TutzingImprovisation im Talar

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Pfarrerin Beate Frankenberger setzt auf Kooperation und neue Gottesdienstformen, weil das Geld knapp und die Personaldecke dünn ist

Von Manuela Warkocz, Tutzing

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Bei der Evangelischen Christuskirche in Tutzing herrscht Feuer unterm Dach. Das Geld der Landeskirche ist bekanntermaßen knapp, offene Stellen können nicht besetzt werden - "und Corona wirkt wie ein Brandbeschleuniger", fasst Pfarrerin Beate Frankenberger die prekäre Lage zusammen. Die Notsituation veranlasst die Gemeinde im 90. Jahr ihres Bestehens, Kräfte zu bündeln, auf Kooperation zu setzen, neue Gottesdienstformen anzubieten und Ehrenamtliche mehr einzubinden. Die Tutzinger Pfarrerin sieht darin auch Chancen und erfährt statt befürchteter Proteste viel Rückhalt, Verständnis und Unterstützung . Wie bei der Konfirmation, die 19 Konfirmandinnen und Konfirmanden diesen Samstag erleben werden.

Dank der jahrelang gut eingespielten Ökumene in Tutzing kann die Konfirmation in der katholischen Pfarrkirche St. Joseph gefeiert werden. Dort ist ausreichende Platz, wenn auch die Jugendlichen in zwei Gruppen für zwei Gottesdienste hintereinander aufgeteilt werden müssen und ausschließlich geladene Gäste zugelassen sind. Begleitet hatte den Konfirmandenkurs, der eigentlich im Frühjahr seinen Abschluss finden sollte und wegen Corona verschoben werden musste, Pfarrerin Dorothee Geißlinger. Sie verließ Tutzing allerdings Ende Juni. Die halbe Pfarrstelle ist seitdem unbesetzt. Frühestens im März 2021 wird die Nachfolge erwartet. Die halbe Pfarrstelle gilt aber als wenig attraktiv, denn es wird keine Wohnung gestellt. Eine günstige Bleibe zu finden, ist bekanntermaßen am Starnberger See nicht leicht.

Auch die vertretungsweise besetzte Diakoniestelle fällt Ende dieses Jahres flach. Angespannt ist die Personallage der evangelischen Kirche in allen fünf Seegemeinden - von Berg und Starnberg über Pöcking-Feldafing und Tutzing bis Penzberg-Seeshaupt. Von zehn Pfarrstellen sind nur fünf besetzt. "Um das Arbeitsaufkommen wie z. B. Beerdigungen in der ganzen Region gewährleisten zu können, müssen wir personell eng kooperieren", teilt Frankenberger im jüngsten Gemeindebrief mit.

Deutlich gestrafft und mit Nachbargemeinden abgestimmt ist daher seit Mitte September das Angebot an Gottesdiensten. In Tutzing beginnt der Sonntagsgottesdienst jetzt erst um 11 Uhr, von 10.15 Uhr an kann man sich beim Kirchenkaffee zwanglos austauschen. "Mit abwechslungsreicher Musik versuchen wir, die Gottesdienste attraktiv zu gestalten", hebt Frankenberger hervor. Mit der Nachbargemeinde Feldafing-Pöcking ist nach dem Weggang von Pfarrer Michael Stein die Kooperation verstärkt, um die Vakanz aufzufangen. Der Gottesdienst wurde von 10.15 auf 9.30 Uhr vorverlegt. Der Diakon in Rente, Hermann Koller, und die Tutzinger Pfarrerin helfen sich gegenseitig aus.

Schwer gefallen ist Frankenberger zufolge die Entscheidung, die auch der Kirchenvorstand lange diskutiert habe, in Bernried überhaupt keine Gottesdienste mehr zu machen - außer an Heiligabend. Bislang durften die evangelischen Christen im Winter die Kapelle der Missions-Benediktinerinnen im Bernrieder Kloster nutzen, im Sommer die Hofmarkskirche. Die Ökumene, die im sommerlichen Abendgebet im Klostergarten zum Ausdruck kam, soll auch dort verstärkt werden. Ein Fahrdienst bringt nun auf Wunsch Bernrieder Gläubige zum Gottesdienst nach Tutzing. Die Neuerungen werden offenbar nicht nur akzeptiert, sondern kommen sogar ganz gut an. Beim Erntedankgottesdienst vergangenen Sonntag zählte Frankenberger 60 Besucher.

"Wir sind in einem Gewöhnungsprozess und müssen schauen, wo wir vielleicht nachjustieren. Auf jeden Fall bieten sich Möglichkeiten, über den Tellerrand zu schauen", zeigt sich die Pfarrerin optimistisch. Sie ist offen für Ideen, etwa für neue Formen der Weihnachtsgottesdienste in diesem Jahr. Und sie kann sich auch eine Form der Begegnung vorstellen, die sie während ihres Jahres als Pfarrerin in Washington D.C. kennengelernt hat: Gottesdienst um 11 Uhr, anschließend ein einfaches gemeinsames Mittagsessen im Gemeindehaus, "um bei Kirchenkaffee und Kircheneintopf im Gespräch zu bleiben".

© SZ vom 08.10.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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