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Hilfsaktion:Bereits 36 081 Euro für Flüchtlinge in Griechenland gesammelt

Berg und Pöcking beteiligen sich an der Aktion "Tutzing hilft im Mittelmeer". Weitere Fürsprecher sind Christian Springer, Johano Strasser und Udo Hahn.

Von Manuela Warkocz

Migranten in Griechenland

Katastrophale Verhältnisse: das in Windeseile errichtete provisorische Zeltlager Kara Tepe auf Lesbos.

(Foto: Panagiotis Balaskas/dpa)

Die Ende November in Tutzing angelaufene Spendenaktion "Tutzing hilft im Mittelmeer" übertrifft alle Erwartungen der Organisatoren. Bis Montag sind schon 36 081 Euro zusammengekommen. Außer der Gemeinde Tutzing beschlossen auch Pöcking und Berg, sich solidarisch zu erklären, und unterstützen die Hilfsaktion für Notleidende auf den griechischen Inseln. Prominente Fürsprecher wie Kabarettist Christian Springer, Schriftsteller Johano Strasser und Akademiedirektor Udo Hahn schließen sich an. Die Berger SPD-Gemeinderätin Sissy Fuchsenberger verschickte am Wochenende einen Aufruf an alle kommunalpolitischen Genossen im Landkreis, in Stadt- und Gemeinderäten ebenfalls einen Beitrag anzuregen. Stattliche Beträge steuerten Einzelspender bei, darunter ein Tutzinger mit 3468 Euro und Unterstützer aus dem Würmtal.

Sie alle bewegt das menschliche Leid an Europas Außengrenzen. Die Ertrinkenden im Mittelmeer und die Zustände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos veranlassten den Ökumenischen Unterstützerkreis in Tutzing, die Initiative für konkrete Hilfe zu ergreifen. Bei Bürgermeisterin Marlene Greinwald stießen die Akteure um Pfarrer Peter Brummer und Seenot-Kapitän Claus-Peter Reichel auf offene Ohren, zumal sich die Situation für die Menschen nach dem Brand in Moria im neuen Camp Kara Tepe zuspitzt. "Dort vegetieren mehr als 7000 Menschen unter fürchterlichen Bedingungen: Hunger, Kälte und Schlamm, katastrophale hygienische und sanitäre Verhältnisse und jetzt auch noch die Bedrohung durch die Pandemie", verdeutlicht Fuchsenberger die aktuelle Lage. Christian Springer, der sich seit 2012 mit seinem Verein "Orienthelfer" in Syrien engagiert, will da nicht wegsehen. "Humanitäre Hilfe ist keine Freizeitveranstaltung, die ein Kabarettist, weil er sonst nichts anderes zu tun hat, leisten kann; vielmehr ist humanitäre Hilfe der Kitt einer Gesellschaft", so Springer, der in Tutzing 2016 den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie erhielt. Akademiedirektor Hahn betont, "jeder und jede kann etwas tun". Die Spendenaktion "Tutzing hilft im Mittelmeer" sei Beispiel bürgerschaftlichen Engagements. Der Berger Schriftsteller und Philosoph Strasser sieht aus der Historie eine Verpflichtung zur Hilfe. "Europa verliert seine Seele, und Deutschland beschädigt seinen nach den Nazi-Jahren mühsam wiederhergestellten guten Ruf, wenn wir Europäer, wenn wir Deutschen nicht tatkräftiger helfen, das Grauen im Mittelmeer zu verhindern."

Wie die Tutzinger Koordinatorin Claudia Steinke sagt, sichten eine Jury aus Gemeinde- und Kirchenvertretern, sowie Kapitän Reichel Ende dieser Woche kleinere, persönlich bekannte Hilfsorganisationen aus den Bereichen medizinische Versorgung, Schutz von Kindern und Seenotrettung. Darüber hinaus hoffe man auf weitere Spenden von Gemeinden und Helferkreisen. Nähere Informationen und Flyer auf der Homepage der Gemeinde Tutzing, www.tutzing.de.

© SZ vom 12.01.2021
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