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Theater am Ammersee:"Die Seebühne hat ihren eigenen Charme"

Ruben Hagspiel hat inzwischen sechs Mal bei den Freiluftaufführungen in Utting mitgewirkt und das Ensemble schätzen gelernt. Von Freitag an übernimmt der Berufsschauspieler in Nestroys "Lohengrin" wieder die Titelrolle

"Lohengrin" steht in der mittlerweile 22. Saison der Seebühne vom kommenden Freitag an auf dem Programm. Mit Wagners pompösen Schwulst haben die Aufführungen am und im Ammersee freilich wenig gemein: Das Ensemble unter Leitung von Florian Münzer gibt die musikalisch-dramatische Parodie von Johann Nestroy und einige Szenen aus dessen "Theatergschichten" . Mit dabei ist wieder der Münchner Profi-Schauspieler Ruben Hagspiel, 35, der in den vergangenen Jahren zu einem der Publikumslieblinge avanciert ist und nun nach Nestroys "Kobold" erneut die Titelrolle übernimmt. Die SZ sprach mit ihm über die speziellen Herausforderungen und den besonderen Reiz, bei der Seebühne mitzuwirken.

Seebühne spielt das Märchen von den drei Orangen

Wandelbar: Die siebte tragende Rolle in Folge verkörpert Ruben Hagspiel (li.) heuer auf der Seebühne. 2014 war er in "Die Liebe zu den drei Orangen" zu sehen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

SZ: Ihre erste Rolle in Utting hatten Sie 2013. Wie sind sie überhaupt zur Seebühne gekommen?

Hagspiel: Wie die Jungfrau zum Kinde. Meine Freundin Marlen Poebing hatte damals schon zwei oder drei Mal im Ensemble mitgespielt. Als noch ein Schauspieler für "Der Widerspenstigen Zähmung" gesucht wurde, sagte sie: "Ich hätte da auch einen zuhause, dem ist eh fad".

Und wie ist dann das Casting gelaufen?

Ich musste in Münzers herrschaftlichem Wohnzimmer vorsprechen. Die Chemie hat wohl ziemlich schnell gestimmt, denn er hat danach intern umbesetzt und mir mit dem Diener Tranio alias Edelmann Lucentio einen größeren Part zugetraut.

Utting Seebühne

2018 war Hagspiel ein Kellner im "Weißen Rössl".

(Foto: Georgine Treybal)

Der dann ja auch das Herz der schönen Bianca gewinnt, die von Poebing, jetzt Hagspiel, verkörpert wurde. Seitdem ist Ihre Frau aber nicht mehr auf der Seebühne aufgetreten.

Ja, jetzt hab ich das fieserweise übernommen. Im Moment ist sie allerdings ohnehin mit unserem drei Wochen alten Sohn ziemlich beschäftigt.

Sie hingegen waren jedes Mal dabei: Zunächst als Truffaldino in "Die Liebe zu den drei Orangen" und als Karion in "Plutos - der Reichtum". Dann eigentlich immer in den männlichen Hauptrollen: als Nestroys "Kobold", als Lysander im "Sommernachtstraum" und als Kellner Leopold im "Weißen Rössl". Welche Rolle war denn bislang die größte Herausforderung?

Ruben Hagspiel (Mitte) und seine Kollegen in "Plutos - der Reichtum", 2015.

(Foto: Arlet Ulfers)

Rückblickend war wahrscheinlich Lysander die schwerste Rolle, denn ich würde die Liebhaber im "Sommernachtstraum" als eher undankbar beschreiben. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich diese Rolle dann wirklich geliebt habe.

Und wie geht es Ihnen dieses Mal mit dem Lohengrin?

Ja mit dem Lohengrin ist das ähnlich: Jetzt in der Endprobenphase freunden wir uns aber an. Es bleibt also auch für mich spannend.

Was macht für Sie den besonderen Reiz der Uttinger Aufführungen aus?

'Der Kobold' tobt auf der Uttinger Seebühne

2016 verkörperte der wandelbare Schauspieler einen Kobold.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Na, wegen des Geldes mach's ich nicht. Die Seebühne hat ihren eigenen Charme, dem ich erlegen bin: Diese seltsamen Stücke und die Leute im Team sind etwas ganz Besonderes.

Fällt Ihnen die Zusammenarbeit mit semiprofessionellen Akteuren schwer?

Die Seebühne hat meine Meinung über das Spiel mit Laien völlig über den Haufen geworfen. Ich hab' gelernt, wie unkompliziert und natürlich man so eine Sache angehen kann - ohne Attitüde und ohne die Nase hoch zu halten, wie es manche Berufsschauspieler tun.

Sie waren festes Mitglied des Jungen Schauspielensembles München und haben am Hofspielhaus gespielt. Welche Engagements haben sie gerade noch?

Beim Theater "Südsehen" spiele ich den Spiegelberg und den Alten Moor in "Die Räuber". Ich habe in der Dreigroschenoper am Volkstheater kleinere Rollen und bei den Weilheimer Festspielen 2018 mitgewirkt. Aber ich bin an und für sich relativ faul und brauch auch meine Pausen vom Theater. Gerade bin ich mit Herzblut Papa, da kann es auch passieren, dass ich wie gestern Mittag neben meiner kleinen Tochter beim Vorlesen einschlafe.

Kein Wunder, nach den Proben der Seebühne kommen Sie ja auch erst spät nach Hause...

Ach, das geht eigentlich, wir proben meistens bis zehn, und mit dem Auto bin ich eine halbe Stunde später daheim. Die Hinfahrt über die verstopfte Autobahn ist viel schlimmer, da habe ich schon eineinhalb Stunden gebraucht.

Die Seebühne führt Johann Nestroys Opernparodie "Lohengrin" in der Zeit vom 19. Juli bis zum 10. August täglich außer montags auf. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, nur bei starkem Regen wird die Vorstellung kurzfristig abgesagt. Karten sind im Vorverkauf in der Buchhandlung am Uttinger Dorfbrunnen zu haben, in der Touristinfo im Bahnhof Dießen oder online unter www.seebuehne-utting.de. Restkarten gibt es von 18.30 Uhr an in der Abendkasse im Summerpark.