Theater Schondorfer Revival

Idealbesetzung: Peter Förg als Anwalt und Simone Elsässer als dragonerhafte Krankenschwester.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Jakobsbühne spielt "Zeugin der Anklage" in der Besetzung von 2009

Von Patrizia Steipe, Schondorf

Vor zehn Jahren hatte die Schondorfer Jakobsbühne Agatha Christies "Zeugin der Anklage" schon einmal einstudiert. Zum 20-jährigen Bestehen der Krimiabteilung des Vereins Theater Schondorf gab es eine Wiederaufnahme auf der Bühne des Landheims Ammersee. Das Besondere: Fast alle Schauspieler sind in den Rollen zu sehen, die sie schon 2009 hatten. "Ich fand die Idee reizvoll, dass man so vergleichen kann, wie sich die Truppe in den vergangenen Jahren entwickelt hat", sagt Regisseur Alex Dorow. Ein Wagnis, denn seine Schauspieler hätten sich auch so verändern können, dass die Rolle überhaupt nicht mehr gepasst hätte. So viel vorweg: Das Experiment ist geglückt. Die Spieler sind sogar noch mehr in ihre Rollen hineingewachsen. Bei der Premiere gab es für die spielerische Leichtigkeit und Souveränität begeisterten Applaus.

Im Meer der oft nach dem gleichen Muster gestrickten Kriminalkomödien und Heimatkrimis war es ein geschickter Schachzug von Regisseur Dorow - er ist auch CSU-Landtagsabgeordneter und war Radiosprecher -, auf die britische "Queen of Crime" zu setzen. Die britische Autorin (1890 bis 1976) verstand es nun mal, die Spannung bis zum Schluss zu halten. Agatha Christies Krimis enden stets unerwartet. Immer wieder fällt der Verdacht auf einen anderen Protaganisten. Dazu gesellen sich Wortwitz und schwarzer Humor.

Viele Krimis der Erfolgsautorin wurden verfilmt und auf die Bühne gebracht: "Arsen und Spitzenhäubchen", "Tod auf dem Nil" und auch die "Zeugin der Anklage". Regisseur Billy Wilder hat daraus 1957 einen Klassiker mit Marlene Dietrich und Charles Laughton gemacht. Das sind große Fußstapfen. Doch die Schondorfer Schauspieler setzten eigene Akzente. Alex und seine Frau Alexa Dorow haben 2008 Drehbuch, Originalroman und Film passend für die Schondorfer Bühne überarbeitet. Ein wenig habe er jetzt die Sprache der modernen Zeit angepasst, sagt Dorow. Nein, Anspielungen auf die Brexit-Debatte habe er sich verkniffen. Aber es kam die Frage, ob der Mörder ein "er", "sie" oder "es" sei, ein Gag, der beim Publikum gut ankam.

Die holzvertäfelte Aula der Schule bildete das perfekte Ambiente für die Kulisse und führte das Publikum in das England der 1950-er Jahre. Wechselweise wurde in den Räumen der Anwaltskanzlei und im Gericht gespielt, wo der Mord an einer reichen Witwe verhandelt wird. Der Haupterbe ist auch der Hauptverdächtige, Leonard Vole. Thomas Eichinger sorgte mal als naives Opfer, dann als berechnender Lebemann für Spannung. Den kauzigen Anwalt, den Fuchs Sir Wilfrid Robarts , spielte ein mitreißender Peter Förg. "Ein Alibi, das die Ehefrau liefert...ist das nicht eine aufregende Herausforderung", sagt er. Dabei ist Aufregung für den Griesgram nach einer überstandenen Herzattacke genau das Falsche. Das findet jedenfalls Simone Elsässer in ihrer Paraderolle als Krankenschwester "Miss Plimpsey". Den "Drachen" mit gigantischer Spritze und dem unsäglichen Kakao, die ihren Patienten in Babysprache zum Mittagsschlaf ("jetzt gehen wir in die weiche Heia") überreden will, mimt sie so überzeugend, dass dem Publikum angesichts der furchtbar rollenden Augen und dem dragonerhaften Auftreten selbst fast schon bange wird. Eine herausragende schauspielerische Leistung!

Holger Schmidt-Lutz als Staatsanwalt Robin Myers schien mit seiner Robe und seiner Rede aus einem echten Gericht gekommen zu sein. Als Zeugin der Anklage ging Alexa Dorow in der Rolle der zynischen Christine Vole auf. In den anderen Rollen gefielen Martin Rempfer als beruhigend auf den Angeklagten einwirkender Rechtsanwalt, Michael Schulz als dessen Kollege und Andreas Hackenberg als besonnener Richter mit gigantischer Lockenperücke. Joseph Linden spielte den distinguierten Büroleiter Carter, Ariane Casagrande die überschwängliche Schreibkraft Greta. Weitere Nebenrollen waren mit Annette Schneider (Haushälterin), Rainer Jünger (Chiefinspektor) und Kristina Klocke (junge Frau) besetzt.

Termine: Freitag und Samstag, 29. und 30. März, 19.30 Uhr, Landheim; Sonntag, 31. März, 17 Uhr, Landheim; Samstag, 14. April, 20 Uhr, Stadttheater Landsberg; Samstag, 27., April, 19.30 Uhr, und Sonntag, 28. April, 17 Uhr, Augustinum Dießen.