Grund- und Mittelschule TutzingPlanungsfehler verzögern und verteuern Modernisierung

Lesezeit: 3 Min.

Im Altbau wird das Haus in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz behutsam renoviert und modernisiert.
Im Altbau wird das Haus in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz behutsam renoviert und modernisiert. Nila Thiel
  • Die Sanierung der Grund- und Mittelschule Tutzing verzögert sich erheblich – statt wie einst geplant im Sommer 2025 wird sie frühestens Ende 2026 fertig.
  • Die Kosten haben sich seit 2017 nahezu verdoppelt, auf nunmehr 31,2 Millionen Euro aufgrund von Planungsfehlern.
  • Die Mittelschüler müssen ihr Ausweichquartier bei der Bundeswehr in Feldafing verlassen, da diese den Mietvertrag nicht verlängert.
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Seit drei Jahren schon wird der Schulkomplex in Tutzing saniert: Der Zeitplan ist Makulatur, die Kosten haben sich nahezu verdoppelt und die Bundeswehr verlängert den Mietvertrag fürs Ausweichquartier nicht.

Von Peter Haacke, Tutzing

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Hätte der Zeitplan funktioniert, könnte an der Grund- und Mittelschule Tutzing vermutlich längst schon wieder unterrichtet werden. Im Sommer 2025, so das ehrgeizige Ziel, hätte der Schulkomplex in der Ortsmitte komplett umgebaut und saniert sein sollen. Doch mittlerweile ist klar: Aufgrund von Planungsfehlern und erheblichen Verzögerungen werden alle Arbeiten frühestens zum Jahresende abgeschlossen sein. Die voraussichtlichen Gesamtkosten haben sich seit 2017 nahezu verdoppelt auf nunmehr 31,2 Millionen Euro. Damit nicht genug: Die Mittelschüler, die seit September 2022 übergangsweise auf einem Areal der Bundeswehr in Feldafing unterrichtet wurden, können dort nicht länger bleiben.

Seit drei Jahren wird nun schon an der Grund- und Mittelschule gearbeitet. „Wir sehen ein paar Lichtblicke“, sagt Bürgermeister Ludwig Horn (CSU), der das Projekt von Amtsvorgängerin Marlene Greinwald geerbt hat, „aber es muss auch noch einiges passieren.“ Er und seine Verwaltung müssen jetzt improvisieren: Eigentlich sollten die rund 160 Schülerinnen und Schüler während der gesamten Bauzeit der Schule in Liegenschaften der Bundeswehr untergebracht werden. Nun aber benötigt das IT-Ausbildungszentrum die Räume selbst und verlängerte den Mietvertrag daher kein weiteres Mal.

Um den Schulbetrieb dennoch sicherzustellen, haben die Projektverantwortlichen ihr Konzept angepasst: Anstelle der ursprünglich geplanten vollständigen Inbetriebnahme des sanierten Schulcampus soll zumindest ein Teil der Gebäude bereits zum Schuljahresbeginn im September regulär genutzt werden können. Der Rest soll im weiteren Verlauf der Sanierung folgen. Verhandlungen mit dem Gymnasium Tutzing laufen bereits, gesucht werden Klassen- und Fachräume.

Hoffen auf einen Abschluss der Bauarbeiten noch bis zum Jahresende (von links): Bauleiter Stefan Wagner, Bürgermeister Ludwig Horn und Projektleiterin Sina Meidinger (Bayerngrund) bei der Baustellenbesichtigung.
Hoffen auf einen Abschluss der Bauarbeiten noch bis zum Jahresende (von links): Bauleiter Stefan Wagner, Bürgermeister Ludwig Horn und Projektleiterin Sina Meidinger (Bayerngrund) bei der Baustellenbesichtigung. Nila Thiel

Die Sanierung des Schulkomplexes ist neben der Erneuerung der Hauptstraße das zweite Mammutprojekt für die rund 10 000 Einwohner zählende Gemeinde am Westufer des Starnberger Sees. Drei Gebäude – das 1915 errichtete Haupthaus, ein Anbau aus den Siebzigerjahren und das Grundschulgebäude – müssen modernisiert werden. Jahrzehntelang hatte man das Vorhaben vor sich hergeschoben. 2017 waren 16 Millionen Euro einkalkuliert, 2021 ging man von 22 Millionen aus, 2025 stieg die Summe auf 28 Millionen, vergangene Woche bewilligte der Gemeinderat nach turbulenter Sitzung bis spät in die Nacht eine Kreditaufnahme um weitere 3,2 Millionen. Der Freistaat beteiligt sich mit rund zehn Millionen Euro. Und ob die Gemeinde Klage erhebt und rechtliche Ansprüche gegen einzelne Baufirmen stellt, soll noch geprüft werden.

Die Zeitpläne sind alle auseinandergerissen, sagt der Bürgermeister, das könne man nicht schönreden

Im Oktober 2025 war klar, dass es auf der Baustelle nicht rund läuft. Um ein Fiasko wie beim Bau der Würmsee-Sporthalle mit teuren Unzulänglichkeiten zu verhindern, zog Bürgermeister Horn die Reißleine. Für die Baustelle ist seither Stefan Wagner als neuer Leiter verantwortlich, der die Terminpläne überarbeitet und angepasst hat. Zudem forderte Horn einen zusätzlichen Architekten, der Gemeinderat segnete die Entscheidung einhellig ab in einer Situation, die keine weitere Verzögerung duldete. „Die Zeitpläne sind alle auseinandergerissen“, sagt Horn, „das kann man nicht schönreden.“

Unterricht mit Berg- und Seeblick: Die neuen Klassenzimmer sind weitgehend fertiggestellt, es fehlt noch die Technik.
Unterricht mit Berg- und Seeblick: Die neuen Klassenzimmer sind weitgehend fertiggestellt, es fehlt noch die Technik. Nila Thiel

Den größten Rückstand gibt es im Keller und Erdgeschoss des Anbaus aus den Siebzigerjahren, der entkernt und um eine Etage aufgestockt wurde. Im Erdgeschoss sollen Schulmensa und Küche entstehen. Schmuckstück dürfte ein Multifunktionsraum werden, der auch für allerlei Veranstaltungen genutzt werden kann. Im Untergeschoss sind Technik- und Werkräume sowie eine Lehrküche geplant. „Hier sind wir am weitesten entfernt von der Fertigstellung“, sagt Horn. Allerdings sind diese Räume wenig relevant für den Unterricht.

Besser sieht es in den oberen Etagen aus. Insgesamt zwölf Klassenräume stehen zur Verfügung, „etwas mehr, als wir brauchen“, sagt Horn. Bodenbeläge fehlen noch, die Technik ebenfalls. Mit Mediasäulen in allen Klassenzimmern „sind wir digital technisch auf höchstem Stand“, erklärt der Bürgermeister. Und auch das begrünte, aber nicht begehbare Flachdach über dem Multifunktionsraum soll nun wasserdicht sein.

Der Multifunktionsraum soll auch für Veranstaltungen wie  Bürgerversammlungen genutzt werden, hat für den Unterricht aber vorerst nur untergeordnete Bedeutung.
Der Multifunktionsraum soll auch für Veranstaltungen wie  Bürgerversammlungen genutzt werden, hat für den Unterricht aber vorerst nur untergeordnete Bedeutung. Nila Thiel

Etwas weiter ist man im 111 Jahre alten Gebäude, das behutsam in Absprache mit dem Denkmalschutz modernisiert wird. Hier wird später neben dem Lehrerzimmer auch die Schulverwaltung untergebracht. Probleme gab es bei den Farben, die Fenster werden allesamt einzeln überarbeitet und wieder eingesetzt. Und im seit Jahren nicht mehr genutzten Schwimmbad hat ein Eisspeicher seinen Platz gefunden: Ein System, mit dem sich der gesamte Schulkomplex je nach Bedarf heizen oder kühlen lässt. Auch der Anschluss ans Rathaus und Feuerwehrhaus ist angedacht.

Bis der Schulkomplex komplett fertiggestellt ist, wird es wohl noch dauern. Die pädagogische Weisheit, die sich über dem Eingang zu einem alten Klassenzimmer findet, passt also nicht nur zum Lehrbetrieb, sondern auch zur Baustelle: „Arbeit hat bittere Wurzel, aber süßen Lohn.“

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