Tag der Ausbildung Auf Orientierungsfahrt

In der Bäckermeisterei Meier in Starnberg dürfen die Schüler Lebkuchenherzen verzieren.

(Foto: Arlet Ulfers)

Fast 300 Schüler haben sich am Buß- und Bettag im Rahmen des "Tags der Ausbildung" bei Firmen umgesehen, um einen Eindruck zu Ausbildungsmöglichkeiten zu erhalten

Von Antonia Gaube, Starnberg

Es ist Buß- und Bettag, die Schüler haben schulfrei. Dennoch fährt am Mittwoch ein Kleinbus mit 19 Schülern an Bord auf den Pausenhof zwischen dem Otto-von-Taube-Gymnasium und der Staatlichen Realschule in Gauting. Ziel ist kein Klassenzimmer, sondern die Mensa des Gymnasiums. Die wird vom Bio-Caterer "Il Cielo" bekocht. Die "Frischkoch-Küche für Kinder" ist eine der Stationen, bei denen Schüler an diesem Tag die Möglichkeit bekommen, in Ausbildungsbetriebe hereinzuschnuppern, ohne ein Praktikum oder eine Ausbildung mehr oder weniger "ins Blaue" anfangen zu müssen. Organisiert wird der "Tag der Ausbildung" von der Gesellschaft zur Förderung der Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung (Gfw) im Landkreis Starnberg.

Bei der Anmeldung können die Schüler, die die Klassenstufen sieben bis zehn besuchen, eine von 17 Routen auswählen. In geschlossenen Gruppen werden verschiedene Stationen abgefahren und die Teilnehmer haben die Gelegenheit, hinter die betrieblichen Kulissen zu schauen. Denjenigen, die noch keine richtige Idee haben, welche berufliche Richtung sie später einschlagen wollen, kommt eine Neuerung zu Gute: Seit diesem Jahr gibt es auch "gemischte Routen": Auf diesen können Berufe aus ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern kennengelernt werden. Bislang gab es nur Touren, die sich auf einen Schwerpunkt konzentriert hatten.

In der Meisterbäckerei Meier in Starnberg wird die Gruppe - bedeckt mit weißen Hauben, dünnen Schutzmänteln und Plastiküberziehern an den Füßen - von Bäckermeister Heiko Thomaier durch die Backstube geführt. Die Schüler dürfen Lebkuchenherzen mit Spritzglasur verzieren und Brezen falten. Thomaier erklärt den Herstellungsprozess, die Gruppe folgt ihm dabei durch das Backhaus. Die Bäckerei nutze den Orientierungstag hauptsächlich, um die Jugendlichen auf diese Ausbildungsmöglichkeit aufmerksam zu machen, so die Betriebsleiterin Eva Thaller. In diesem Jahr habe die Bäckerei zwar keinen Mangel an Lehrlingen, das sei aber auch schon ganz anders gewesen, merkt Thaller an. Dass dieses Jahr vier Azubis im Betrieb beschäftigt werden, liege neben Werbeaktionen auf Berufsmessen und in Schulen auch an der fortlaufenden Immigration. Auch bei "Il Cielo" in Gauting konnten die Schüler aktiv mitwirken: Gemeinsam mit Küchendirektor Stefan Woerl bereiteten sie ihr Mittagessen, Käsespätzle mit Salat, zu. "Wir wollen ein Gefühl zum Lebensmittel vermitteln", erklärt Woerl das Konzept der Bio-Cateringfirma.

Der Tag der Arbeit erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit, so dass in diesem Jahr knapp 100 Bewerber abgelehnt werden mussten. Die Kapazitäten reichen in diesem Jahr für knapp 300 Schüler, mehr gehe nicht, erklärt Stephanie Konopka, die den Tag der Ausbildung gemeinsam mit Regionalmanagerin Kathrin Kollmann organisiert. Unter den Teilnehmern waren zwei techniklastige (eins und 13) sowie eine gemischte Route (17) so beliebt, dass nicht alle, die sich für diese angemeldet hatten, mitfahren konnten.

Konopkas Gfw-Arbeitsvertrag läuft Ende des Jahres aus, somit geht die Hauptorganisatorin verloren, trotzdem wird es den Orientierungstag auch 2017 geben. Bereits jetzt gäbe es Anfragen von Firmen und auch Schülern, so die Projektleiterin. Dass sie ihren freien Tag in potenziellen Ausbildungsbetrieben verbringen, macht den meisten Schülern nichts aus. Viele nehmen die Chance gerne wahr, da das Ende ihrer Schulzeit immer näher rückt und ein Plan für das Leben danach noch geschmiedet werden muss. Andere wurden durch ihre Schulen motiviert: die einen lockten mit einer sehr guten Note, die anderen mahnten mit einem Arbeitsauftrag.