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Tutzinger Beamter unter Missbrauchsverdacht:Tatort Polizeiboot

Suche nach vermißtem Ruderer; Suche nach vermißtem Ruderer

Auch auf einem Starnberger Polizeiboot soll der Beamte übergriffig geworden sein.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Beamte soll einen Praktikanten bei einer Patrouillenfahrt auf dem Starnberger See sexuell belästigt haben. Sein Verteidiger prüft eine Haftbeschwerde.

Bereits seit dem 15. März dieses Jahres sitzt ein 58-jähriger Polizist aus Tutzing in Untersuchungshaft in Stadelheim. Dem Mann wird vorgeworfen, 14- bis 17-Jährige vor allem aus dem Umfeld der Tutzinger Jugendfeuerwehr sexuell missbraucht zu haben. Der Familienvater wurde festgenommen, nachdem am 21. Februar ein mutmaßliches Opfer über eine Rechtsanwältin Strafanzeige gegen ihn erstattet und somit die Ermittlungen ausgelöst hatte. Diese Person ist nach SZ-Informationen ein Polizeibeamter aus dem Raum Augsburg, der nach 19 Jahren sein Schweigen gebrochen hat. Er soll als Jugendlicher missbraucht worden sein: Der mutmaßliche Täter habe ihn unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt und sich an ihm vergangen, so der Vorwurf.

Bislang gehen die Fahnder von sechs strafrechtlichen Fällen aus, die noch nicht verjährt sind. "Die Ermittlungen dauern noch an, zu Details können wir aber jetzt nichts sagen", erklärte auf Anfrage eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II. Dagegen bestätigte der Verteidiger des inhaftieren Polizisten, dass am 22. Mai drei Zeugen vernommen werden sollen, die als mögliche Opfer ermittelt worden seien. Nach deren Aussagen werde er entscheiden, ob er Haftbeschwerde einlegen wird. Denn bei seinem Mandanten bestehe keine Flucht- und Verdunkelungsgefahr mehr, so der Münchner Anwalt. Sein Mandant habe Übergriffe zugegeben, aber erklärt, dass er die männlichen Jugendlichen nicht zu sexuellen Handlungen gezwungen habe. Diese These hatten die Ermittler bislang bestätigt. Sie müssen aber noch viele Daten aus den Computern des Tatverdächtigen auswerten.

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Dem Vernehmen nach hatte der Polizeihauptkommissar auch einen Schülerpraktikanten auf eine Patrouillenfahrt der Wasserschutzpolizei auf dem Starnberger See allein mitgenommen. Auf dem Boot soll der Beamte dann zudringlich geworden sein und dem Schüler später pornografische Fotos und Filme aufs Handy geschickt haben. Der Vater des Praktikanten meldete das im März der Polizei. Zudem wurden weitere Fälle aktenkundig: So soll der beschuldigte Polizist auch im Schulungsraum der Tutzinger Feuerwehr und vor einigen Jahren in einem Ferienhaus günstige Gelegenheiten ausgenutzt haben, um mit minderjährigen Buben intim zu werden. Und ein weiterer Vorfall wird geprüft - ob ein Opfer zur Tatzeit erst 13 Jahre alt und damit noch ein Kind war. Das würde in dem Fall "sicherlich strafverschärfend" sein, erläutert der Anwalt.

Bisher hatten die Fahnder geglaubt, dass sich nach den Medienberichten und den Briefen des Starnberger Kreisjugendrings an die Eltern von Jugendlichen noch potenzielle Opfer melden würden. Denn der Polizist war auf etlichen Freizeitfahrten als Betreuer dabei gewesen. Doch es gab bisher offenbar keine neuen Hinweise auf weitere Übergriffe des 58-Jährigen, Der Mann hatte den Tutzinger Feuerwehrverein 13 Jahre lang als Vorsitzender geleitet. Er war dort sehr beliebt und auch in anderen Vereinen aktiv. Der Mann habe in diesen Funktionen freundschaftliche Kontakte geknüpft und sich Jugendlichen angenähert. Wobei es dann zu "heimlichen Grenzüberschreitungen" gekommen sei, wie es der Verteidiger formuliert. Der Fall löste bei der Feuerwehr und den örtlichen Vereinen einen Schock aus. Es gab daher Infoabende mit Experten, die sich um Prävention kümmern und über sexuellen Missbrauch aufklären.

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