Tsukimi:Wie Japan an den Weßlinger See kommt

Weßling: japanisches Mondfest

Taiku-Trommler Takuya Taniguchi kam bei den Tsukimi-Besuchern gut an.

(Foto: Nila Thiel)

Das kleine Mond-Fest mit Ikebana, Origami, Sake und bayerischen Bratwürsten lockt zahlreiche Gäste an.

Von Patrizia Steipe

Tsukimi heißt das traditionelle Herbstfest zur Mondbetrachtung in Japan. Man trifft sich, plaudert, scherzt. Es gibt Darbietungen und der Reiswein Sake wird ausgeschenkt, erklärte Wolfgang Bockhold, Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft von Augsburg/Schwaben (DJG). Zum dritten Mal wurde dieses Fest, das übrigens "Zkimi" ausgesprochen wird, auf dem Gelände des Pfarrstadels in Weßling gefeiert. Viele Vereinsmitglieder und Freunde der japanischen Kultur waren gekommen. Einige Frauen hatten den traditionellen Kimono an, ein Gast hatte sich als Fabelwesen aus einem Manga-Film verkleidet.

Eigentlich wäre der 22. September der Abend des Erntevollmonds gewesen. Das Fest wurde aber vergangenen Samstag gefeiert. An dem Tag habe der abnehmende Mond bereits den "eigentümlichen Reiz schon etwas unvollkommen zu sein", so Bockhold. Die Vergänglichkeit, die in der dunklen Neumondnacht gipfelt und die in Japan besondere Bedeutung habe, würde dadurch noch besser zur Geltung kommen. Gefeiert wurde bereits am Nachmittag.

Weßling: japanisches Mondfest

Unter anderem lauschten die Besucher den Liedern des deutsch-japanischen Chors.

(Foto: Nila Thiel)

Ein deutsch-japanischer Chor sang sehnsuchtsvolle Lieder von der fernen Heimat Japan, dazu ertönten die Glockenklänge der benachbarten Kirche, es gab Stände mit japanischem Essen oder Bratwürste von der Freiwilligen Feuerwehr als bayerische Alternative, ein Go-Spieler erklärte die strategischen Kniffe dieses mehr als 3000 Jahre alten Brettspiels, Origami-Papierfiguren wurden gefaltet, Bockhold intonierte schwermütige Weisen auf der Shakuhachi-Bambusflöte, japanische Tänze und Haiku-Gedichte rundeten die Vorträge ab. Viel Applaus spendeten die Besucher Taiku-Trommler Takuya Taniguchi. Die Rhythmen und Trommelschläge auf den unterschiedlichen japanischen Rhythmusinstrumenten hatte er in eine kraftvolle Choreografie eingebettet.

Zu Beginn lobten der japanische Generalkonsul aus München, Nobutaka Maekawa sowie Weßlings Bürgermeister Michael Sturm die freundschaftlichen Beziehungen. Der in Weßling lebende DJG-Präsident in Bayern, Oliver Schön, informierte die Gäste, dass 2021 sogar ein Jubiläumsjahr sei. Seit 160 Jahren gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Japan und Deutschland. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft mit ihren 850 Mitgliedern organisiert als bekannteste Veranstaltung das Japanfest im Englischen Garten in München mit bis zu 30 000 Besuchern. Um den persönlichen Austausch zu stärken, sei vor drei Jahren erstmalig in Bayern als Alternative das kleine Tsukimi-Fest von Oliver Schön in Weßling initiiert worden.

Im Pfarrstadel hatten die Ikebana-Lehrerinnen Angelika Denig und Ingrid Eichinger Ikebana-Arrangements aufgestellt. Die herbstlichen Zweige, Äste und Blüten werden nach strengen Grundregeln und Techniken gesteckt. Die Tradition der "Opferblumen" sei im 7. Jahrhundert entstanden als der Buddhismus von China nach Japan kam, sagte Eichinger. Die Arrangements würden Himmel, Mensch und Erde repräsentieren. Himmelsrichtungen, Kontraste, Rück- und Vorderseite der Pflanzen sowie die Reihenfolge des Steckens sind genau durchkomponiert. Wochenlang würde sie sich über ein neues Gesteck Gedanken machen und Materialien aus der Natur sammeln, verriet Eichinger. Seit etwa 50 Jahren ist Eichinger der Ikebana-Kunst verfallen. Es bewege sie die meditative Komponente, der respektvolle und achtsame Umgang mit den Blumen, um sie "in ihrer schönsten Gestalt zu erwecken", denn das bedeutet Ikebana auf deutsch. Wer sich auf Ikebana einlasse, "kann sich innerlich entfalten, neue Kraft schöpfen, Ruhe und Entspannung finden", schwärmte sie.

Ein paar Schritte weiter hatte DJG- Mitglied Kai Dräger einen Sake-Stand aufgebaut. Das japanische Nationalgetränk wird aus Reis, Wasser und Hefe hergestellt. Bei einer Verkostung von langjährig gereifter Sake, genannt "Aged Sake", konnten die Besucher unterschiedliche Geschmacksnoten probieren. Sake hat einen durchschnittlichen Alkoholgehalt von 14 bis 17 Prozent und wird in einem jahreszeitlichen Zyklus gebraut, deswegen passe er besonders gut zum Tsukimi-Fest.

Im Frühjahr wird eine Kugel aus frischen grünen Zweigen über Brauereien oder Restaurants in Japan gehängt. In den folgenden Monaten färbt sich die Kugel allmählich braun, um den Reifungsprozess von Sake zu symbolisieren. Auch dies passe zu der Vergänglichkeit des Vollmonds. Um etwa 20 Uhr hieß es "Sayonara" bis zum nächsten Tsukimi.

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