Tutzing:Moderierte Strategie

Räte wollen sich für die künftige Gemeindepolitik professionelle Hilfe suchen

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Nach welchen Leitlinien soll Tutzing seine Gemeindepolitik in den nächsten 15 bis 20 Jahren ausrichten? Und welche Rolle kann dabei ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) spielen? Zu den "Leitzielen Tutzing 2030" und dem Vorgehen gibt es unterschiedliche Meinungen, wie sich im Gemeinderat zeigt. Einig ist man sich jedoch mit Bürgermeisterin Marlene Greinwald, dass ein professioneller Moderator den Prozess begleiten soll. Den soll das Rathaus nun in einem ersten Schritt ausfindig machen.

Um die beim ISEK-Verfahren vorgesehene Beteiligung der Bevölkerung zu bewerkstelligen, schwebt Greinwald ein anonymisiertes Verfahren vor: Tutzinger aller Altersgruppen sollen angeschrieben werden, wobei auch die Möglichkeit bestehen soll, dass man eine Mitwirkung ablehnt. "Aber es könnten eventuell Leute mitreden, die sich das gar nicht zugetraut haben", so Greinwalds Hoffnung.

Schon unter Bürgermeister Stephan Wanner hatte es vor 2014 erste Untersuchungen zu langfristigen Strategien im Ort gegeben. Die Architekten Martin Büscher und Florian Burgstaller hatten Fragestellungen zusammengetragen, aus dem sie jüngst die Ergebnisse noch einmal vorstellten: Die historische Entwicklung Tutzings, Analyse verschiedener Zonen, etwa entlang der Hauptstraße, am Seeufer, an der Bahnlinie, und Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe und Gastronomie. Die Planer konzentrierten sich auf städtebauliche Aspekte, um über das ISEK-Verfahren Mittel aus der Städtebauförderung zu bekommen. Weil auch Tutzing einen Batzen Geld hätte beisteuern müssen, verschwanden die Anträge damals wieder in der Schublade.

Was aber für etwa 60 000 Euro herausgefunden worden sei, könne man heute als Grundlage verwenden, findet Thomas von Mitschke-Collande (CSU). Auch wenn es durch starken Zuzug vielleicht mehr um Verkehr, Kultur und Soziales wie Kindergärten gehe als um Städtebau. "Wir müssen nicht mit einem weißen Blatt anfangen", befand er im Gemeinderat. Anders sieht das Grünen-Gemeinderat Bernd Pfitzner. "Lasst uns mit einem weißen Blatt anfangen", rät er. Viele Tutzinger hätten vielleicht andere Vorstellungen. Etwa: Soll Tutzing eine Schlafstadt Münchens bleiben? Ein Touristenort werden? Oder der See den Einheimischen vorbehalten bleiben? Stefan Feldhütter (FW) sieht den Ball im Spielfeld des Gemeinderats. Er solle moderiert Leitlinien erarbeiten und den Bürgern vorstellen. Hingegen sprach sich Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste), der den Leitziele-Antrag im Mai initiiert hatte, für eine rasche Bürgerbeteiligung aus.

Die Tutzinger Liste äußerte nach der Sitzung Kritik: "Die Diskussion war an vielen Stellen verworren und auf Bauen und den Ortskern Tutzings verengt." Es gehe aber um ein integriertes Handlungskonzept für die künftige Ortsentwicklung von Tutzing und aller Ortsteile.

© SZ vom 15.10.2020
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