Meditation entspannt, keine Frage. Auch die Wirkung von Weißbier auf den menschlichen Körper ist von Wissenschaftlern sowie von Privatleuten bereits eingehend erforscht worden, das Ergebnis: Zu viele Weizen sorgen für Unwohlsein, erwischt man jedoch das richtige Maß, ist auch dem Weizensaft ein entspannender Effekt nicht abzusprechen. Und so ist das, was kürzlich auf einer von einem Architektenbüro im Tutzinger Gemeinderat präsentierten Karte zu sehen war, keinesfalls als Schnapsidee abzutun. In der Präsentation war nämlich anstelle des Kustermannparks eine Weißbier-Meditationswiese markiert, direkt am Seeufer. Die am Ufer auslaufenden Wellen, der bequeme Meditationssitz und dann auch noch ein Weizentorpedo vor den überkreuzten Beinen - entspannter geht's kaum.
Doch selbstverständlich würde die Einrichtung einer solchen alkoholgeschwängerten Meditationswiese auch Risiken mit sich bringen. Traditionelle Yogis, die eher ätherischen Ölen und anderen betörenden Substanzen zusprechen als Weißbier, könnten die endgültige Kommerzialisierung ihrer Lebenseinstellung wittern. Welche Auswirkungen hätte der zusätzliche Weißbierkonsum auf die sowieso schon angespannte Toilettensituation am Seeufer? Und nicht zuletzt müsste man sich Sorgen um die Tutzinger machen: Würde der Ort dann nicht von zwar tiefenentspannten, aber halt auch stark beschwipsten Freunden der Meditation überrannt werden? So eine Sitzung am See kann schließlich eine zeitintensiv Sache werden, und je länger man meditiert, desto mehr Zeit bleibt einem schließlich auch dafür, sich ein, zwei, sechs Weizen zu genehmigen.
Doch wer sich nun schon Sorgen um die Tutzinger und den Frieden in der Yoga-Szene gemacht hat, der darf an dieser Stelle beruhigt werden. Das Architekturbüro hat nicht vor, den Kustermannpark unbefugterweise in ein Saufparadies umzuwandeln. Vielmehr hatten die Planer beim Erstellen der Präsentation eine ältere Karte auf Google Maps erwischt - und auf der hatte offenbar jemand den Kustermannpark als Weißbier-Meditationswiese markiert. Das Planungsbüro übernahm die Bezeichnung dann und sorgte somit dafür, dass es in der sonst oft drögen Gemeinderatssitzung auch mal etwas heiterer zuging. Noch dazu haben die Fachleute eine schöne Idee geboren. Denn eine frei zugängliche Weißbier-Meditationswiese direkt am Ufer des Sees - das hätte doch trotz der beschriebenen Nebenwirkungen was, oder?