Süddeutsche Zeitung

Gastronomie:Tutzinger Midgardhaus öffnet zu Pfingsten

Die künftigen Betreiber Alexander Urban und sein Sohn Michael wollen mit dem Betrieb im Biergarten beginnen, Restaurant und Aussichtsterrasse sollen im Juli folgen. Gekocht wird regional mit mediterranem Flair.

Eine gute Nachricht für alle Freunde des Midgardhauses in Tutzing: Das beliebte Lokal direkt am Starnberger See will zu Pfingsten seinen Biergarten unter den alten Kastanien wieder öffnen. Das Restaurant mit Aussichtsterrasse soll nach umfangreichen Umbauarbeiten im Juli folgen. Diese Termine für den Neustart in der Traditionsgaststätte, aus der sich der langjährige Wirt Fritz Häring zurückgezogen hat, kündigen die künftigen Betreiber Alexander Urban und sein Sohn Michael an.

Mit Urban Senior übernimmt ein äußerst erfahrener Wirt das Haus - Alexander Urban prägte 29 Jahre lang die Gastronomie von Kloster Andechs. Die Tutzinger Wirtschaft firmiert jetzt offiziell unter dem Dach der Augustiner-Brauerei als "Midgardhaus - Augustiner am See". Dort soll eine regionale bayerische Küche mit mediterranem Flair dominieren.

Das Mediterrane passe doch gut zur Villa im toskanischen Stil, kommentierte Bürgermeisterin Marlene Greinwald das Konzept der beiden Wirte, die sich am Dienstag offiziell im Gemeinderat vorstellten. Sie zeigte sich sehr erfreut, dass die Wiedereröffnung bevorsteht: "Alle warten sehnsüchtig". In Tutzing verfolgt die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten aufmerksam das Wohl und Wehe der denkmalgeschützten Liegenschaft aus dem Jahr 1853, die der Gemeinde gehört. Nachdem Fritz Häring und seine Frau Marlies 2018 nach mehr als 30 Jahren und der Bewirtung unzähliger Prominenter ihren Abschied angekündigt hatten, setzte ein eigens gegründeter Arbeitskreis des Gemeinderats alles daran, einen langfristigen, seriösen Partner zu finden. Weil Häring sich seinen Erbpachtvertrag noch kurz zuvor bis 2038 hatte verlängern lassen, gestalteten sich die Verhandlungen mehr als eineinhalb Jahre lang schwierig.

Zwar wurde bekannt, dass die Augustiner-Brauerei im Gespräch ist. Aber erst vor drei Wochen sei der Vertrag unterschrieben worden, verriet Alexander Urban am Dienstag. "Das Ganze hat sich ganz schön hingezogen." Glücklich zeigt er sich über die Verbindung mit Augustiner: "Wir können nur Bestes über die Brauerei sagen, die sich an Vereinbarungen hält, auch wenn's nicht immer einfach ist."

Derzeit investiert die Münchner Traditionsbrauerei aufwendig in ihr neues Objekt, saniert innen und außen. Corona habe die Arbeiten etwas verzögert, so Urban. Die Handwerker setzten aber alles daran, dass zu Pfingsten eine Teileröffnung mit dem Biergarten in Selbstbedienung möglich werde. Auch das Landratsamt zeige sich kooperativ, was die noch ausstehende Konzession angehe. Man werde mit zehn bis 15 Mitarbeitern improvisieren, so Urban zur SZ. "Und wenn i mi nur mit'm Holzfassl hinstell' und ausschenk'." Nach seinem Abschied vom Kloster Ende 2018 und einem Jahr Auszeit, in dem er viel gewandert sei, spricht der 52-Jährige von "ganz vielen Ideen" für das Midgardhaus, das er als einen "magischen Ort" bezeichnet. Regional einkaufen will er, Bauern gewinnen, die für das Lokal Fleisch produzieren und Bio-Eier liefern. Im Salettl, das im Herbst in einem zweiten Bauabschnitt über den früheren Garagen entstehen und 120 Plätze umfassen soll, kann er sich neben privaten Festen auch Kulturveranstaltungen und sogar einen Winterbiergarten vorstellen. Auch Fremdenzimmer seien zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

Eine Küche, angepasst an Haus und See, die ein breites Publikum ansprechen soll, versprach Michael Urban bei seiner öffentlichen Vorstellung. Der 32-Jährige ist als "Gastrokind", wie er sagt, in Andechs aufgewachsen. Nach Abitur, Kochlehre und einem BWL-Studium hat er in der Münchner Leopoldstraße das Steakhouse "La Boheme" eröffnet. Im Midgardhaus will er die Gäste mit Tafelspitz samt Wurzelgemüse, Cremespinat, geriebenen Röstkartoffeln und Apfelkren ebenso verwöhnen wie mit Renken vom Starnberger See. Auch die unter Häring berühmte Bouillabaisse soll auf der Speisekarte stehen, was den Gemeinderäten schon mal verzückte Laute und freudigen Applaus entlockte. Im Biergarten soll man auch seine eigene Brotzeit mitbringen können. Wenngleich von der Preisgestaltung nicht direkt die Rede war betonte Alexander Urban: "Wir freuen uns, wenn bei uns die ganze Gemeinde einkehren kann."

Für ein gemeinsames Foto standen Vater und Sohn am Donnerstag nicht zur Verfügung. Beide hatten am prächtigen Vatertag alle Hände voll zu tun in Betrieben, um die sie sich auch neben dem Midgardhaus weiter kümmern wollen: Michael Urban in seinem La Boheme und Alexander Urban auf Schloss Kaltenberg. Gastronomisch unterstütze er dort Heinrich Prinz von Bayern, Sohn von Luitpold Prinz von Bayern, der Kaltenberg berühmt gemacht hat.

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Quelle:
SZ vom 22.05.2020
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