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Tutzing:Mehr Offenheit hinter hohen Mauern

Die Evangelische Akademie setzt verstärkt auf einheimische Gäste und junge Leute - eine Rechnung, die aufgeht.

Christiane Bracht

Picknick im Tutzinger Schlosspark - das ist ein Novum. Ein solches Spektakel war bislang undenkbar im Garten des ehrwürdigen Tutzinger Schlosses. Doch Udo Hahn, seit ziemlich genau einem Jahr Leiter der Evangelischen Akademie, hat manches geändert. Seit er der Chef ist, sind Tagungen in Abgeschiedenheit hinter dicken Mauern eher die Ausnahme. Jetzt sind auch die Einheimischen willkommen. Sie dürfen kostenlos an Vorträgen teilnehmen. Und das nutzen offenbar viele. 120 bis 150 Gäste sitzen laut Hahn im Auditorium, wenn Diskussionen im Rahmen der neuen Reihe "aus aktuellem Anlass" geführt werden. Die Themen sind dabei völlig verschieden, sie reichen von "Alzheimer" bis hin "Fukushima und die Folgen".Trotzdem ist es nicht so einfach, das elitäre Image der Akademie abzuschütteln. "Ich bin mit meinen Zielvorstellungen noch nicht so weit, wie ich sein wollte", gibt Hahn am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs zu, bei dem er Bilanz über sein erstes Jahr als Direktor der Akademie zieht.

Udo Hahn, neuer Chef der Evangelischen Akademie Tutzing

Udo Hahn, neuer Chef der Evangelischen Akademie Tutzing Tutzing Udo Hahn, neuer Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.

(Foto: Sta Franz Xaver Fuchs)

Auch wenn die Einrichtung wirtschaftlich gut dastand, so hatte er offenbar keinen leichten Start: Von sieben Fachgebietsleitern fehlten von Anfang an drei, und einen neuen Stellvertreter musste Hahn sich auch suchen. Der Theologe begriff dies allerdings auch als Chance: "Der Gestaltungsspielraum wiegt alle Strapazen auf", sagt er. Eine halbe Stelle ist aber noch immer unbesetzt. Bis September hofft er einen Mitarbeiter zu finden, der sich halbtags mit dem Thema "junges Forum" befasst. Die zweite Ausschreibung läuft bereits.

Das Durchschnittsalter der Tagungsteilnehmer liegt derzeit in etwa bei 58 Jahren, sagt Hahn. Um nun auch Jüngere für die Akademie zu begeistern, sei man nun auf Facebook präsent. Außerdem ist ein Barcamp geplant, und auch bei der Themenwahl der Tagungen hat man besonderen Wert darauf gelegt, jüngere Leute anzusprechen. So gibt es im Oktober eine Ferienakademie für Studentinnen. Auch die kulturellen Veranstaltungen der Tutzinger Akademie will Hahn keineswegs nur auf klassische Konzerte begrenzen. Er wünscht sich Vielfalt, und so wird Mitte September mit Hubert von Goisern, Haindling und anderen bekannten Interpreten ein "Volxmusik"-Festival im altehrwürdigen Schlosspark stattfinden. "Unser Programm soll möglichst viele ansprechen und niemanden ausschließen", betont der Direktor.

Damit die Bildungseinrichtung auch in Zukunft noch Vorbildfunktion hat, soll sie zertifiziert werden, einerseits unter ökologischen Gesichtspunkten und andererseits hinsichtlich der inneren Abläufe. "Wir verwenden in der Küche nur frische Produkte und biologisch zertifizierte Lebensmittel", versichert Hahn. Grund für die Zertifizierung ist allerdings auch, dass viele Sponsoren der Tagungen auf Derartiges Wert legen. Bei den Preisen, die die Akademie vergibt, soll laut Hahn die Zivilcourage eine größere Rolle spielen. So wird das Bayerische Bündnis für Toleranz ausgezeichnet, und Peter Maffay wird am 26. Juni für sein Lebenswerk geehrt.

© SZ vom 06.06.2012
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