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Theater:Zurück in die gute alte Zeit

Starnberg Kolping Bühne, Theater

Schlitzohr vor dem Richtertisch: Spielleiter Josef Hiebl (li.) und Hans Otto im "Königlich Bayerischen Amtsgericht".

(Foto: Georgine Treybal)

Die Kolpingbühne Starnberg zeigt wieder Szenen aus dem "Königlich Bayerischen Amtsgericht" und landet damit einen Publikumserfolg

Was bitteschön ist ein "Himmelträger", und was bedeutet "aufdachln", "Couraschi" oder "diam"? In Georg Lohmeiers "Königlich Bayerischem Amtsgericht" kommen überzeichnete, aber durchaus typische bayerische Menschen vor. Der Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler Lohmeier hat den Leuten aufs Maul geschaut, bayerische Kraftausdrücke aufgeschrieben und politisch nicht immer korrekte Bezeichnungen. Die Gerichtsszenen wurden in die gute, alte Zeit verlegt, wo es im Gerichtssaal noch menschelte und die Emotionen noch hochkochen durften. Und so garantieren Theateraufführungen des "Königlich Bayerische Amtsgerichts" einen Lacherfolg.

Auf vielfachen Wunsch des Stammpublikums und des Ensembles hat Spielleiter Josef Hiebl in dieser Saison auf das bewährte Stück zurückgegriffen, das die Kolpingbühne Starnberg schon einmal 2011 gegeben hatte. Wie die Premiere am Donnerstag bestätigte, war das eine gute Entscheidung. Die Besucher bogen sich vor Lachen. Auch der Kartenvorverkauf läuft so gut wie seit Jahren nicht mehr. Wer das Stück sehen will, muss sich beeilen, um noch Restkarten zu bekommen.

Die Szenen, die das Ensemble dieses Mal zeigte, waren neu. Die Auswahl an Gerichtsverhandlungen ist groß, hat Lohmeier doch für die gleichnamige Fernsehserie zwischen 1968 und 1972 mehr als 50 Stücke verfasst. Die Handlung folgt immer dem gleichen Schema: Zuerst weiß der Zeuge nichts, dann erinnert er sich ein bisschen, am Ende war er selbst der Täter. Dazwischen wird gestritten und geschimpft. Doch der Richter lässt sich vom gesunden Volksempfinden nicht beeindrucken. Augenzwinkernd und zuweilen mit List sorgt er dafür, dass jeder Schwindel auffliegt.

Hans Otto spielt den Richter souverän. Manchmal ist er froh, wenn der Richtertisch als Barriere dient. Denn in der Hitze des Gefechts kann es passieren, dass ihm der Angeklagte oder der Zeuge auf die Pelle rückt. Unter anderem geht es darum, dass ein Totengräber einem Viehhändler eine Sau gestohlen haben soll. Cornelia Springer tritt als Frau des Totengräbers auf. Wenn sie tanzt und dem Richter mit Unschuldsmiene erklärt, "unbekleidet bin ich noch eleganter", winden sich die Zuschauer vor Lachen. Claudia Cappel ist die Pfarrersköchin, das moralische Gewissen des Dorfs. Viel Zwischenapplaus erntete auch Anton Summer, der als Wachtmeister zackig salutiert, dann aber schon mal den Prozess verschläft. Wenn er am Ende sagt, "es wäre schön, wenn etwas Menschlichkeit von damals übriggeblieben wäre", geben viele Zuschauer dem als Starnberger Stadtrat bekannten Spieler recht.

Alle 31 Darsteller sind mit Leidenschaft dabei. Sie wirken entweder aktiv mit oder agieren als Zuhörer im Gerichtssaal und verleihen dem Geschehen durch ihre deftigen Kommentare Schwung. Damit sie glaubwürdig rüberkommen, musste Spielleiter Hiebl viel Vorarbeit leisten. Anregungen, wie er die Charaktere umsetzen kann, holt er sich gerne bei Zugfahrten. Eine Herausforderung war auch der bairische Dialekt, der einigen Ensemblemitgliedern fremd war. Hiebl hat deshalb die Rollen in Lautschrift umgeschrieben und Handzettel verteilt, auf denen alte Ausdrücke erklärt werden wie "Himmelträger": ein Mann, der bei Kirchenprozessionen den Baldachin trägt.

Aufführungen bis 24. November jeweils Fr. und Sa. 20 Uhr, So. 18 Uhr, am 24. November 15 Uhr im Pfarrzentrum Sankt Maria. Karten: 08151/744888.