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Tutzing:Umstrittenes Villengebiet

Tutzing Nordbad, Holzzaun

Halt, Privatgrund: Am Nordbad sind die Kabinen mit einem Zaun abgeriegelt. Eigentümer und Gemeinde streiten.

(Foto: Georgine Treybal)

Vierparteienhaus abgelehnt. Einigung wegen Nordbad-Kabinen offen

Das Seeufer im Norden Tutzings kennzeichnen großzügige, parkähnliche Grundstücke mit einzelnen Villen. Das historische Ortsbild mit Sichtachsen auf den Starnberger See soll nach dem Wunsch der Gemeinde auch in Zukunft erhalten bleiben - die grundsätzlichen Festsetzungen für das Gebiet zwischen Hans-Albers-Straße an der Grenze zu Feldafing und dem Fischergassl am Ortszentrum werden gerade in einem Bebauungsplan aufgestellt.

Einfamilienhäuser oder maximal zwei Wohneinheiten sind vorgesehen. Ein blockartiges Mehrfamilienhaus für vier Parteien samt Tiefgarage, das Eigentümer anstelle einer Villa auf dem seenahen Eckgrundstück an der Simone-Färber-Straße errichten wollen, passt da nicht zu den beabsichtigten Vorgaben. Der Antrag auf Vorbescheid für ein Gebäude mit mehr als 250 Quadratmetern Grundfläche, gewaltigen "Balkonen" mit allein bis zu 30 Quadratmetern und einer Tiefgarage mit 570 Quadratmetern für elf Plätze samt 16,5 Meter langer Zufahrt lehnten die Gemeinderäte im Bauausschuss einstimmig ab.

Immer wieder in den Schlagzeilen war besagtes Grundstück, weil die Eigentümer seit Jahren mit der Gemeinde wegen des nahen Nordbads im Clinch liegen. In mehr als einem Dutzend gerichtlicher Verfahren setzte der Miteigentümer, Rechtsanwalt Rüdiger Lange, - teilweise auch mit weiteren Nachbarn - Auflagen zu Sperrstunden und Lärm durch. Besucher und Pächter des beliebten Seebads fühlten sich erheblich gegängelt. Zuletzt erregte diesen Sommer der Streit um einen kleinen Grundstücksstreifen, auf dem die Umkleidekabinen am Nordbad stehen, die Gemüter von Badegästen. Lange hatte das jahrelang umstrittene Fleckchen mit 134 Quadratmeter erworben - rechtmäßig, wie ein Gericht ihm im November 2019 bescheinigte.

Als die Gemeinde erfuhr, dass ihr der Grund mit den Badekabinen nicht gehört, wurde allen Mietern der begehrten Hüttchen gekündigt. Vor den Kabinen ließ das Rathaus im Juni einen Zaun errichten, der den Zugang zu den Umkleiden abriegelt - "aus Haftungsgründen". Lange äußerte sich im Sommer gesprächsbereit, mit der Gemeinde über eine Pachtzahlung für das Grundstück einig zu werden. Noch ist die aber nicht in trockenen Tüchern.

Gerüchten, dass die Bauabsichten der Familie - den Antrag haben seine Schwester und seine Tochter eingereicht - mit den Querelen verknüpft würden und das Nordbadfleckchen als Faustpfand herhalte, widersprach Lange am Montag auf Nachfrage. "Das sind für mich zwei völlig getrennte Dinge", betonte der in Berlin ansässige Anwalt. Er würde sich auch dagegen verwahren, wenn er das Gefühlt hätte, dass die Gemeinde sich mit Bebauung und Verpachtung wegen früherer Auseinandersetzungen "da jetzt austoben" würde. Aber eine "große Dringlichkeit" zu einem Abschluss sieht er angesichts der Zeit bis zur nächsten Badesaison nicht.

© SZ vom 27.10.2020 / manu

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