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SZ-Talentiade:Die Einrad-Schwestern

Einrad Gilching

Bei den Deutschen Freestylemeisterschaften im Einradfahren waren die vier Mädchen der Familie Unz, die für den TSV Gilching-Argelsried an den Start gingen, erfolgreich.

(Foto: privat)
  • Der TSV Gilching-Argelsried erhält bei der Talentiade 2017 den SZ-Förderpreis, der mit 1500 Euro dotiert ist.

Die Karrieren begannen mit einem Geschenk, genauer einem gebrauchten Einrad. Die Zwillinge Lea und Sophie Unz verbrachten viel Freizeit mit diesem Sportgerät und beschlossen mit neun Jahren, erstmalig an einem Wettkampf teilzunehmen. Die Erfolgsbilanz wuchs schnell, mittlerweile tragen die beiden 16-jährigen Sportlerinnen der Einrad-Abteilung des TSV Gilching-Argelsried diverse Welt-, Europa- und deutsche Meistertitel. Und zwei "Unzis" - wie sich die Familie selbst gerne bezeichnet - kommen nicht alleine: Die drei Jahre jüngeren Schwestern Saskia und Linda - ebenfalls am gleichen Tag geboren - können auch schon auf erste Plätze bei Welt-und Europameisterschaften verweisen.

Alle internationalen Spitzenplatzierungen detailliert aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Die fünfte Tochter im Hause, die fast sechsjährige Elina, ist seit über zwei Jahren ebenfalls schon begeisterte Einradfahrerin. Die Sportart bietet eine breite Palette an: Freestyle, Trial - also das Hüpfen über alte Autos und Kisten - , Langstrecke, Gelände, Hoch- und Weitsprung sind nur einige der angebotenen Disziplinen.

"Die Wettkämpfe machen unheimlich viel Spaß", berichtet Linda und schwärmt wie ihre Schwestern von tollen Auslandsreisen beispielsweise 2014 zur WM nach Kanada oder 2015 zur EM nach Italien. Auch Spanien wurde schon bereist, heuer steht ein Trip in die Niederlande auf der Agenda. Mutter Julia blieb während des Kanada-Trips mit der Jüngsten im heimischen Windach am Ammersee. Papa Stefan reiste mit, fungierte als Mechaniker und kümmerte sich um preiswerte Quartiere. Stefan Unz ist übrigens seit einem Motorradunfall vor knapp 20 Jahren aufgrund einer schweren Rückenmarksverletzung Rollstuhlfahrer und als Rollstuhltänzer beim USC München sportlich selbst aktiv.

Julia Unz war Hockeyspielerin, bringt also ebenfalls Affinität zum Wettkampfsport mit. Sie schneidert ansonsten unter anderem die Kostüme für die Auftritte. "Wir unterstützen die Kinder nach besten Möglichkeiten." Die vier Sportlerinnen selbst haben ebenfalls tatkräftig zur Finanzierung der Kanada-Reise beigetragen: Sie verzichteten ein Jahr auf Geschenke und - das ist in dieser Generation sicherlich nicht üblich - sogar auf ein neues Handy.

Zu meistern ist auch die Logistik, mit vielen Fahrten zu Trainingslagern in ganz Bayern. Dankbar sind die "Unzis", dass sie sehr oft die Schulturnhalle ihrer Heimatgemeinde unbürokratisch nutzen dürfen. Lea und Sophie Unz besuchen derzeit die zehnte Klasse des Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasiums, wechseln zum kommenden Schuljahr dann ins TUM-Kolleg des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums, Saskia und Linda sind in Landsberg im Gymnasium Siebtklässlerinnen.

Alle vier lesen und basteln gerne in ihrer Freizeit. Die Hausaufgaben, räumen die Kids ein, werden schon mal im Schulbus erledigt, da der Zeitplan doch eng getaktet ist und zwei Mal wöchentlich auch noch Training beim TSV Gilching wartet. Die Eltern sind der Überzeugung, dass Sport sich positiv auf die Lernmotivation auswirkt und Bewegung eh gut für den Körper ist.

Das Quartett hatte auch schon gemeinsame Auftritte - unter anderem beim Gewinn der deutschen Kleingruppenmeisterschaft 2016 in Nürmbrecht. Die Idee dazu kam auf, als den Größeren ihre Kostüme zu klein wurden und neue nachbestellt werden mussten. Bei Vereinsauftritten 2015 und 2016 haben sie übrigens zusammen mit Elina auch schon einen Fünfer-Auftritt. Die "Unzis" verfügen auch schon über Fernseherfahrung: Beiträge über sie liefen im ARD-Mittagsmagazin und der Sendung "logo".