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Theater:Mit Herz und Gesang

Matheis bricht´s Eis in der Schloßberghalle

Auf dem Hof, da fehlt ein Bauer (v.li.): Lehrbub Xaverl (Marianne Erhard), Schneider (Rudi Schwab) und Gschwendtner-Enkelin Stasi (Veronika Locherer).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Willi Großer und Ferdinand Pfaffinger bringen Queris Singspiel "Matheis bricht's Eis" auf die Bühne

Der Hof braucht wieder einen Bauern. Da sind sich der Gschwendtnerbauer und seine Frau einig. Doch ihre Enkelin Stasi lässt den reichen Bewerber Vöstl abblitzen. Nach der alten Bauernregel "Mattheis bricht's Eis" hofft der Großvater nun, dass der Lehrer Matheis Summerer bei Stasi landen kann. Die Liebe steht im Mittelpunkt des Singspiels "Matheis bricht's Eis" von Georg Queri, mit dem der Heimat- und Volkstrachtenverein Starnberg am Samstag Premiere feierte.

Zum Gedenken an den 140. Geburtstag und den 100. Todestag des Starnberger Journalisten und Heimatschriftstellers sowie zum 80. Todestag des Musikers und Komponisten Heinrich Gerstetter haben der ehemalige Kreisheimatpfleger Willi Großer und der Starnberger Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger das Stück inszeniert. Seit den 1930-er Jahren hatte die Heimatbühne das Singspiel zu jedem Jubiläum aufgeführt, zum letzten Mal 1999. Dieses Mal konnten Großer und der mitmusizierende Pfaffinger den Trachtenverein für die Inszenierungen gewinnen. Das Spielleiter-Duo war sich sicher, dass die Trachtler die ideale Besetzung sind, weil man für das Stück singen können und darüber hinaus auch den bairischen Dialekt beherrschen muss. Unterstützt wurden sie von der Heimatbühne, die ihre alten Kulissen zur Verfügung stellte, sowie von den Theaterfreunden Hochstadt und nicht zuletzt von etwa 50 Vereinsmitgliedern vor und hinter der Bühne.

Außerdem musste eine Gruppe von Musikern zusammengestellt werden, die den Part des Orchesters übernimmt. Gerstetter, der Konzertmeister im Gärtnerplatztheater war, hatte die Musik für ein großes Orchester geschrieben, mit Elementen aus Operette und Volksmusik. Pfaffinger schrieb die Partitur um, sodass sie sich für acht Musiker eignete, die übrigens die Anforderungen mit Bravour meisterten.

Wie oft im Bauerntheater, ist die Handlung vorhersehbar und harmlos. Doch die mit trockenem Humor gewürzten Dialoge, die altbairischen Ausdrücke, die heutzutage nahezu in Vergessenheit geraten sind, aber auch die fundierte Kenntnis alten Brauchtums, vermischt mit leiser Gesellschaftskritik, und die sängerische Leistung der Darsteller machen das Stück auf jeden Fall sehenswert.

Bei der Auswahl der Darsteller hat das Spielleiter-Duo ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Da sind Stasi (Veronika Locherer), die eigenwillige Enkelin, die sich partout nicht in die Rolle der Hoferbin einfügen will, und Matheis Summerer (Andreas Ruhdorfer), der eigentlich Pfarrer werden sollte und sich für den Lehrerberuf entschieden hat, den er aber auch nicht aus Überzeugung ausübt. Zum Glück für Stasi würde er viel lieber Bauer werden. Locherer und Ruhdorfer spielen das Liebespaar textsicher. Insbesondere die Gesangspassagen mit vielen hohen Tönen und Jodlern meistern sie überzeugend.

Sepp Bernlochner spielt die Rolle des schlitzohrigen Gschwendtnerbauern spritzig-witzig und bringt Situationskomik in das Stück. Barbara Pfaffinger stellt die Gschwendtnerbäuerin, die sich um die Zukunft ihrer Enkelin und des Hofes genauso sorgt wie um Sitte und Moral, souverän dar. Sehr natürlich und glaubwürdig kommt Sebastian Hofer als maulfauler Brautwerber rüber, der seine Freunde gegen den Nebenbuhler aufhetzt. Amüsant und stimmsicher agieren auch Rudi Schwab als Schneider und Marianne Erhard als sein Lehrbub Xaverl. Die Nebenrollen sind ebenfalls bestens besetzt. Kreisheimatpfleger Manfred Schulz war die Rolle des Pater Emeran auf den Leib geschrieben. Köstlich ist der karikierte Auftritt der versoffenen Kirchweih-Besucher, darunter Trachtenvereins-Ehrenvorstand Willi Großer.

Die Handlung könnte durchaus etwas mehr Dichte vertragen, insbesondere der erste Akt zeigt einige Längen. Doch die Spielleiter Großer und Pfaffinger haben die Charaktere hervorragend ausgearbeitet - und musikalisch ist die Aufführung ein Genuss. Der Applaus in der gut besuchten Schlossberghalle war wohlverdient. Am Ende wurden die Darsteller mit Bravo-Rufen belohnt.

Weitere Aufführungen an diesem Montag, 7. Oktober, sowie am 8., 10. und am 12. Oktober jeweils von 20 Uhr an in der Schlossberghalle Starnberg. Kartenreservierungen beim Kulturamt, Telefon 08151/ 772-136, und bei der Touristeninformation, Telefon 08151/90600.