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Tutzing:Gartenfest mit Spanferkel

Tutzing, Politische Akademie, Sommerfest

Stelldichein mit prominenten Gästen: Direktorin Ursula Münch (im grünen Kleid) begrüßte Vertreter aus Politik, Medien, Justiz und Bildung auf dem Gartenfest der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

(Foto: Georgine Treybal)

450 Gäste feiern in der Akademie für Politische Bildung

So viele Gäste wie diesmal, nämlich 450, drängten sich noch nie beim Gartenfest der Akademie für Politische Bildung. Lag es am 60. Geburtstag, den man erst im Mai im Landtag gefeiert hatte und wo sich am Freitag Gelegenheit bot, Kontakte zu vertiefen? Hat es sich herumgesprochen, dass Direktorin Ursula Münch launige Begrüßungsansprachen mit politischem Tiefgang zu halten versteht? Oder war es schlicht der Reiz, einen schönen Sommerabend auf der Terrasse über dem Starnberger See zu genießen mit einem liebevoll arrangierten Buffet der guten Hausgeister, die Wraps mit Radieschencreme und Chilli-Mousse-au-chocolat servierten? Franz Maget, früherer SPD-Fraktionschef im Landtag, soll jedenfalls hauptsächlich wegen des Spanferkels vom Spieß gekommen sein, mutmaßte die Gastgeberin.

Überhaupt fiel auf, dass neben Vertretern aus Wissenschaft, Verbänden, Medien, Kirchen und Konsulaten vor allem aktive und ehemalige Politiker da waren und sich zum offiziellen Foto zusammenstellten. Neben der neuen Bayern-SPD-Vorsitzenden Natascha Kohnen und Klaus Barthel, der nach 23 Jahren für die SPD aus dem Bundestag ausscheidet, waren die Ex-Minister Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Martin Zeil (beide FDP), die Landtagsabgeordneten Ute Eiling-Hütig, Klaus Stöttner und Otmar Bernhard (alle CSU) sowie Michael Piazolo (Freie Wähler) da.

Focus-Herausgeber Helmut Markwort schaute mit Patricia Riekel spontan vorbei, nachdem Münch am Sonntag zuvor bei Markworts Stammtisch zu Gast war. "Das Rätselraten darf weitergehen, welche Partei ich wähle", gab sich Münch jedoch sibyllinisch. In ihrer Rede hob sie auf "3D" ab. D wie Demokratie, Demografie und Digitalisierung - Themen, die die Gesellschaft und die Akademie intensiv beschäftigen. Demokratie und funktionierende Gewaltenteilung seien verwundbar, so die Politik-Professorin. Einen "höchst befremdlichen und Besorgnis erregenden Eingriff in die Freiheit der Justiz" erlebe man dieser Tage in Polen. Mit Applaus quittierten die Zuhörer ihre Aussage, dass ein Mitgliedsstaat, der kein Rechtsstaat sei, keinen legitimen Platz in der Europäischen Union habe. Damit der Abend nicht zu ernst wurde, schickte Münch die Gäste zum Schmunzeln in den Keller, zu Eric Liebermanns feinen Karikaturen. Mit Jazz von Monika Olszak und Barbara Jungfer und dank eines gnädigen Wettergotts feierte man bis in die Nacht.

© SZ vom 24.07.2017
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