt:Bund Naturschutz boomt

Herrsching, Wartaweil BNS

Das gerade umgebaute Zentrum in Wartaweil ist das einzige in Bayern, das dem Bund Naturschutz gehört.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Kreisgruppe Starnberg hat nun bayernweit die höchste Mitgliederzahl pro Einwohner. Den Zuwachs verdankt sie Klimakrise und Bienen-Volksbegehren - und einer zunächst umstrittenen Werbeaktion

Seit dem Volksbegehren zur Artenvielfalt segelt der Bund Naturschutz Bayern (BN) im Aufwind. Und wie bei der Unterschriftensammlung zur Rettung der Insekten, steht der Landkreis Starnberg an der Spitze: Die Kreisgruppe zählt aktuell mehr als 4000 Unterstützer und weist damit landesweit die höchste Mitgliederdichte pro Einwohner auf. Zu verdanken ist das auch einer Werbeaktion, bei der gerade junge Frauen und Männer von Tür zu Tür gehen: Seit dem 19. August konnten so schon fast 400 neue Mitglieder im Landkreis gewonnen werden. Weil die Hausbesuche nun in den Gemeinden Gauting, Gilching, Krailling, Weßling und Wörthsee fortgesetzt werden, ist Günter Schorn zuversichtlich, dass in den kommenden zwei Wochen "die 500 ganz bestimmt überschritten werden". Der langjährige BN-Kreisvorsitzende erlebt nun seine vierte Werbeaktion, die bisher letzte fand vor sechs Jahren statt.

Gemeinsam mit dem seit dem Vorjahr amtierenden Landesvorsitzenden Richard Mergner sprach Schorn bei einem Pressegespräch in Wartaweil auch über das wachsende politische Gewicht, das dem BN zukommt. Mergner war ohnehin zu Gast am Ammersee, weil dort gerade alle Geschäftsführer der BUND-Landesverbände tagen. Das gerade renovierte Naturschutz- und Jugendzentrum am Ammersee ist landesweit einzigartig: Dank einer Erbschaft ist der BN dort Eigentümer. In Bayern hat die Umweltorganisation inzwischen 238 000 Mitglieder; es zeichne sich bereits ab, dass heuer der Zuwachs im Windschatten von Volksbegehren und Klimakrise höher ausfallen wird, als in allen Jahren zuvor, sagte Mergner. Er wies darauf hin, dass der BN im Gegensatz zu etwa Greenpeace oder dem World Wildlife Fund "ein Labor für Basisdemokratie" sei: Bei allen Positionen des Verbands haben die Mitglieder vor Ort Mitspracherecht, die Entscheidungen treffen Landesversammlungen, zu denen die Kreisverbände Delegierte entsenden.

So sei auch vor 20 Jahren eine "intensive Auseinandersetzung" erfolgt, ob der BN "Drückerkolonnen" zur Mitgliederwerbung einsetzen sollte. Mergner habe die Entscheidung dafür mitgetragen, denn die Aktiven wollten nicht Klinkenputzen, sondern "lieber direkt etwas tun". Aber bei Gesprächen an der Haustür könne man erfahren, was den Leuten vor Ort wichtig ist. Dazu stehen die Werber ständig im Kontakt mit den Ortsgruppen, wo sie sich auch schon vor der Aktion genau über die lokal anstehenden Probleme informieren.

Dies bestätigten auch die vier Werber im Alter von 18 bis 22, die gerade in einer knappen Woche in Seefeld 65 neue BN-Mitglieder gewonnen haben. Die Gespräche bis zur Unterschrift dauerten zwischen einer Minute und einer Stunde, erzählte Ferdinand Rebner. In Seefeld seien der Biotopschutz, der Widerstand gegen den geplanten Klinikneubau im Grünzug nahe der Eichenallee und die vor einem Jahr wiedergegründete Ortsgruppe mit eigener Kinder- und Jugendlichengruppe zugkräftige Argumente gewesen. "Ich bin schon seit einigen Jahren fast jeden Sommer vier Wochen lang dabei", sagte Rebner, der als Werber ausschließlich für den BN arbeitet.

"Uns ist wichtig, dass der Einsatz der Werberinnen und Werber anständig bezahlt wird", betonte Mergner - selbst wenn dafür ein Teil der Mitgliedsbeiträge ausgegeben werden muss: Der Aufwand lieg etwa bei einem von fünf Jahresbeiträgen, "die Stornoquote ist ganz gering". Das Geld der Mitglieder fließe zum Großteil an Orts- und Kreisgruppen zurück, 800 000 Euro gingen jährlich an den Bundesverband, ein kleiner Teil an das internationale Netzwerk "Friends of the Earth". Schorn ergänzte, dass der BN nicht nur finanziell von der Werbeaktion profitiere: Aktive Mithelfer seien stets willkommen, etwa getreu dem Motto "Biotoparbeit statt Fitnessstudio".