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Straßenbau:Immer Ärger mit der Umfahrung

Die Strecke in Weßling musste nach nicht einmal vier Jahren saniert werden. Geblieben ist die Gefährdung der einst üppigen Population von Fröschen, Kröten und Molchen.

Sie sollte eine Verkehrsentlastung für die Ortsdurchfahrt Weßling werden, doch bislang hat die 3,3 Kilometer lange Trasse, die die Autobahnausfahrt Wörthsee mit der Staatsstraße 2068 nach Herrsching verbindet, dem Staatlichen Bauamt Weilheim vor allem Arbeit und Ungemach beschert. Besonders um die für rund eine Million Euro errichtete zwei Kilometer lange Amphibienschutzanlage, durch deren 42 Durchlässe die Kröten, Frösche und Molche zu ihren Laichgewässern kriechen sollen, sowie um die neu angelegten Ausgleichsteiche gab es viel Ärger. Seit der Eröffnung der Weßlinger Ortsumgehung Ende 2016 musste hier immer wieder nachgebessert werden. Aber auch die zwölf Millionen Euro teure Straße macht Probleme.

Nicht einmal vier Jahre nach der Eröffnung musste vergangene Woche auf einem Teilstück der Ortsumfahrung die komplette Fahrbahndecke saniert werden: Der Asphalt war derart wellig und blasig geworden, dass aus Sicherheitsgründen das Tempolimit auf 70 Stundenkilometer gesenkt werden musste. Warum das so gekommen ist, kann Silke Schweigler vom Staatlichen Bauamt Weilheim nur vermuten. "Trotz gründlicher Untersuchungen weiß man nicht genau, was die Ursache ist", bedauert sie. Auf alle Fälle gibt es zuviel Feuchtigkeit im Straßenbelag. Bei Temperaturwechsel dehne sich der Asphalt dann bei Hitze aus und zieht sich in der Kühle der Nacht wieder zusammen. Das könne die Schäden verursachen.

Wörthsee: Wessling Umfahrung - neue Fahrbahn

Die Fahrbahn musste nun teilweise erneuert werden. Die Kosten von 300.000 Euro teilen sich das Staatliche Bauamt und die Baufirma.

(Foto: Nila Thiel)

"Der Einbau war gut und bei der Abnahme war auch alles in Ordnung", erklärt Schweigler. Auch sei damals bei trockenem Wetter asphaltiert worden. Doch wie dem auch sei: Der Straßenbelag musste runter und durch einen neuen ersetzt werden. Zwar liegen die Schäden noch in der Gewährleistungsfrist, aber damit sie nicht wieder auftreten, wird eine andere, teurere Bauweise angewandt. Etwa 300 000 Euro kostet die Sanierung, die sich das Bauamt und die Baufirma teilen werden. Insgesamt hatte die neue Straße zwölf Millionen Euro gekostet. Die Arbeiten sind am Freitag fertiggestellt worden. Nun kann auch die Geschwindigkeitsbeschränkung wieder aufgehoben werden. Was die Akzeptanz der Route betrifft, so hofft Schweigler, dass nach der Fertigstellung des sechsspurigen Ausbaus auf der A 96 die neue Route verstärkt angenommen werden wird. Der Dauerstau auf der Autobahn war dafür sicher nicht förderlich.

Seit fünf Jahren setzt sich derweil Tierschützerin Daniela Brombach für die Amphibien an der Weßlinger Umfahrung ein. Meistens musste sie dem Gemeinderat Schreckensnachrichten über die Zustände an der Amphibienschutzanlage (ASA) überbringen: Mal wurde direkt während der Hauptwanderungszeit der Kröten und Frösche mit schwerem Gerät gearbeitet, dann verätzten die Tiere in dem gestauten Wasser mit zu hohem pH-Wert, das sich in den Durchlässen gesammelt hatte, mal fielen die Ausgleichsgewässer mit dem Laich trocken, dann wieder klebten Tiere an den Betonleitlinien fest und verendeten. Während der Akzeptanzkontrolle waren die Tiere stundenlang in engen Eimern gefangen, viele starben. Immer wieder gab es Nachbesserungen, aber nicht alle waren erfolgreich, berichtete Brombach. Im fünften Jahr seit Beginn ihres Einsatzes gibt es aber endlich einen Lichtblick: "Die Durchlässe wurden fachgerecht saniert" und seien rechtzeitig vor der Anwanderung der Jungfrösche fertig geworden. Auch die Teiche seien laut Brombach mit einer sehr guten Teichfolie saniert worden.

Einer der Teiche für die Amphibien hat zu lecken begonnen.

(Foto: Daniela Brombach/oh)

Gleichwohl haben die vergangenen Jahre ihre Spuren bei der Amphibienpopulation hinterlassen. Vor den Baumaßnahmen habe es hier eine deutschlandweit einzigartige Population mit Zehntausenden von Fröschen, Kröten und Molchen gegeben. Bereits im vergangenen Jahr musste nach einer im Planfeststellungsverfahren festgeschriebenen Zählung ein gravierender Verlust von Tieren eingestanden werden. Für dieses Jahr zieht Brombach erneut ein ernüchterndes Fazit: "Vier Jahre keine Reproduktion an den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsgewässern, im fünften Jahr nur einzelne Tiere." Im Frühjahr habe es noch dazu einen unerklärlichen Schwund an Kaulquappen aus den Teichen gegeben. "Sie waren plötzlich Ende Mai verschwunden." Nur einzelne Tiere hätten überlebt, die "vielleicht den Landgang schaffen", und seit Juni "beginnt der kleine, nicht sanierte Teich zu lecken".

Immerhin werde den verbliebenen Tieren in diesem Jahr nicht wieder die anstrengende Prozedur der Zählung zugemutet. Die geplante Akzeptanzkontrolle wurde um ein Jahr auf 2021 verschoben.

© SZ vom 30.06.2020

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