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Theater:Mein lieber Schwan!

Utting Seebühne, Lohengrin

Der Schwan voran, es folge dem Autor, wer kann: Szene aus der Aufführung von Nestroys flauem Stück "Lohengrin".

(Foto: Georgine Treybal)

Die Uttinger Seebühne gibt Nestroys "Lohengrin", ein müdes Stück zwischen Kasperltheater und Märchen. Und landet einen Erfolg

Feinstes Sommerwetter, ein wie immer gut disponiertes Ensemble und ein Stück, das trotz unübersehbarer inhaltlicher Schwächen sein Publikum amüsierte: Die Lohengrin-Premiere der Uttinger Seebühne am Freitagabend darf als Erfolg verbucht werden - selbst wenn dieses Mal nicht alle Plätze mit Ausblick auf ein minimalistisches Bühnenbild und den Ammersee voll besetzt waren.

Zur Aufführung kam Johann Nestroys "Oper der Zukunft" Lohengrin. Die Handlung des als Parodie auf Wagners romantische Oper gedachten Stücks ist rasch zusammengefasst: Ein anonymer Ritter rettet im Schwertkampf die Ehre der Angebeteten, die Vereinigung bleibt ihnen jedoch verwehrt. Einer bösen Hexe gelingt die Intrige, sie muss aber am Ende sterben. Und ein verzauberter Prinz steckt im Schaf oder - in der Seebühnenversion, die da auf Wagner zurückgreift - im Schwan.

Hanebüchener Stoff zwischen Märchen und Kasperltheater also, ziemlich einfallslos aus mythologischen und volkstümlichen Versatzstücken zusammengezimmert.

Dass Nestroys Stück seinerzeit von den Kritikern verrissen wurde, ist auch aus heutiger Sicht gut nachzuvollziehen. Zu nah dran am parodierten Original, um satirische Komik zu entfalten, so lautete der Tenor damals. Nur sieben Monate nach der Wiener Erstaufführung von Wagners Oper hatte Nestroys Version mit dem Autor in der Titelrolle 1859 Premiere: am Carltheater, wo Nestroy obendrein Direktor war. Viel Zeit dürfte da für die Arbeit an Text und Libretto nicht geblieben sein.

So beschränkt sich der inhaltliche Witz weitgehend auf die wagemutigen Versenden. Wackelige Reime wie den Schädel/zu ädel, wirken/mirken und düsterer/Geschwisterer zündeten auch bei der Seebühnen-Premiere zuverlässig.

Die lautesten Lacher aber kamen auf, als nach dem Abgang eines Schauspielers hinter dem Vorhang ein satter Plumps ertönte - was nur bedeuten konnte, dass ein Darsteller ein unfreiwilliges Bad im Ammersee genommen hatte. Doch der Seebühnen-Lohengrin hat viel mehr als Schadenfreude und holprige Verse zu bieten. Das liegt vor allem am Kunstgriff des Regisseurs und Intendanten Florian Münzer, Nestroys ohnehin recht kurzes Stück in Szenen aus dessen "Theatergeschichten" einzuwickeln

. So entsteht eine muntere Rahmenhandlung mit Blicken hinter die Kulissen einer mäßig erfolgreichen Provinzbühnentruppe, deren Direktor Schofel (Holger Schmidt-Lutz) am Abgrund des Bankrotts jongliert. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er vom Theatertechniker und Gläubiger Maxner (Gerhard Deininger) weggeputscht wird. Doch da erscheint Jugendfreund Conrad (Ruben Hagspiel), der nicht nur spontan in die Titelrolle des Lohengrins schlüpft, sondern auch mit der Elsa-Darstellerin Rosaura (Claudia Marbell) anbandelt und schließlich die Theaterschulden übernimmt.

Dieses kleine Märchen ermöglicht der Seebühne, dem Ganzen ein Happy End aufzusetzen. Und den Nebendarstellern Johanna und Katharina Schulz einen bemerkenswerten Auftritt: Sie spielen die gegen Rosaura giftenden Theatertechnikertöchter Mali und Lisi noch maliziöser, als ihre Rollennamen ahnen lassen.

Das Seebühnengeschehen wird wieder vom Orchester unter Michael Bauer bravourös musikalisch begleitet; Jeanette Höfer an Fagott und Klarinette beeindruckt als Solistin. Im durchweg lobenswerten Bühnenensemble ragen vor allem die Profis heraus. In der Schlafzimmerszene zeigen sich Marbell und Hagspiel besonders brillant: Während "Elsa" mit ihrer Stimme makellos die höchsten Lagen erreicht, macht ihr Freier seine eher begrenzte Sangeskunst mit Mienen- und Gestenspiel mehr als wett: Hagspiels Mimik umfasst mindestens drei Oktaven und erntete zu Recht Szenenbeifall, nachdem er den brünstigen, aber hoffnungslos hochgerüsteten Gralsritter hinreißend komisch verkörperte.

Und auch alle übrigen Beteiligten hatten sich den anhaltenden Jubel und Applaus des begeisterten Premierenpublikums redlich verdient.

Weitere Aufführungen täglich außer montags bis 10. August. Beginn 20 Uhr.

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