Starnberger See Es schneit - und 200 Tutzinger beschweren sich über den Winterdienst

Die Brückensperre in Unterzeismering ist jetzt unverrückbar. Fahrer hatten sie immer wieder missachtet.

(Foto: Arlet Ulfers)

Auch die Sperrung einer maroden Brücke wurde missachtet. Der Bürgermeisterin ist jetzt im Gemeinderat der Kragen geplatzt.

Von Manuela Warkocz

Tutzing ist schön. Das Verhalten einiger Tutzinger ist es weniger. Eine Brücke im Ort ist gesperrt? Egal, wird schon nicht so schlimm sein. Die Barrikade wird beiseite geräumt und einfach durchgebrettert. Es hat 24 Stunden durchgeschneit, aber die Straße vor der eigenen Haustür ist immer noch nicht geräumt? Ein erboster Anruf im Rathaus ist jetzt das Mindeste, um den Leuten da endlich Beine zu machen. Gerne folgt dann noch ein geharnischter Brief.

Was Bürgermeisterin Marlene Greinwald und ihre Mitarbeiter in den vergangenen Wochen erlebt haben, ist Ausdruck eines oft erstaunlichen Anspruchsdenkens. Oder einfach auch nur Dreistigkeit. Die Rathauschefin machte am Dienstag im Gemeinderat jedenfalls deutlich, dass sie anmaßendes Auftreten nicht länger hinnehmen werde - auch um ihre Mitarbeiter zu schützen.

Immer wieder ignoriert wurde die Sperrung der maroden Brücke über den Stockergraben auf der Diemendorfer Straße in Unterzeismering. Im Herbst galt das Verbot zunächst nur für Fahrzeuge mit mehr als 2,5 Tonnen. Weil das offenbar missachtet wurde, verschlechterte sich der Zustand derart, dass eine erneute Prüfung eine weitergehende Sperrung zur Folge hatte. Nur noch Rettungsfahrzeuge durften im Notfall durch. Dennoch hätten Verkehrsteilnehmer, auch Landwirte mit schwerem Geräte, die Absperrungen einfach beiseite gerückt, zeigte sich Greinwald in der Sitzung fassungslos. "Das ist kein Kavaliersdelikt. Wenn einer reinstürzt, haben wir das Drama."

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Jetzt habe man in Absprache mit Behörden aus Sicherheitsgründen die Zufahrt zur Brücke halt komplett abgeriegelt - solange bis im Frühjahr ein Provisorium gebaut wird. Auch das werde in der Tonnage beschränkt sein. Die Brücke muss her, damit eine Umleitung für den ersten Abschnitt des Hauptstraßenumbaus zustande kommt. Der Schwerlastverkehr soll dann weit um Tutzing herum geführt werden. Bis eine neue dauerhafte Brücke genehmigt wird, rechnet Greinwald "mit Jahren". Solange erwartet sie, dass ein Verbot akzeptiert wird.

Mehr Akzeptanz wünscht sie sich auch in puncto winterliche Straßenverhältnisse. Denn die Telefone im Rathaus glühten, als es im Januar heftig schneite. "Bis zu 200 Beschwerdeanrufe" seien täglich eingegangen. Zwei Mitarbeiter seien allein nur dafür abgestellt worden, sich von den Bürgern anzuhören, warum bei ihnen noch nicht geräumt sei. "Jeder soll sich überlegen, was er da verlangt", fordert Greinwald. Der Winter sei eben heuer extrem. Trotzdem seien alle von A nach B gekommen. "Wir waren kein Katastrophengebiet." Der Bauhof habe mit seinen Leuten tagelang Schwerarbeit geleistet und sein Bestes getan - was Gemeinderat Toni Aigner (Freie Wähler) bestätigte: Tutzing sei zum großen Teil besser geräumt als viele Straßen in München. Die Mitarbeiter seien auch an Wochenenden schon frühmorgens unterwegs gewesen. Aigner hat die Erfahrung gemacht, dass Tutzinger ihn mit Beschwerden so angehen, "als ob ich der Leiter vom Bauhof bin". Er trägt, wie andere Gemeinderäte, gern Anregungen oder Hinweise in das Gremium. Vorausgesetzt, der Ton stimmt.

Den vermisst die Bürgermeisterin aber in zunehmendem Maß bei Schreiben ans Rathaus. Sie fordert mehr Respekt gegenüber den Mitarbeitern der Verwaltung. Greinwald teilte mit, dass Briefe, die den Ton verfehlten, nicht mehr beantwortet würden.

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