Talentiade 2019 Die Überfliegerinnen vom Pilsensee

Pauline Hering und Bettina Wöll aus Hechendorf wollen auf dem Trampolin hoch hinaus. Sie haben es mit ihren Pirouetten und Salti als Mannschaft schon bis zum bayerischen Meistertitel geschafft. Dafür trainieren sie fünf Mal in der Woche

Von Kilian Pinl, Seefeld

So ziemlich jeder hat schon einmal auf einem Trampolin gestanden, die Meisten sind darauf gehüpft und die Wagemutigsten haben sich schon mal an einem Salto versucht. Doch was nur Wenige ohne Turnhintergrund wissen: Trampolinspringen ist seit 22 Jahren olympisch und erfreut sich als Leistungssport zunehmender Beliebtheit. Die zehn Jahre alte Pauline Hering und ihre zwölfjährige Freundin Bettina Wöll haben sich diesem Sport voll verschrieben. Fünf Mal die Woche nehmen sie den Weg aus Hechendorf bis ins Landesleistungszentrum des Bayerischen Turnverbandes auf sich, um dort an ihren Pirouetten und Salti zu arbeiten.

Das Ergebnis ihres Trainingseifers ist ein hypnotisches Auf und Ab, bei dem sich die beiden bis zu fünf Meter hoch aus dem Sprungtuch federn um einen kurzen Moment zu verweilen, um dann wieder ins Sprungtuch einzutauchen. "Es ist ein tolles Gefühl in der Luft zu sein", sagt Pauline mit einem sehnsüchtigen Schulterblick auf ihr Sportgerät. Am liebsten möchte sie direkt wieder zurück aufs Trampolin und weiter trainieren, dabei hat sie heute schon zwei Trainingseinheiten absolviert.

Wenn Bettina Wöll (links) und Pauline Hering (rechts) trainieren, steht immer jemand mit einer Matte bereit, der sie absichert. Fotos: Florian Peljak

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Seit Montag ist sie mit Bettina im Kurztrainingslager bei den "Munich Airriders", wo sie sich mit ihrem Trainer, Markus Thiel, intensiv auf die "Gym-City-Open" in Cottbus vorbereiten. Das internationale Turnier findet dieses Jahr zum achten Mal statt und ist mit 90 Teilnehmern aus fünf Ländern mittlerweile ein etablierter Wettbewerb in der Szene. Anders als in Friedberg, wo die beiden im Juli 2018 noch zusammen über den Bayerischen Meistertitel im Mannschaftswettbewerb jubeln konnten, sind sie an diesem Wochenende in Cottbus auf ihre eigene Leistung angewiesen.

Die Ambitionen der Beiden sind dabei hoch, denn Pauline konnte sich dieses Jahr in ihrer Altersklasse bereits den Einzeltitel als Bayerische Meisterin sichern und auch Bettina strebt nach Höherem: Sie will im Dezember zu den Juniorenweltmeisterschaften nach Tokyo und braucht dafür noch wichtige Platzierungspunkte um sich zu qualifizieren. "Das ist mein großer Wunsch", erklärt Bettina die am Freitag ihren dreizehnten Geburtstag feiert. An der nötigen Unterstützung wird dies auf jeden Fall nicht scheitern - neben ihrenm Trainer Markus Thiel werden die Familien Wöll und Hering in Vollbesetzung mit nach Cottbus reisen um die Mädchen bestmöglich zu unterstützen. Dabei ist Irmgard Wöll vor einem Wettkampf ähnlich nervös wie ihre Tochter: "Da hat man dann schon einen ganz schönen Adrenalinrausch, wenn man so hilflos daneben sitzt, aber da muss sie halt alleine durch, und sie kann damit auch ganz gut umgehen." Im Wettkampf selbst kommt es laut Trainer Thiel vor allem darauf an, die Trainingsleistungen auf den Punkt abliefern zu können.

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Seit 27 Jahren führt er Nachwuchstalente an Wettbewerbe auf nationalem und internationalem Niveau heran und hat zu diesem Zweck vor 14 Jahren die "Munich Airriders" mitgegründet, welche seither zu den erfolgreichsten deutschen Talentschulen im Trampolinsport zählt. In Kooperation mit dem Bayerischen Turnverband haben sie in Sendling ein Trainingszentrum mit drei stationären Trampolinen und einem sogenannten "Supertramp" errichtet, welches höher, aber gleichzeitig langsamer schleudert, womit schwierige Figuren und die Flugtechnik besser trainiert werden können. Neben der fehlerfreien Ausführung und der Schwierigkeit der Figuren berechnet sich die Punktzahl für eine Trampolinübung mitunter aus der Höhe der Sprünge und dem sogenannten Wandern. "Dabei wird bewertet, ob der Turner auf dem Trampolin viel Hin und her fliegt, oder ob er sehr zentral springt - je zentraler, desto höher die Noten", so Thiele. Früher orientierte man sich zum Ermitteln der Höhe und des Wanderwerts noch an Messlatten an der Wand und an Kästchen auf dem Sprungtuch, aber mittlerweile werden diese Werte komplett elektronisch, mittels Lichtschranken und Messplatten unter dem Trampolin erfasst. Präziser als die Messtechnik sind bei Wettbewerben meist nur die Bewegungen der Turner. "Obwohl eine Übung zehn Figuren umfasst und der Turner etwa fünfzig Sekunden auf dem Trampolin ist, beträgt die Tuchkontaktzeit pro Sprung nur etwa dreihundert Millisekunden", erklärt Thiel. In diesen kurzen Momenten muss man dann voll da sein. Springt man nur minimal schräg ab oder federt zu wenig, kann es zum Sturz kommen, was das Ende der Übung bedeutet, "da es nicht die Möglichkeit gibt, wie etwa beim Turnen, die Übung nach einem Sturz fortzusetzen", so Thiel. Die besten acht Springer ziehen nach dem Vorturnen ihrer Übung ins Finale ein, wo dann nach demselben Prinzip die Sieger ermittelt werden - vielleicht sind Bettina und Pauline in Cottbus unter ihnen.

Junge Sportler können sich noch bis Dienstag, 18. Juni, bei der Talentiade bewerben - oder von ihrem Trainer, dem Verein, von Freunden oder den Eltern vorgeschlagen werden. Die Bewerbungsadresse im Internet lautet: sz.de/talentiade2019.