Tassilo-Preis Kreativ im Chaos

"Werkstatt" nennt die vielseitige Künstlerin Rosemarie Zacher ihren Arbeitsbereich im Gautinger Wohnhaus - Atelier klinge "zu hoch gegriffen".

(Foto: Arlet Ulfers)

Rosemarie Zacher war erste Starnberger Stadtmalerin und engagiert sich in der "Schule der Fantasie"

Von Sabine Bader, Gauting

Rosemarie Zacher kann nichts wegwerfen, das gibt sie auch unumwunden zu. Klar, denn sie kann so ziemlich alles brauchen für ihre Kunst - vielleicht nicht gleich, aber irgendwann. Denn Zacher ist eine vielseitige Künstlerin: Sie malt, zeichnet, illustriert Bücher, fertigt Collagen an und Objekte aus unterschiedlichen Materialien - Papier, Ton, Holz, Metall. Die 51-Jährige lebt mit ihrem Ehemann und der 15-jährigen Tochter in Gauting und arbeitet zuhause. Ihr Arbeitszimmer nennt sie nicht Atelier, sondern ganz einfach Werkstatt: "Atelier ist mir zu hoch gegriffen."

Die Bezeichnung Werkstatt trifft es auch wirklich gut. Knöpfe, Federn, Ringe, Ösen, Perlen, Steine sind in kleinen Behältnissen fein säuberlich geordnet. Schachteln stapeln sich: große, kleine, dicke, dünne. In ihnen schlummern noch weitere Schätze. Natürlich gibt es auch all die Utensilien, die in einem Atelier sonst so zu finden sind: Große Tuben und Flaschen mit Farben, Pinsel, stapelweise Bücher. In den Ecken lehnen Leinwände. In diesem kreativen Chaos arbeitet Zacher - etwa für das Haus der Bayerischen Geschichte. Von ihm ist sie beauftragt, für das neue Museum in Regensburg eine Art pädagogischen Begleitplan für Kinder zu konzipieren. Selbst wenn Zacher viele Aufträge hat, versucht sie nebenbei immer eigene Ideen umzusetzen. Ein gewisser Zeitdruck schreckt die Künstlerin nicht - im Gegenteil: Er zwingt sie, die verbleibende Zeit wirklich kreativ zu nutzen.

Die Ansprüche, die Zacher an sich selbst und ihre Umwelt stellt, sind hoch. Oft so hoch, dass sie enttäuscht würde, hätte die Künstlerin nicht im Humoristischen eine Art Kunstkniff für sich gefunden. So entstehen jene typischen karikaturistischen Arbeiten, für die Zacher bekannt ist. Zum Beispiel das Bild einer älteren Dame im roten Abendkleid mit einem Pelzkragen aus Verfassungstexten. Der Titel: "60 Jahre - noch immer in bester Verfassung". Die Illustration entwarf sie für die Sonderbeilage der Bayerischen Staatszeitung zum Verfassungsjubiläum. Oder der Monarch im Purpurmantel mit Hermelinkragen, eine Illustration für das Buch "Eine Krone für Bayern": In der Hand hält er einen Rautenmaßkrug und am Mantel zerrt ein gekrönter Löwe. Es sind freche Arbeiten, witzig, mit viel Esprit. Mal schnell skizziert mit Bleistift oder Tusche, mal fein ausgeführt - doch stets im ganz eigenen Zacher-Stil.

Die studierte Kunstpädagogin arbeitet gern mit und für Kinder. Das ist auch der Grund, warum sie seit vielen Jahren gemeinsam mit Sibylle Sommer die "Schule der Fantasie" in Gauting ehrenamtlich leitet. Eine Einrichtung, die sich längst über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Das Programm ist vielseitig und reicht von Mal- und Töpferkursen über Holzarbeiten, Filzen bis zum Theaterspielen. Der Verein, der bereits fast 30 Jahre besteht, bietet aber auch Erwachsenen-Kurse an. "Es macht mir viel Spaß, das Programm zu entwickeln und Referenten zu engagieren", sagt Zacher.

Begonnen hat ihre Liaison mit der Kunst im Jahr 1989, als Rosemarie Zacher den Kunstpreis der Stadt Starnberg gewann. Beworben hatte sich die Studentin eigentlich nur, weil sie erfuhr, dass ihre Bilder dann zwei Tage lang gemeinsam mit anderen öffentlich zu sehen sein werden. Das hat sie elektrisiert - eine echte kleine Ausstellung. Und Zacher gewann schließlich weit mehr als zwei Tage öffentliche Aufmerksamkeit: Zwei Jahre durfte sie als erste Stadtmalerin in der Geschichte Starnbergs das Paul-Thiem-Atelier zum Arbeiten nutzen. Aber was noch wichtiger war: Sie gewann Selbstvertrauen, zu sich und ihren Arbeiten. "Anfangs war ich furchtbar schüchtern", erzählt sie.

Wer Zacher heute begegnet, kann sich diese Zurückhaltung nicht mehr so recht vorstellen. Sie ist quirlig, spricht viel mit den Händen und versteht es durchaus, ein Publikum mitzureißen. Dass das Brot des Künstlers ein hartes ist, weiß die Gautingerin freilich auch: "Man zweifelt schon recht oft an sich." Aber selbst wenn sie es nicht extra erwähnt, ist klar: Sie hätte sich keinen passenderen Beruf aussuchen können.