TutzingGereinigt in den Starnberger See

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Ein neues System filtert Niederschlagswasser

Von Manuela Warkocz, Tutzing

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Die Ankündigung des Baus größerer Kanäle in der Tutzinger Hauptstraße und Schlossstraße, über die Niederschlagswasser in den Starnberger See geleitet wird, hat Verunsicherung ausgelöst. Wie es möglich sei, "dass dieses Abwasser voller Straßendreck und Sonstigem ungefiltert in den Starnberger See geleitet wird, gleich neben den Badenden im See", fragt eine SZ-Leserin aus dem Tutzinger Ortsteil Traubing. Eine Nachfrage beim Abwasserverband Starnberger See ergab: Es stimmt - das gesammelte Regenwasser wird an der Bootslände neben dem Tutzinger Schloss in den Starnberger See fließen. Aber zuvor werde es, wie es heißt, in einem neuartigen Verfahren so gründlich gereinigt, dass es für den See unbedenklich sei.

In Sedimentationsschächten von einem Meter Durchmesser werden aus dem Niederschlagswasser von der Straße Mikropartikel aus Öl und Reifenabrieb gefiltert. Spirallamellen führen die Partikel in einem System kommunizierender Röhren nach oben. Ein bis zwei Mal jährlich saugt ein Spülwagen die gesammelten Stoffe ab. Norbert Impelmann, Geschäftsführer des Abwasserverbands, und der Tutzinger Projektleiter Christoph Knobloch, sprechen von einem "sehr kompakten Verfahren", das wenig Platz beanspruche. Bislang habe man zur Reinigung Betonschächte mit mindestens 2,5 Meter Durchmesser und vier bis fünf Meter Tiefe benötigt. Allerdings hat der Verband bis auf die Entwässerung der Anliegerstraße Wiesengrund in Starnberg noch keine Erfahrung mit dem neuen Verfahren. In einer Staatsstraße wie der Hauptstraße Tutzing werde es im Bereich des Verbands zum ersten Mal angewendet.

Gesammelt wird das Niederschlagswasser von einem Einzugsgebiet, das vom Gröberweg bis zur Oskar-Schüler-Straße reicht. Weil immer häufiger Starkregen auftreten, werden die Betonrohre in der Hauptstraße auf einen Meter Durchmesser aufgeweitet, in die Schlossstraße kommen 60-Zentimeter-Rohre. Der Untergrund in Tutzing sei sehr dicht, so Impelmann, daher versickere das Niederschlagswasser schlecht. Die Kläranlage, die seit 1971 am Schloßhölzl in Starnberg in Betrieb ist und über die Ringkanalisation die Abwässer aller acht Gemeinden mit etwa 70 000 Einwohnern aus dem 600 Kilometer langen Kanalnetz rund um den See aufnimmt, müsse man damit nicht über Gebühr belasten.

Gereinigtes Niederschlagswasser darf wie bisher in Tutzing in den See. Das Landratsamt hat dafür die wasserrechtliche Genehmigung erteilt. Dass sich Badefreunde über die Einleitstelle an der öffentlichen Bootslände beschweren, kann Impelmann nicht nachvollziehen: "Die Bootslände mit dem nahen Dampfersteg ist keine Badestelle." Die Erneuerung des Kanals in offener Bauweise rund um die Schlossstraße soll von 19. Oktober bis Weihnachten dauern. Im Frühjahr ist die Errichtung der Einleitstelle vorgesehen.

© SZ vom 05.10.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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