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Tutzing:Leise Feier zum 90. Geburtstag

Der neu gestaltete Innenraum der Christuskirche; Christuskirche Tutzing

Lichtdurchflutet lädt der Innenraum der Christuskirche zum Verweilen ein. 180 Besucher hätten Platz, zum Festgottesdienst am Sonntag dürfen nur 50.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ein Protestantenverein initiierte die Christuskirche. 1930 wurde sie fertiggestellt

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Es sollte ein großes Fest werden, stattdessen wird der 90. Geburtstag der Christuskirche in Tutzing kommenden Sonntag, am 1. Advent, mit einem eher stillen Festgottesdienst begangen. Wegen der Pandemie sind Gesang und Empfang gestrichen und nur 50 Besucher zugelassen. Dennoch will Pfarrerin Beate Frankenberger in würdevollem Rahmen an die Anfänge der evangelischen Gemeinde in Tutzing erinnern und an den ersten Gottesdienst in der Christuskirche am 8. Dezember 1930.

Engagierte Protestanten hatte sich vor 100 Jahren in der Seegemeinde zusammen geschlossen. Sie gründeten am 9. Juni 1920 einen Protestantenverein. Er zählte in den 1920er Jahren rund 400 Mitglieder. Der erste Gottesdienst wurde in Bernried gehalten. Noch heute umfasst die kirchliche Gemeinde Tutzing und Bernried gemeinsam, über die Landkreisgrenze hinweg. Als Pfarrvikariat waren die Tutzinger Protestanten direkt dem Dekanat Weilheim unterstellt, was zu einem regelrechten Skandal führte. Ein aus Weilheim gesandter Pfarrer sei einfach wieder heimgeschickt worden, fand Pfarrerin Frankenberger bei Recherchen zum Festgottesdienst heraus. Im Jahr 1927 beschlossen die evangelischen Christen, in Tutzing eine eigene Kirche zu errichten. Innerhalb von nur drei Jahren stand der Bau an der Hörmanstraße. Die Zahl der Gemeindeglieder wuchs, nach dem 2. Weltkrieg stieg sie auf mehr als 1500. Viele protestantische Flüchtlinge aus den ostdeutschen Gebieten ließen sich in Tutzing nieder. Als in den 1960er Jahren viele Neubürger an den See zogen, renovierte man das Gotteshaus 1970. Den bislang letzten Umbau packte die Gemeinde 2015 mit Hilfe ihres eifrigen Vereins "Bausteine Christuskirche Tutzing" an. In acht Monaten Bauzeit und mit 850 000 Euro wurde der Kirchenraum umgestaltet. Mit einem modernen, lichten und gut durchdachten Erscheinungsbild lädt er zum Verweilen ein. Umweltgerecht ist das neue Blockheizkraftwerk

Beim Eröffnungsgottesdienst vor 90 Jahren stellte der damalige Pfarrer die "Menschen des Glaubens" in den Mittelpunkt. Dieses Thema will jetzt auch Frankenberger wieder aufgreifen. Dazu soll es Musik geben. Angelika Besch (Geige) und Alexander Rabas (Orgel) musizieren.

Die Plätze in der Kirche, die sonst für mehr als 100 Besucher reichen, sind Corona-bedingt auf 50 begrenzt. Wer frühzeitig da ist, hat die besten Chancen. Der Festgottesdienst beginnt am Sonntag, 29. November, um 11 Uhr. Allerdings möchte Frankenberger das Jubiläum gerne noch im größeren Stil beim Sommerfest im kommenden Jahr nachfeiern. "Geburtstag kann man ja ein ganzes Jahr begehen", sagt sie.

Interessant ist noch ein kurzer Blick auf die katholische Pfarrkirche St. Joseph. Dieses Gotteshaus, nur einen Steinwurf entfernt, war 1929 eingeweiht worden, genau ein Jahr vor der Christuskirche. Die Pfarrei beging entsprechend das 90. Jubiläum im vergangenen Jahr. Von Konkurrenz freilich keine Spur: In Tutzing funktioniert die gelebte Ökumene ganz vorbildlich.

© SZ vom 26.11.2020
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