Tutzing:Das Straßendorf bekommt eine Mitte

Wo das neue Herz Tutzings schlagen soll: An der Hauptstraße sind ein dreigeschossiges Gebäude und ein Platz vorgesehen. Die Investoren wollen Wohnungen, Geschäfte und viel Grün schaffen.

Von Jessica Schober

Ein wenig höher und vor allem ein ganzes Stück weiter hinten - so soll sich die Bebauung in Tutzings Mitte entwickeln. "Es geht um das Herz des Ortes", sagt Bürgermeisterin Marlene Greinwald, wenn sie von den Plänen für das neue Dorfzentrum an der Hauptstraße 39 spricht. Wo heute noch der "Kohlen-Müller" Schrauben und Schneeschaufeln verkauft, wird sich nach der Schließung der Anton Müller KG im kommenden Jahr ein ganz neues Areal entwickeln.

Altes Geschäftshaus muss Neubau weichen; In der Tutzinger Ortsmitte entsteht:

Das Geschäftshaus der Müller KG an der Tutzinger Hauptstraße soll einem Neubau mit Vorplatz weichen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Anstelle des Flachbaus und der Gebäude, die lange einen Supermarkt beherbergten, könnte ein dreigeschossiges Haus entstehen mit Raum für Geschäfte und Wohnungen. Der Neubau soll nach Plänen der Starnberger Projektentwicklungsgellschaft Imeno rund sechs Meter von der Hauptstraße nach hinten verlegt werden, sodass etwas entstünde, das bislang fehlt: ein Platz in der Ortsmitte.

Ortsmitte Tutzing

Anstelle des Flachbaus und der Gebäude, die lange einen Supermarkt beherbergten, könnte ein dreigeschossiges Haus entstehen. Simulation: Florian Burgstaller

"Tutzing ist bislang ein Straßendorf und hat keine klassische Dorfmitte", sagt der Architekt und für die Gemeinde tätige Stadtplaner Florian Burgstaller. "Das ist die einzige Stelle, an der eine Aufweitung möglich ist und eine Ortsmitte entstehen könnte". Dass die Investoren schon Kontakt zur Gemeinde suchen, während noch Pläne geschmiedet werden, sei ein gutes Signal, hieß es in der Sitzung des Tutzinger Gemeinderates am vergangenen Dienstag.

Felix Wittmann aus Weßling und sein Kompagnon Christoph Grill kümmern sich mit der Imeno Projektentwicklungsgesellschaft sonst eher um die Planung für große Industriebauten oder Altbausanierungen in München und Stuttgart. In Tutzing sehen sie aber eine klassische Architektur mit Holzverschalungen und Giebeln, Holzfensterläden, Balkonen und einem Satteldach vor, so Wittmann. "Wir wollen hier an dieser schönen und sensiblen Stelle etwas schaffen, das nach Tutzing passt." In den Gewerberäumen im Erdgeschoss könnte ein Einzelhändler oder ein Nahversorger mit regionalen Produkten Einzug halten, die Gespräche dazu laufen.

Wittmann sagt, er wolle lieber familiengerechte Wohnungen schaffen statt Luxus-Lofts. Ein Teil der Wohnungen soll so gegliedert sein, dass sie über eine EOF-Förderung abgewickelt werden können, eine einkommensorientierte Zusatzförderung.

Burgstaller fügt hinzu: "In Tutzing gibt es einen hohen Bedarf an kleinen Wohnungen, zum Beispiel für die Mitarbeiter des Klinikums." Von der Marienstraße aus sollen die Türme der Kirche St. Jakob weiterhin erkennbar sein. Und grüner soll die neue Ortsmitte auch werden: Bislang ist die baumlose Fläche von 1858 Quadratmetern komplett versiegelt. Bis zu 40 Prozent wollen die Investoren entsiegeln, um Bäume und einen Garten zu pflanzen. Nach kritischen Kommentaren aus dem Gemeinderat, das geplante Gebäude könnte zu hoch oder zu wuchtig sein, wollen Investoren und Stadtplaner nun neue Varianten ins Spiel bringen, die im Herbst besprochen werden könnten.

Gestaltungsspielraum in den Entwürfen sieht Architekt Burgstaller bei der Positionierung und Aufteilung der Hausfront. "Wir wollen später nicht mit Tomaten beworfen werden, sondern stolz darauf sein, wenn wir an der Straße entlang gehen", sagt Wittmann.

© SZ vom 10.07.2021
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