TutzingMaterialschlacht auf den Gleisen

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Am Tutzinger Bahnhof verlegen Arbeiter neue Weichen, Schwellen und Oberleitungen. Die Fahrgäste müssen mehr Zeit einplanen und auf Busse umsteigen.

Armin Greune

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Etwa 40 Bauarbeiter sind momentan im Tutzinger Bahnhof beschäftigt - bis Sonntag sollen Gleis- und Signalbau beendet sein. Foto: Georgine Treybal
Etwa 40 Bauarbeiter sind momentan im Tutzinger Bahnhof beschäftigt - bis Sonntag sollen Gleis- und Signalbau beendet sein. Foto: Georgine Treybal Georgine Treybal

Auch wenn gerade keine Fahrgäste anzutreffen sind, geht es im Tutzinger Bahnhof rund. Denn schon am kommenden Sonntag sollen die Arbeiten für das erweiterte Zugangebot zum Fahrplanwechsel fertig sein. Bis zu 40 Leute sind auf der Baustelle beschäftigt; zwei Bagger und ein Spezialkran, der unter der Oberleitung agieren kann, rangieren auf den Schienen hin und her. Daneben steht ein Arbeitszug bereit, der 9000 Tonnen Material ab- und antransportiert. Überall wird gleichzeitig gewerkelt, weil auch der barrierefreie Umbau des Bahnhofs weiterläuft. Mitte November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

In dieser Woche wird den Kunden der Bahn erst einmal Geduld abverlangt: Wegen der Gleis- und Oberleitungsarbeiten in Tutzing müssen sie zwischen Starnberg und Tutzing von der S- oder Regiobahn auf Busse umsteigen. Von Freitagabend bis einschließlich Sonntag, 3. November ist wieder einmal Schienenersatzverkehr angesagt: Fahrgäste der Regio-Züge wechseln das Beförderungsmittel am Starnberger Seebahnhof, Benutzer der S 6 am Bahnhof Nord. Noch schlimmer trifft es Bahnkunden, die mit der Kochelseebahn etwa aus Bernried oder Seeshaupt über Tutzing weiter wollen: Ihre Züge fallen wegen Bahnsteigarbeiten seit dem 19. Oktober bis voraussichtlich 10. November aus. Zwei Stunden statt der üblichen 30 Minuten brauchte sie, um Montagfrüh mit Bussen von Bichl zu ihrem Laden in Pöcking zu gelangen, berichtet eine Bahn-Stammkundin und klagt über mangelnde Informationen von Seiten der Bahn. Aber auch andere Fahrgäste müssen mit Verspätungen rechnen: Gerade in Tutzing und Starnberg behindern derzeit zahlreiche Straßenbauarbeiten den Verkehr, die vier Ersatzbuslinien tragen das Ihre dazu bei, das Chaos noch zu verschlimmern.

Den geplagten Bahnfahrern bleibt freilich ein großer Trost: Zum 15. Dezember wird zwischen München, Weilheim und Tutzing das Regiobahn-Angebot erheblich erweitert. Zwischen München und Weilheim fahren die Züge dann von Montag bis Freitag ganztägig alle 30 Minuten, zwischen München und Kochel wird ein umsteigefreier Stundentakt eingerichtet, im Morgenverkehr gar ein Halbstundentakt. Da die Kochler Züge auch am Seebahnhof halten, bekommen die Starnberger nun einen regulären Regiobahnanschluss nach München sowie stündliche Verbindungen nach Weilheim. Und die neuen "Talent 2-Triebzüge" bieten nicht nur mehr Komfort, sie haben breite Türen und zwei Hublifte für Rollstuhlfahrer - parallel werden auch bis auf Bernried alle Bahnhöfe entlang der Strecke barrierefrei umgebaut.

Für das ausgeweitete Zugangebot müssen Ausweich- und Kreuzungsmöglichkeiten geschaffen werden, deshalb werden in Tutzing neue Weichen verlegt und die Signaltechnik erneuert. Dem Zeitdruck entsprechend laufen die Arbeiten im Bahnhof auf Hochtouren: 4000 Tonnen Schotter müssen für die Wiederverwendung wegegefahren und gereinigt werden, 4000 Tonnen Erde und 1000 Tonnen Kies werden durch neues Material ersetzt. Auf 2000 Meter Strecke müssen Betonschwellen und Schienen neu verlegt werden, denn sieben Weichen sind in Tutzing und vier in Unterzeismering einzubauen, erläutert Franz Rothenwöhrer, Projektleiter der Bahn.

Dieser Posten kostet allein zwei Millionen Euro, weitere zwei Millionen Euro werden für die mit der Spurplanänderung verbundenen Erneuerung der Oberleitung und Signaltechnik fällig. Zusätzlich investiert die Bahn 3,7 Millionen Euro, um den Tutzinger Bahnhof barrierefrei auszubauen: An der bestehenden Unterführung errichtet man vorerst zwei Aufzüge zu den Bahnsteigen, außerdem wird weiter südlich ein zweiter Fußgängertunnel unter den Schienen angelegt.

Deswegen sei der in Tutzing dringend gewünschte dritte Aufzug an den Parkplätzen im Westen der Bahnlinie nicht ad acta gelegt, sagt Tutzings Bürgermeister Wanner auf Anfrage. Vor einer Woche habe ihm Heiko Hamann, Leiter des Bahnhofsmanagements München, zugesichert, dass der Lift im Laufe des kommenden Jahres nachträglich installiert werden könnte. Weil das bayerische Wirtschaftsministerium 50 Prozent der anrechenbaren Kosten übernehmen will und ein Bürger dafür 100 000 Euro spendete, müsste Tutzing lediglich 100 000 für den Aufzug übernehmen. Offen sei noch, wer für die jährlichen Wartungskosten in Höhe von 12 000 Euro aufkommt, sagt Wanner.

© SZ vom 29.10.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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