Ein Dampfer auf Landgang: Das könnte in absehbarer Zeit in Tutzing wahr werden. Das Museumsschiff „Tutzing“, das seit fast drei Jahrzehnten fest vertäut an einem Steg vor dem Kustermannpark liegt, könnte bald auf dem alten Volksfestplatz zum Jugendzentrum in der Gemeinde werden. So ließen sich quasi mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Dem 89 Jahre alten Schiff würde eine neue dritte Lebensaufgabe beschert, denn bliebe es längerfristig im Wasser, würde wegen hoher Renovierungskosten die Verschrottung drohen. Und die Tutzinger Jugend bekäme ihr längst überfälliges eigenes Domizil – und noch dazu eines mit Pep.
Die Tutzinger Gemeinderäte waren am Dienstagabend überaus angetan von der Idee, die der Jugendbeauftragte der Gemeinde, Claus Piesch, im Gremium präsentierte. Eine detailliert ausgearbeitete Darstellung. Als er mit seiner Präsentation geendet hatte, brandete spontan Applaus auf. Natürlich sind sich die Gemeinderäte bewusste, dass es in dieser Angelegenheit noch etliches zu klären gilt. Trotz der bestechenden Idee steht noch keineswegs fest, dass das künftige Domizil der Jugend tatsächlich auf dem ausrangierten Dampfer sein wird.
Wie groß die Chance dafür tatsächlich ist, sollen die kommenden Monate zeigen. In dieser Zeit will man klären, ob sich der Standort zur Nutzung für ein Schiff eignet oder ob es andere Standorte dafür gibt. Geklärt werden soll auch, ob die technischen und baulichen Voraussetzung zum Transport und zum Aufstellen des Schiffs gegeben sind. Erkundet werden überdies die tatsächlichen Fördermöglichkeiten des Projekts über die Städtebauförderung, den Bayerischen Jugendring, die Aktion Mensch und das Förderprogramm zum Erhalt eines Industriedenkmals.
Im Ratsgremium durfte auch Joel Hafner vom Jugendbeirat sprechen. Er zeigte sich ebenfalls angetan von dem Vorschlag, dass das Tutzinger Jugendzentrum schon bald in einem Dampfer liegen könnte. Allerdings machte er auch keinen Hehl daraus, dass die Jugendlichen nicht festgelegt sind, und sich durchaus auch andere Möglichkeiten gut vorstellen könnten. Eines wurde in der Sitzung deutlich: Den Gemeinderäten ist durchaus bewusst, dass sie eine Verpflichtung gegenüber der Jugend haben und die Jugendzentrumsfrage nicht wieder auf die lange Bank schieben dürfen.
Das viel gelobte Kulturprogramm auf dem Museumsschiff wird bis zur Klärung aller Eventualitäten auch in diesem Jahr stattfinden. Generell dürfte also der Schiffsliebhaber und Vorsitzende des Museumsschiff-Vereins „Tutzing“, Matthias Helbig, mit dem Verlauf der Sitzung recht zufrieden sein.

