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SZ-Serie: Wie es Starnbergern in der Corona-Auszeit zu Hause ergeht:"Es geht Schlag auf Schlag"

Tutzing Bürgermeisterin Marlene Greinwald

Frische Luft schnappen auf dem Balkon: Derzeit ist Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald nur die Hälfte ihrer Zeit im Rathaus, in der anderen arbeitet sie wie viele ihrer Mitarbeiter von daheim.

(Foto: Nila Thiel)

Wie Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald mit ihren Mitarbeitern das zugesperrte Rathaus managt

Ihren Routine-Termin beim Zahnarzt hat Marlene Greinwald für Montagfrüh abgesagt. Die Tutzinger Bürgermeisterin der Freien Wähler will in diesen Tagen niemanden unnötig gefährden. Um ihre rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Corona-Infektionen zu schützen, ist das Rathaus - wie in vielen anderen Landkreis-Kommunen - seit 16. März für Besucher geschlossen. Greinwald, die zu Hause einen Pferdehof versorgt und seit 2018 in der Verwaltung der Seegemeinde an der Spitze steht, sieht sich jetzt mit ganz neuen Aufgaben konfrontiert.

SZ: Wie geht es Ihnen?

Greinwald: Wie es wohl vielen in diesen Zeiten geht. Mein Familien- und Bekanntenkreis ist gesund geblieben, auch die Mitarbeiter im Rathaus. Die Gefahr betrifft einen nicht direkt, so das Gefühl. Aber wenn man den Fernseher einschaltet, wird klar, dass sich jeder vorsichtig verhalten muss.

Momentan können Bürger das Rathaus nur telefonisch kontaktieren und in dringenden Angelegenheiten einen Termin vereinbaren.

Ja, wir sind zu den üblichen Öffnungszeiten am Telefon erreichbar. Muss jemand etwa wegen einer Unterschrift vorbeikommen oder um ein polizeiliches Führungszeugnis abzuholen, was momentan gerade für viele soziale Einsatzbereiche gefragt ist, dann machen wir einen Termin mit ihm und bitten ihn an ein Fenster, entweder an der Pforte oder beim Einwohnermeldeamt. Rentensachen, Umzüge melden, Vaterschaftsanerkennungen - so was kommt schon öfter vor. Für Todesfälle kommen die Bestatter vorbei. Unsere Mitarbeiter sind dabei durch Plexiglasscheiben vor direktem Kontakt geschützt. Wir haben auch Desinfektionsmittel aufgestellt.

Sie arbeiten als Bürgermeisterin teilweise im Home-Office. Wie läuft das?

Wir haben uns in zwei Teams aufgeteilt und wechseln uns jede halbe Woche ab mit Arbeit von zu Hause und Anwesenheit im Rathaus. Eine Gruppe arbeitet Montag, Dienstag, die andere Mittwoch, Donnerstag und Freitag. In der nächsten Woche tauschen wir. Geschäftsleiter Marcus Grätz hat mit seinem Team gerade die ganze Kommunalwahl abgewickelt. Ich selbst wollte mir schon länger ein kleines Büro zu Hause auf dem Hof einrichten. Das habe ich jetzt getan und arbeite vom Schreibtisch aus mit iPad. Wir sprechen viel in Telefonkonferenzen ab, machen Personaleinteilung. Ich nehme Unterlagen mit nach Hause und arbeite die durch. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Was wir merken, ist, dass es jetzt im Bauamt wesentlich ruhiger zugeht. Da war der Anspruch lange enorm.

Was ist in Ihrem Arbeitsalltag momentan anders als sonst?

Ich habe kaum Termine außer Haus, alle Veranstaltungen wie die Feier zum Zehnjährigen unseres Ortsmuseums sind ja gestrichen. Aber sonst geht es Schlag auf Schlag. Heute mussten wir uns zum Beispiel um den Stoff kümmern, der vom Landratsamt zum Mundschutznähen weitergegeben wird. Die Lieferung hatte das Amt schon am Sonntagabend angekündigt. Der Stoff wird jetzt direkt an Schwester Renate vom Kloster geliefert, damit er nicht durch so viele Hände geht. Dort nähen dann Schwestern und Ehrenamtliche. Dann ging es darum, wie wir die Sitzordnung und den Ablauf der Gemeinderatssitzung am Dienstag machen.

Da trifft sich der Gemeinderat zum letzten Mal in seiner bisherigen Besetzung. Neun Gemeinderäte hören auf...

...und wir wollten eigentlich vorher mit allen ein Foto machen und die Ausscheidenden gebührend verabschieden. Aber das müssen wir auf den Sommer verschieben. Alles ist jetzt halt ganz anders. Wir müssen Abstand halten. Fünf bis sechs werden wohl gar nicht kommen.

Zusammen mit der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde haben Sie frühzeitig Hilfsangebote am Ort initiiert. Wie werden die angenommen?

Wir haben ganz viele, die helfen wollen, aber kaum Tutzinger, die Hilfe annehmen. Vor allem Ältere haben die Brisanz noch nicht so erkannt. Ich hoffe - auch für unsere Geschäftsleute -, dass viele Tutzinger die Möglichkeiten wahrnehmen, bei den Geschäften zu bestellen. Da geht es auch um Wertschätzung. Um die wirtschaftliche Lage am Ort mache ich mir große Sorgen. Wie wird's den Betrieben gehen? Was wird aus der Gewerbesteuer? Wir waren auf einem guten Weg. Jetzt müssen wir das Beste hoffen.

Worauf freuen Sie sich nach Corona?

Einfach, dass wir Menschen uns wieder treffen können, in Biergärten gehen, feiern. Ich bin mir sicher, dass wir das viel bewusster genießen werden.

© SZ vom 31.03.2020

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