Sie wollen es mit den eigenen Augen sehen, damit sie es wirklich glauben können. Unterbrunner haben schon beim staatlichen Hochbauamt in Weilheim angerufen, wann genau die Baumaschinen anrücken, wann die ersten Bauteile geliefert werden, sie haben nach der Uhrzeit gefragt, damit sie hingehen können und zuschauen.

Zu lange mussten sie schon auf eine Umgehungsstraße warten. "Bis sich da nicht wirklich was rührt, bis einmal ein Trumm steht, glaubt das doch keiner", sagte der ehemalige Gemeinderat und Multifunktionär Hermann Geiger der SZ. Aber nach den vielen Jahren der Debatten über Trassen und die Finanzierung, nach Planungen, Änderungen und neuen Entwürfen soll es nun tatsächlich losgehen. Erste Vorboten sind schon zu sehen.
Den Auftakt der Arbeiten werden die Unterbrunner richtig feiern. Anlässlich des symbolischen ersten Spatenstichs mit Staatssekretär und lokaler Politprominenz am Dienstag nach den Sommerferien bereiten sie ein größeres Fest beim Feuerwehrhaus vor; das beginnt um 14 Uhr mit Kaffee und Kuchen und geht bis weit in den Nachmittag. Auf Stellwänden mit Zeitungsausschnitten und Fotos soll der lange Weg zur Umgehungsstraße dokumentiert werden.
Und zur Feier des Tages gibt es noch einmal einen richtigen Stau. Wie im Mai und Juni vergangenen Jahres, als die Unterbrunner im Zuge von Demonstrationen den Verkehr auf der Ortsdurchfahrt zum Erliegen brachten, um Druck auf die Kommunalpolitik auszuüben. Auch diesmal ist am Nachmittag wieder ein Korso mit Traktoren und Transparenten vorgesehen. Aus dem Protest wird so nun ein Triumphzug.
Denn den entscheidenden Schub haben wohl die Unterbrunner selbst mit ihren Protestaktionen gegeben, als sie ihren Ort dicht gemacht haben. Durch bunte und lautstarke Demonstrationen haben sie lange Staus provoziert. Traktoren und Baumaschinen tuckerten damals im Schneckentempo durch den Ort, begleitet von vielen Radfahrern, alle ausstaffiert mit Transparenten. Es dauerte keine fünf Minuten, und die Autos standen bis zum Ortsrand. Nach einer halben Stunde bildet sich eine Fahrzeugkolonne von Unterbrunn bis Oberbrunn, und der Verkehrsfunk empfahl, diese Orte zu meiden.
Das waren Signale, die über den Ort hinaus gehört wurden. Überregional und unübersehbar wurde demonstriert, wie groß die täglich Belastung durch Autos und Lastwagen ist. Mit der Forderung "Umgehung jetzt", die auch jetzt noch auf vielen Plakaten überall im Ort zu lesen ist, marschierten die Unterbrunner schließlich auch noch nach Gauting, um mit Transparenten und Schildern in den Sitzungssaal zu drängen und den Gemeinderat unter Druck zu setzen. Nach der Grundsatzentscheidung für die Umgehung waren auch die verbliebenen Hindernisse bald beseitigt. Ende April wurde der Kauf der letzten für die Straße nötigen Grundstücke notariell besiegelt.
Seit der vergangenen Woche ist es unübersehbar, dass die Unterbrunner ihr Ziel erreicht haben, denn nun wird der Bau der Brücken vorbereitet. Arbeiter haben an der Straße nach Hochstadt, wo eine Unterführung entsteht, einen Container abgeladen, im Feld ist dort mit Holzpflöcken die Fläche abgesteckt, auf der eine provisorische Ausweichstrecke für die Bauzeit angelegt wird.
Die eigentlichen Arbeiten beginnen nach Auskunft des Hochbauamts am heutigen Montag am Schönweg am Waldrand bei Oberbrunn. Dort wird ein Durchlass für landwirtschaftliche Fahrzeuge errichtet. Weitere vier Brückenbauwerke folgen: an der Hochstadter Straße, am Mamhofener Weg, bei Frohnloh und an der Weßlinger Straße. Nur dort, bei der Verbindung in Richtung Oberpfaffenhofen, taucht die Umgehung ab und verläuft unter der schon vorhandenden Straße.
Von der Umgehung erwartet sich das staatliche Hochbauamt eine immense Entlastung. Wie die für den Landkreis Starnberg zuständige Abteilungsleiterin Stephanie Kürmeier mitteilt, sind für das Jahr 2025 bis zu 13500 Fahrzeuge pro Tag auf der neuen Straße prognostiziert. In den Orten Oberbrunn und Unterbrunn bleiben dank der Entlastungstrasse nach dieser Voraussage nur noch 3000 Fahrzeuge.
Lange haben die Unterbrunner gekämpft. Unterschiedliche Trassen wurden geplant, geändert, verschoben; ortsnah, ortsfern, in Form von zwei Bögen verliefen die denkbaren Routen. Währenddessen wurde das Projekt immer teurer. Mittlerweile geht die Regierung von Oberbayern von Gesamtkosten in Höhe von knapp 14,5 Millionen Euro aus.
Damit der Straßenbau überhaupt in absehbarer Zeit verwirklicht wird, hat sich die Gemeinde Gauting auf ein finanzielles Hilfskonstrukt eingelassen. Die Umgehung ist zwar eine Staatsstraße, wird aber in kommunaler Sonderbaulast gebaut, wie das im Behördendeutsch heißt. Das bedeutet: Die Gemeinde ist Bauherrin, bezahlt zunächst auch, bekommt aber den Großteil der Kosten zurückerstattet. So hat das bayerische Innenministerium einen Zuschuss von elf Millionen Euro in Aussicht gestellt; die Bezirksregierung hat in einer ersten Rate drei Millionen bewilligt.