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Pandemie im Landkreis Starnberg:Tutzinger Bürgermeisterin mit Coronavirus infiziert

Nach gut einer Woche in Quarantäne erhält Marlene Greinwald am Sonntag das positive Testergebnis. Es geht ihr gut, sie will weiter im Homeoffice arbeiten.

Von David Costanzo

Sie befand sich bereits in Quarantäne, nachdem Familienmitglieder positiv getestet worden waren. Nun hat es auch sie erwischt: Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Sie habe das positive Testergebnis am Sonntagmorgen erhalten, berichtete sie. Ihr und ihrer Familie gehe es "ganz gut", wie sie sagt. Einzig Riechen und Schmecken seien bei ihr beeinträchtigt - eines der charakteristischsten Symptome einer Infektion.

Die Amtsgeschäfte sieht die Bürgermeisterin nicht beeinträchtigt. Sie könne von zu Hause aus am Laptop arbeiten und sei immer telefonisch erreichbar. Im Rathaus hielten ihre Stellvertreterin Elisabeth Dörrenberg (CSU) und Dritter Bürgermeister Franz Matheis (Unabhängige Wählergemeinschaft Traubing) abwechselnd die Stellung. Akten und Beschlüsse könnten auch diese unterschreiben, erklärt Greinwald.

Da sie bereits seit Freitag vor einer Woche das Haus nicht mehr verlassen habe, seien auch keine Ansteckungen in Rathaus oder Gemeinderat zu befürchten. Nach dem positiven Testergebnis habe sie an diesem Sonntag noch keinen Kontakt zum Gesundheitsamt gehabt, erklärt die Bürgermeisterin. Allerdings könne sie der Behörde ohnehin keinerlei Kontaktpersonen nennen. Wie sich das Virus in die Familie schlich, sei unbekannt.

Bereits am Donnerstag vor einer Woche war ein Familienmitglied erkrankt, ein Schnelltest schlug an. Die ganze Familie habe sich daraufhin schon in Quarantäne begeben, ohne dass dies vom Gesundheitsamt veranlasst worden sei. Ihr Mann Martin erhielt darauf am Sonntag den Nachweis des Virus - der Test der Bürgermeisterin fiel negativ aus. Erst eine Woche später zeigte ein neuer Abstrich dann eine Infektion an.

Die Gemeinderatssitzung vom 1. Dezember wird Greinwald verpassen. Ob es zur Sitzung am 8. Dezember klappt, ist noch offen. Das Gesundheitsamt könnte ihre Quarantäne auf zehn Tage bis 7. Dezember festlegen. Sollte jedoch das einzige noch negative Familienmitglied erkranken, könnte sich die Quarantäne noch einmal verlängern. "Ich hoffe, dass es nicht so eine unendliche Geschichte wird", sagt Greinwald.

Die Bürgermeisterin erinnert nach dieser Erfahrung die Bürger an ihre Verantwortung. Wer sich erkältet, solle sich freiwillig zurückziehen und nicht auf den Anruf aus dem Gesundheitsamt oder ein Testergebnis warten. "Mitdenken" sei gefragt, um die Infektionsketten schon früh zu durchschlagen.

Das Landratsamt hat am Wochenende insgesamt 33 neue Infektionen registriert. Von den 16 Fällen am Samstag stammen fünf aus Gilching, drei aus Herrsching, je zwei aus Tutzing und Gauting sowie einzelne aus Andechs, Berg, Pöcking und Weßling. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit 90,7 Infektionen pro 100 000 Einwohnern an. Der Wert stieg am Sonntag auf 98,1. Von den 17 neuen positiven Tests entfallen vier auf Gauting, je drei auf Tutzing und Wörthsee, zwei auf Gilching sowie einzelne auf Andechs, Feldafing, Herrsching, Krailling und Pöcking.

Seit Beginn der Pandemie haben sich 1837 Menschen im Landkreis mit dem Coronavirus angesteckt, 1622 von ihnen gelten als genesen. In Quarantäne befinden sich 926 Personen, die entweder infiziert sind oder engen Kontakt zu Erkrankten hatten.

© SZ vom 30.11.2020
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