Bildung im Landkreis StarnbergDer Traum von einer neuen Schule

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75 Jahre Gymnasium Tutzing: Für Schulleiter Andreas Thalmaier (Mitte), Lehrerkollegium und Schüler ist das ein Grund zum Feiern.
75 Jahre Gymnasium Tutzing: Für Schulleiter Andreas Thalmaier (Mitte), Lehrerkollegium und Schüler ist das ein Grund zum Feiern. Nila Thiel
  • Das Tutzinger Gymnasium feiert mit 2000 Gästen sein 75-jähriges Bestehen, das 1949 in der Kustermannvilla begann.
  • Die Schulgebäude am Starnberger See sind in schlechtem Zustand und benötigen eine Generalsanierung für 70 bis 80 Millionen Euro.
  • Der Landkreis Starnberg prüft als Alternative einen Neubau und sucht bereits nach einem geeigneten Grundstück von drei bis fünf Hektar.
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Die Anfänge des Tutzinger Gymnasiums in der Kustermann-Villa liegen nun 75 Jahre zurück. Das wird ausgiebig mit 2000 Gästen gefeiert. Aber der schlechte Zustand der aktuellen Gebäude am Starnberger See ist dennoch ein Thema.

Von Michael Berzl, Tutzing

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Die Schülerzeitung „Trichter“, die Theatergruppe, Musikfreizeit, Chor und Orchester: Der Schauspieler und Regisseur Alexander Netschajew schwärmt noch heute von seiner Schulzeit am Tutzinger Gymnasium, auch wenn er von seinen Leistungen her ein mittelmäßiger Schüler gewesen sei. Er erinnert sich an ein schönes Miteinander und „wunderbare Aufführungen“. Ähnlich begeistert klingt sein Berufskollege Joern Hinkel, der dort sein „erstes Engagement auf einer Theaterbühne“ hatte. „Ich liebe Deutsch, Musik, Kunst. Mathe und Physik sind nach wie vor böhmische Dörfer für mich, obwohl ich da auch ganz tolle Lehrer hatte“, erzählt er mit seiner kräftigen Stimme, die leicht den Tumult bei der Jubiläumsfeier drumherum durchdringt.

Die beiden Schauspieler und Intendanten sind die prominentesten Teilnehmer einer Interviewrunde auf einer Bühne in der Schulaula, während draußen etwa 2000 Gäste bei Live-Musik, Bratwurst und Sautrogrennen das Schuljubiläum feiern. 75 Jahre liegen die Anfänge in der Kustermannvilla nun zurück. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Platz noch einmal eine Rolle spielen wird. Denn der schlechte bauliche Zustand des heutigen Gymnasiums ein paar Hundert Meter entfernt ist bei aller Feststimmung ein Thema, das beim Jubiläum immer wieder aufscheint. Und auch die Suche nach einem neuen Standort.

Das Programm mit Festakt in der Evangelischen Akademie und Sektempfang im Thomapark am See, mit Sautrog- und Bobbycarrennen, Volkstanz und Livemusik im Zelt, Schulhausführungen, Interviews und Modenschau erstreckt sich über den ganzen Tag bis in den Abend. Auch Absolventen der ersten Generationen sind dabei in der Gesprächsrunde auf der Bühne. Detlef Rzepka und Henning Boes etwa, die 1963 mit Abitur abgeschlossen haben und die Anfänge als „Realprogymnasium“ in der Kustermannvilla erlebt haben. Nur eine Handvoll Klassenzimmer habe es damals gegeben, dafür einen schönen großen Pausenhof. Drinnen habe es Seidentapeten an den Wänden und Parkettböden gegeben, erinnert sich Rzepka, „sehr gemütlich, eigentlich gar kein richtiges Schulhaus“.

Richtige Schulhäuser entstehen Jahre später nach dem Umzug an den neuen Standort mit Seezugang bei der Kalle-Villa an der Hauptstraße. Erste Klassen ziehen dort 1956 ein. Was folgt, sind diverse Erweiterungen, Umbauten, Unterricht in Ausweichquartieren, Modernisierungen und erste Sanierungen. Zwischenzeitlich wächst die Schülerzahl auf tausend, womit die Kapazitätsgrenze so ziemlich erreicht ist.

„Für mich waren die Sonnenaufgänge prägend“, erzählt der Schauspieler Alexander Netschajew über seine Schulzeit in Tutzing. Auch solche Eindrücke machen das Gymnasium am Westufer des Starnberger Sees wohl aus.
„Für mich waren die Sonnenaufgänge prägend“, erzählt der Schauspieler Alexander Netschajew über seine Schulzeit in Tutzing. Auch solche Eindrücke machen das Gymnasium am Westufer des Starnberger Sees wohl aus. Nila Thiel
Draußen wird unterdessen ausgelassen gefeiert. Im Schatten eines Zeltdaches gibt es Volkstanzlektionen.
Draußen wird unterdessen ausgelassen gefeiert. Im Schatten eines Zeltdaches gibt es Volkstanzlektionen. Nila Thiel
Auf dem Starnberger See werden  Sautrogrennen ausgetragen.
Auf dem Starnberger See werden  Sautrogrennen ausgetragen. Nila Thiel

Und jetzt steht in beneidenswerter Lage am Starnberger See ein Konglomerat von Bauten mit unterschiedlichen Baujahren, das insgesamt dringend sanierungsbedürftig ist. Wer Gelegenheit hatte, sich beim Fest am Dienstag umzusehen, konnte zum Beispiel selbst erleben, dass bei dem derzeitigen Wetter ein längerer Aufenthalt in der Bibliothek wegen der dort herrschenden extremen Temperaturen nur schwer erträglich ist. Unübersehbar auch der Zustand der alten Kalle-Villa, deren Balkon mit Stahlträgern gestützt wird. Die Turnhallen waren wegen Wasserschäden und Schadstoffen ein halbes Jahr gesperrt.

Der Landkreis Starnberg hat die Schule vor sechs Jahren im August 2020 als Sachaufwandsträger übernommen und seither viel Geld investiert: in die Sanierung der Turnhalle, die Abdichtung von Dächern, besseren Schallschutz, die Erneuerung der Heizung und den Austausch von Schulmobiliar. Insgesamt wurden dafür nach Angaben des Landratsamts schon etwa zwei Millionen Euro ausgegeben.

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Sommerfeeling am See: Beim Open-Air-Kino im Rahmen des Fünf-Seen-Filmfestivals gibt es beim Strandbad Starnberg sehenswerte Filme,  in Fischen am Ammersee werden 1250 Jahre, in Dießen 700 Jahre Ortsgeschichte gefeiert und in Utting  wird auf der Seebühne das Stück „Der Fächer“ gezeigt.

Und das ist erst der Anfang. Der Landkreis habe bereits mehrere Varianten für eine Generalsanierung untersucht, berichtet Landrat Stefan Frey, CSU, in seiner Rede beim Festakt in der Evangelischen Akademie unweit der Schule. „Das wird kein Spaß“, sagt er und denkt dabei wohl an Bauarbeiten bei laufendem Unterricht. Die Kosten gibt er mit 70 bis 80 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Der Neubau der Gautinger Realschule vor 14 Jahren hatte etwa die Hälfte gekostet.

Trotz Feierlaune ist auch der schlechte Zustand der Gebäude immer wieder ein Thema. Der Balkon der Kalle-Villa muss notdürftig abgestützt werden.
Trotz Feierlaune ist auch der schlechte Zustand der Gebäude immer wieder ein Thema. Der Balkon der Kalle-Villa muss notdürftig abgestützt werden. Landratsamt Starnberg
Das Gymnasium Tutzung ist derzeit ein sanierungsbedürftiges Konglomerat aus alter Villa mit Neu- und Anbauten in Bestlage am Ufer des Starnberger Sees.
Das Gymnasium Tutzung ist derzeit ein sanierungsbedürftiges Konglomerat aus alter Villa mit Neu- und Anbauten in Bestlage am Ufer des Starnberger Sees. Arlet Ulfers

Infrage kommt daher auch ein Neubau. Die Kreisverwaltung prüft in Abstimmung mit der Gemeinde Tutzing, ob das möglich und vielleicht sogar wirtschaftlicher wäre. Landrat Frey kündigt an, man sei bereits auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück; etwa drei bis fünf Hektar Fläche würden benötigt. „Wenn alle Stricke reißen“ müsse man über den Kustermannpark als künftigen Schulstandort nachdenken. Dort also, wo vor 75 Jahren alles anfing. „Ich träum’ von einer neuen Schule ohne Schaden. Ich such’ n neues Grundstück, unbekannte Lage, ob Neubau, ob Sanierung, das ist hier die Frage“, singt etwas später zwischen den Reden beim Festakt ein Lehrerchor nach der Melodie von „Haus am See“ von Peter Fox.

In einer Woche, am kommenden Freitag, mit geladenen Gästen, darunter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, wird einstweilen die Einweihung des neuen Gymnasiums in Herrsching gefeiert. Auch dort gibt es Klassenzimmer mit Blick auf den See. Die Kosten für den Neubau beliefen sich zuletzt auf etwa 110 Millionen Euro. Das Gymnasium in Starnberg übernimmt der Kreis im nächsten Jahr.

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