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Gymnasium Tutzing:Reif für die Sanierung

Der Landkreis wird nach der Übernahme der Schule Millionen in das Gebäude stecken müssen. Die Haustechnik ist veraltet, über die Flachdächer dringt Wasser ein, Turnhallen und Umkleiden sind marode. Noch ist unklar, ob der Brandschutz gewährleistet ist.

Von Sabine Bader

Eines vorweg: Schöner kann eine Schule kaum liegen als das Gymnasium Tutzing - am Westufer des Starnberger Sees mit direktem Seezugang. Was will man mehr? Klar, man wünscht sich eine Schule, die gut ausgestattet und funktional ist. Und hier beginnen die Probleme. Denn der Renovierungsbedarf an den Gebäuden ist gewaltig: Über die Flachdächer dringt Wasser ein, die Holzfenster sind zum Teil verrottet, die Haustechnik ist veraltet. Und derzeit lässt sich nicht einmal sagen, ob der Brandschutz durchgehend gewährleistet ist.

Zu diesem Urteil kommen die Baufachleute des Landkreises. Es fehlt also so ziemlich an allen Ecken und Enden. Bekanntlich hat der Landkreis die Schule auf Wunsch der Gemeinde Tutzing im August dieses Jahres übernommen, weil sich die Kommune mit den Instandhaltungskosten der Schule überfordert sah. Sie hat diesbezüglich einmal von 15 Millionen Euro gesprochen. Kreiskämmerer Stefan Pilgram sieht dies etwas anders: "Ich wage zu bezweifeln, dass das reicht."

Wer den Umfang der Sanierung beurteilen will, der muss die einzelnen Gebäude getrennt betrachten. Denn sie sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Das optische Herzstück des Schulhauses bildet die denkmalgeschützte Kalle-Villa aus dem Jahr 1927. Was sie angeht, spricht Pilgram von einem "ganzheitlichen Sanierungsbedarf".

Denn die Beleuchtung ist unzureichend, die Oberflächen der Innenräume sind verschlissen, die Sanitäranlagen ungenügend und der Balkon ist einsturzgefährdet und muss bereits abgestützt werden. Ganz zu schweigen von den Holzfenstern im Dachgeschoss, die verrottet sind. Der Server-Raum der Schule befindet sich im Keller der Kalle-Villa. Er ist weder klimatisiert noch zeitgerecht, auch die Anlagen entsprechen nicht den heutigen technischen Anforderungen, urteilen die Fachleute. Ihr Fazit: Technik und Raum müssen unbedingt ertüchtigt werden, da sonst kein stabiler IT-Betrieb gewährleistet ist.

Beim Südbau der Schule aus dem Jahr 1964 sieht es nicht viel besser aus. Laut den Fachleuten ist das Flachdach undicht. So dringt bei starkem Regen seit Jahren Wasser ins Dach ein und hat dort bereits deutliche Spuren hinterlassen. Auch der Metall-Glas-Aufbau, in dem die Schulbibliothek untergebracht ist, muss energetisch saniert werden, die technischen Anlagen im Gebäude bedürften der Erneuerung.

Die gute Nachricht: Der Nordbau aus den Jahren 1971 bis 1973, in dem sich die Klassenräume befinden, wurde bereits 2012 und 2013 energetisch saniert. Doch auch hier müssen ähnlich wie im Südbau die Sanitäranlagen erneuert werden. Zudem sei die Beleuchtung der Unterrichtszimmer "unbefriedigend", heiß es, und der starke Hall in den Räumen wirke sich für den Unterricht auch nicht vorteilhaft aus. Am schlechtesten erhalten sind nach Meinung der Fachleute die Turnhallen und Umkleiden samt Hausmeisterwohnung. Sie stammen aus den Jahren 1971 bis 1973. Ihr Flachdach ist undicht. Es wurde einem Fachgutachten zufolge zwar provisorisch abgedichtet, was aber "unbrauchbar" sei.

Was Schulen kosten

Der Landkreis gewährt für die weiterführenden Schulen rückwirkend für das Jahr 2019 folgende Zuschüsse:

Gymnasium Starnberg

Schulausstattung: 22 631 Euro

Investitionen: 257 604 Euro

Gesamt: 280 235 Euro

Maßnahmen: Sanierung Physikbereich, Hörsaalbestuhlung, Neue Tafel, Wandschrank, Sanierung WC-Anlagen

Gymnasium Gauting

Schulausstattung: 52 368,85 Euro

Investitionen: 240 424 Euro

Gesamt: 292 792 Euro

Maßnahmen: EDV-Ausstattungen, Mobiliar, Neuinstallation einer Gasheizung, IT-Installationen, Neubau eines Geräte- und Gartenhauses

Gymnasium Tutzing

Schulausstattung: 82 565 Euro

Investitionen (2021): Bauunterhalt 720 000 Euro, IT-Ausstattung 200 000 Euro und Planungskosten 500 000 Euro

Gesamt: 1,4 Millionen Euro

Wörtlich heißt es: "Sämtliche Elemente wie beispielsweise die Fensterelemente und Isolierglasscheiben, die inneren Oberflächen und die haustechnische Ausstattung haben das Ende ihrer Gebrauchstauglichkeit erreicht." Ein Urteil, das an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist.

Darüber hinaus ist die Tutzinger Schule bisher nicht behindertengerecht. Für Rollstuhlfahrer müssten also Rampen und Aufzüge eingebaut werden, da sich die Unterrichtsräume auf unterschiedlichen Ebenen befinden.

Soweit die erste Bestandsanalyse des Landkreises. Die Behörde will jetzt sicher gehen, dass alle Sanierungen wirtschaftlich und zum jeweiligen Zeitpunkt auch sinnvoll sind. Dafür ist laut Pilgram noch eine gründliche und umfassende Gebäudeanalyse vonnöten. Für das kommende Haushaltsjahr 2021 rechnet der Landkreis aber schon einmal mit Kosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Die Kreisräte nahmen die Bestandsanalyse der Verwaltung mit weitgehender Zurückhaltung zur Kenntnis. Als sich aber CSU-Kreisrätin Eva-Maria Klinger aus Gauting laut fragte, was mit der Schule eigentlich passiert wäre, wenn der Landkreis sie nicht übernommen hätte, platzte der Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) der Kragen. "Ich mag die Schule nicht schlechtreden lassen. Es ist eine schöne Schule, und es findet dort geordneter Unterricht statt", polterte sie. Tatsachen, die niemand im Gremium angezweifelt hatte.

© SZ vom 07.10.2020
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