Seit bald drei Jahrzehnten liegt das Museumsschiff „Tutzing“ fest vertäut an einem Steg vor dem Tutzinger Kustermannpark. Wegen hoher Renovierungskosten – für Schiff und Steg – denkt man darüber nach, den Dampfer zu verschrotten. Nun gibt es eine neue Idee für seinen Erhalt: Die „Tutzing“ soll an Land gebracht werden und künftig auf dem 150 Meter entfernten alten Volksfestplatz als Jugendzentrum dienen.
Einst schipperte das Schiff als Ausflugsdampfer Tagesbesucher und Sommergäste über den Starnberger See. 1995 musterte die Bayerische Seenschifffahrt den in die Jahre gekommenen Dampfer aus. Schiffsliebhaber Matthias Helbig und Gleichgesinnte aus Tutzing haben es schließlich geschafft, den ausrangierten Dampfer 1997 mit ihrem neu gegründeten Verein für den symbolischen Preis von einer Mark von der Bayerischen Seenschifffahrt zu erwerben und so vor der Verschrottung zu bewahren. Sie holten das gleichnamige Fahrgastschiff nach Tutzing und machten sich daran, es zu renovieren und als Museumsschiff zu betreiben.
Helbig und ein paar Mitstreiter sanierten das Boot liebevoll und machten es zu einer attraktiven Sehenswürdigkeit für die Gemeinde, ist es doch ein technisches Denkmal bayerischer Schiffbaukunst. Vertäut am Steg vor dem Kustermannpark haben Helbig und der Verein es über die Jahre auch geschafft, an Bord regelmäßig attraktive Kulturprogramme mit namhaften Künstlern anzubieten. Dafür wurde der Museumsschiff-Verein mit dem „Wilhelm-Hausenstein-Kulturpreis“ der Gemeinde Tutzing und dem „Tassilo-Preis“ der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet.
Trotz allen Engagements sind die „Tutzing“ und der Steg, an dem sie liegt, in die Jahre gekommen und renovierungsbedürftig. Immer häufiger fällt im Zusammenhang mit dem einstigen Ausflugsdampfer der Begriff Verschrottung. Würde man das Schiff an seinem bisherigen Platz im See belassen, würde dies viel Geld verschlingen, das ist allen Beteiligten bewusst. Für finanzielle Ausgaben dieser Größenordnung fehlen dem Verein indes die Mittel, auch wenn dieser an die 110 Mitglieder hat. Auch seien die meisten von ihnen bereits älter, und nur wenige würden tatkräftig mitanpacken, sagt Helbig.
So kommt ihm die Idee eines Jugendzentrums, die in seiner Familie entstand, zupass. Denn er sieht eine „langfristige Zukunft für die Tutzing nur an Land“. Grundsätzlich sei der Vorstand des Museumsschiff-Vereins offen dafür, dass aus dem einstigen Ausflugsdampfer ein Jugendzentrum wird, so Helbig. Die Sprecherin der Tutzinger Grünen, Flora Weichmann, ist auch äußerst angetan von dem Vorhaben: „Dieser Antrag zeigt, wie kreative Ideen sowohl denkmalgeschützte Objekte erhalten, als auch lebendige Orte für die Jugend schaffen können.“


Der bisherige Jugendreferent im Tutzinger Gemeinderat, Claus Piesch von den Freien Wählern, ist ebenso wie die Mitglieder des Jugendbeirats angetan von der Idee und hat sich schon viele Gedanken darüber gemacht, wie sich das Projekt in die Tat umsetzen lässt. Denn er ist überzeugt, dass die außergewöhnlichen Nutzungsmöglichkeiten eines Schiffes als Jugendzentrum ihren besonderen Reiz für junge Leute haben.
Bislang sei angedacht, dass das Schiff auf einem Stahlgerüst am alten Volksfestplatz gelagert und auf einem Betonfundament stehend etwa 1,5 Meter in den Boden eingelassen wird, so Piesch. Es ist geplant, für eine barrierefreie WC-Anlage einen Container auf dem Gelände aufzustellen. Im Inneren des Schiffes soll es zwei separate Räume für Veranstaltungen geben, Kühlkammern und Lager für Getränke und eine Kochgelegenheit sowie zwei Bord-Toiletten.
Die Decks könnten für Veranstaltungen genutzt werden
Vorder-, Zwischen- und Achterdeck können nach Pieschs Dafürhalten für Außenaktionen genutzt werden. Er stellt sich vor, dass eventuell auch die Decks über eine Rampe barrierefrei erschlossen werden können. Da diese allerdings einen steileren Anstieg als sechs Prozent hätte, könnten Rollstuhlfahrer die Rampe, wie er glaubt, nur mit Unterstützung benutzen.
Piesch geht davon aus, dass die Kosten für Transport, Aufstellung, Sanierung und Umgestaltung grob geschätzt rund 850 000 Euro betragen werden. Wenn das Vorhaben förderfähig ist, könne es über Mittel der Städtebauförderung sowie über Fördermittel des Bayerischen Jugendrings, der Aktion Mensch und aus dem Förderprogramm zum Erhalt als Industriedenkmal finanziert werden. Da die Gemeinde seinerzeit für den Fall, dass das Schiff verschrottet werden müsse, eine Bürgschaft übernommen hatte, könnte sie diese jetzt auch anteilig als gemeindlichen Beitrag an den Transportkosten ansehen, hofft Piesch. Über den Antrag, den Piesch an die Gemeinde gestellt hat, wird in der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag beraten.
Eine gewisse Hoffnung mag die Stellungnahme von Bürgermeister Ludwig Horn den Ideengebern machen. „Ich befürworte die Idee eines Treffpunkts mit Charme, da ein attraktiv gestalteter Ort eine deutlich höhere Anziehungskraft auf die Zielgruppe ausübt. Die konkrete Umsetzung muss noch eingehend auf die Finanzierbarkeit der geplanten Maßnahmen sowie auf die Machbarkeit unter Berücksichtigung der besonderen örtlichen Gegebenheiten geprüft werden“, teilt er vorab mit.

