Technologie Wenn Roboter zum Abschied winken

Wirtschaftsminister Peter Altmaier besucht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Dabei spricht er auch mit Alexander Gerst, der auf der Internationalen Raumstation ISS Experimente macht

Von Patrizia Steipe, Oberpfaffenhofen

"Guten Morgen, Herr Altmaier, ich freue mich Sie wiederzusehen", waren die ersten Worte von Alexander Gerst. Zuvor hatte die Delegation auf dem Bildschirm im Columbus-Kontrollzentrum den ESA-Astronauten (Europäische Weltraumorganisation) ins Bild schweben sehen. Schließlich befindet sich die Internationale Raumstation ISS in rund 400 Kilometern Höhe. Es sei das einzige Labor in der Schwerelosigkeit, erklärt Gerst. Nur wenige Minuten lang war das Zeitfenster für den "Live-Call" aus dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) in Oberpfaffenhofen geöffnet. Solange, bis sich die Raumstation, die sich anfangs über Südostasien befunden hatte, wieder aus dem Sendebereich entfernte. Dem Bundeswirtschaftsminister erzählte Gerst von den Experimenten, die auf der ISS durchgeführt werden, aber auch von den Bildern, die er aus dem All aufgenommen hat. Sie zeigen nicht nur die Schönheit der Erde, sondern auch die Zerstörung des Regenwalds oder die Verschmutzung der Ozeane. Es seien solche Bilder und die eindringlichen Tweets aus dem All, die die Menschen berührt hätten, so Peter Altmaier. "Sie haben mehr Menschen für die Raumfahrt begeistert als jeder andere", lobte er.

Der Traum vom bemannten Flug zum Mond: Auf reges Medieninteresse stößt der Besuch von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Gerst selbst nimmt derzeit eine "Aufbruchstimmung" in der Raumfahrt wahr. "Wir kriegen Dinge hin, die vorher als fantastisch galten", sagte er. Die ISS fliege in einem halben Tag die Strecke von der Erde bis zum Mond. "Wir können wieder zum Mond fliegen", so Gerst.

Ob diese technisch mögliche Mission allerdings auch finanziell gestemmt werden wird, das wird sich noch herausstellen. Altmaiers Anruf im All war ein Rundgang beim DLR vorausgegangen. Dabei hatte der Minister verkündet, Anfang Oktober ein Thesenpapier über die Weiterentwicklung der Raumfahrt zu präsentieren. Dabei wolle er "Mut haben, Prioritäten zu setzen". An welcher Stelle eine bemannte Raumfahrt zum Mond stehen wird, ist noch nicht bekannt. Altmaier setzt auf alle Fälle "einen Schwerpunkt in der erdnahen Raumfahrt" und beim Technologietransfer. Firmen wie Amazon, Google oder Apple würden die Erkenntnisse aus der Raumfahrtforschung längst für neue Konzepte nutzen, "wir müssen besser werden beim Transfer", forderte Altmaier. Er versprach, die "enorme Innovationskapazität des DLR in Zukunft mehr zu nutzen" und die Arbeitsplätze in der Raumfahrt bis zum Ende des Jahrzehnts möglichst zu verdoppeln. Längst ist Raumfahrtforschung kein Selbstzweck und die hohen Kosten nur dadurch zu rechtfertigen, dass die Erkenntnisse auch für irdische Anwendungen genutzt werden können,

Peter Altmaier (Mitte) möchte die Raumfahrt weiter entwickeln. Ob und wann wieder ein Mensch zum Mond fliegen soll, verrät er aber nicht.

(Foto: Arlet Ulfers)

Bei einer Führung durch das Robotik- und Mechatronik- sowie das Erdbeobachtungszentrum hatten die Wissenschaftler jeder Forschung aus dem All deswegen gleich ein Anwendungsfeld auf der Erde entgegengestellt. Zu Beginn gab es aber erst einmal ein Handschütteln mit Roboter "Toro". Die Feinfühligkeit von Roboterhänden soll ab 2019 in der Chirurgie eingesetzt werden. Dann sitzt der Chirurg mit einer 3D-Brille vor dem Monitor und steuert seinen künstlichen Assistenten bei minimal-invasiven Eingriffen, erklärte der Leiter der Medizin-Robotik, Julian Klodmann.

Vor einigen Tagen hatte der deutsche Astronaut vom All aus Roboter "Justin" mittels eines Tablets gesteuert. Die "Gerst-Anwendung" bekam jetzt der Wirtschaftsminister demonstriert. Später einmal könnten Roboter beim Aufbau einer Station auf dem Mars gesteuert werden,erklärt der Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik Alin Olimpiu Albu-Schäffer. Die gleiche App könne auch für Pflegeroboter eingesetzt werden, die Brillen bringen und Tabletten holen könnten. Altmaier ist skeptisch: "In Heimen wird es Widerstand geben", befürchtet er. Politiker Altmaier würde gerne auch diesem Roboter die Hand schütteln. Die Wissenschaftler lassen die Finger ausfahren, Altmaier greift zu. "Unexpected contact" antwortet die Maschine. Zum Abschied heben Toro und Justin ihre Roboterarme und winken Altmaier zu.