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Theater:Hasardeure in der Hasienda

Wegen der Corona-Krise weicht eine kleine Bühne ins Freie aus. Auf der Wiese vor dem Kurtheater in Tutzing gibt das Hofspielhaus von Christiane Brammer zwei gut besuchte Gratis-Vorstellungen. Beim Buchheim-Museum ist das Musical im August noch einmal zu sehen

Von Armin Greune

Davon konnten bisher die Veranstalter in der Region nur träumen: Eine weltweit gefragte Musikerin ruft mit der Anfrage an, ob sie spielen könnte. Auch für diese verkehrte Welt heißt die Ursache Covid-19. Natürlich rief die Geigerin Arabella Steinbacher, deren Konzerte nun weltweit abgesagt wurden, nicht zufällig Ludwig Anton Pfell an. Der vielseitig aktive Kirchenmusiker, der in diesem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag feierte, hatte die Herrschingerin schon in der Frühzeit ihrer Laufbahn unterstützt und mittlerweile einige Konzerte am Pult und am Instrument mit ihr bestritten.

Vom Renommee des Chorleiters in Herrsching profitieren heute Besucher von St. Nikolaus. So entwarf das Duo Steinbacher und Pfell auf die Schnelle zwei wunderbare "Musikalische Meditationen", die dort zu hören sein werden. Wer sich rechtzeitig anmeldet, kann zu den jeweils 100 Glücklichen gehören, die unter den mittlerweile allgemeinbekannten Corona-Schutzmaßnahmen an den Meditationen teilnehmen dürfen. Ohne Anmeldung ist der Eintritt nicht möglich.

Tutzing Hofspielhaus

Die Zuschauer jeglichen Alters sitzen auf einfachen Bierbänken, um sich den "Sängerkrieg der Heidehasen" nach einem Hörspiel von James Krüss anzusehen. Sogar ein paar Hunde gesellen sich in Tutzing zum Publikum.

(Foto: Georgine Treybal)

Beide Duoabende finden um 20 Uhr in St. Nikolaus in Herrsching statt. Am 26. Juli erklingen Werke von Johann Sebastian Bach - c-Moll-Sonate BWV 1017 und Chaconne für Violine solo aus der Partita d-Moll BWV 1004 - und des Esten Arvo Pärt - "Fratres" und "Spiegel im Spiegel". Am 2. August folgt ein Abend mit Kompositionen von Bach - E-Dur-Partita BWV 1006 und Sonate E-Dur BWV 1016 -, Dieterich Buxtehude - "Magnificat- primi toni" BuxWV 203 für Orgel solo - und dem Geigenvirtuosen des späten 19. und beginnenden 20 Jahrhunderts, Eugène Ysaÿe - Sonata a-Moll op. 27/2 für Violine solo.

Zweifelsohne ein meditatives Repertoire, schon alleine aufgrund der nordischen Orientierung, doch keinesfalls von der sanften Art, auch wenn Pärt seine typische elegische Grundstimmung in den beiden Werken walten lässt. Die barocke Kontemplation scheut nicht die Substanz, kann auch dramatisch anklingen, wie etwa im Magnificat von Buxtehude, das den liturgischen Text musikalisch mitdenkt.

Der Belgier Ysaÿe fand auch nicht zufällig ins Programm. Seine Sonata gehört zu den von Bachs Partiten inspirierten Kompositionen, bedient sich daraus sogar eines Themas. Bezeichnend für diese Sonata a-Moll ist aber vor allem das prägnante Bachthema "Dies Irae".

Tutzing Hofspielhaus

Ein mit Möhren verzierter Vorhang und ein Klavier mit einem Wegweiser zur "Hasienda" genügen bei der Vorstellung auf der Wiese als Bühnenbild.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Anmeldung ist von sofort an unter der E-Mail-Adresse musik@pg-ammersee-ost.de möglich. Der Eintritt zu diesen Meditationen ist frei, Spenden werden erbeten.

© SZ vom 18.07.2020
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