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SZ-Serie: Wie es Starnbergern in der Corona-Auszeit ergeht:"Uns geht es ja noch gut"

Rechnet damit, dass es ihr Kleinkunstbrettl noch eine ganze Weile geben wird: Veranstalterin Monika Rother.

(Foto: Arlet Ulfers)

Monika Rother, die Chefin der Kleinkunstbühne im Oberen Wirt in Gilching, musste bisher nur drei Abende verschieben - und profitiert von der Treue ihrer Kunden

Manch ein Satz in der Ankündigung eines Künstlers ist mehr als Programm. Wie zum Beispiel bei dem Kabarettisten Gery Seidl: "Lasst uns surfen auf den Wellen des Lebens" heißt es in seinem aktuellen Programm "Hoch und tief", mit dem er am Montag, 23.März eigentlich auf Monis Brettl im Oberen Wirt in Gilching gebucht war. Nun haben die Wellen des Lebens oder einfach die durch die Corona-Krise bedingte Ausgehbeschränkungen einen neuen Termin notwendig gemacht. Und nicht nur diesen einen: Monika Rother, die Organisatorin und Managerin der Kleinkunstbühne, musste drei Frühjahrsveranstaltungen, von denen eine ausverkauft war, absagen und neue Termine finden - eine echte Herausforderung.

SZ: Frau Rother, wie geht es Ihnen?

Monika Rother: Den Umständen entsprechend, verhältnismäßig gut - ich bin ja bisher virenfrei. Aber es ging rund bei mir: Bei den reichlich gefüllten Spielplänen der Künstler war es nur durch den guten Draht zu den jeweiligen Agenturen möglich, passende Ersatztermine für die drei verschobenen Gastspiele (Gery Seidl am 23. März, Nick Woodland & Band am 2. April und Mistcapala am 30. April ) zu finden. Die verkauften Karten bleiben gültig. Wer an dem Tag nicht kann, bekommt ein Guthaben, nur die wenigsten wollen ihr Geld zurück.

Was meinen Sie, wie es weitergeht?

Schwer zu sagen, ich kann nur konkret für meinen kleinen Kultur-Bereich sprechen. Da wurden ja bis jetzt glücklicherweise erst drei Termine verschoben: So freuen wir uns auf Gery Seidl am Donnerstag, 9. Juli, auf Nick Woodland mit Band am 22. Oktober und auf Mistcapala am 12. November. Des Weiteren steht zu hoffen, dass Stefan Ottos Gastspiel am 14. Mai wie geplant stattfinden kann. Für alle Abende gibt es noch Karten.

Die abendlichen Auftritt in Gilching entfallen momentan - was machen Sie in der freien Zeit?

Wie sonst auch gibt es ständig eine Menge Organisatorisches zu erledigen. Ein Teil davon fällt jetzt doppelt an, bis all die Besucher auf neue Termine umgebucht sind und sich auf die Plätze setzen können, die für sie persönlich und mit Tischkarterl reserviert sind. Ich mache ja den kompletten Vorverkauf selbst, und über der Sitzplatzvergabe brüte ich meistens bis zu zwei Stunden bei ausverkauftem Haus. Alle Stammplätze und Sonderwünsche berücksichtige ich dabei. Der Sitzplan muss ja immer wieder erneut ein stimmiges Gefüge ergeben, da ich die Abende auf Monis Brettl für meine Besucher als verdienten Kurzurlaub ansehe: Erst beste Kulinarik genießen und dann große Kleinkunst erleben! So mancher kommt abgehetzt und grantig bei uns an und schenkt uns beim Rausgehen ein glückliches Lächeln, oftmals aber auch ausdrucksstarke Dankesworte für den schönen Abend. Und neben der Bühne habe ich auch privat gut zu tun. Wir sind ja erst nach Peißenberg umgezogen , das Haus in Herrsching, in dem wir seit 1968 lebten, wird abgerissen. Da gibt es noch Kartons aus der Kindheit meiner jetzt erwachsenen Söhne, die ich jetzt mal anschauen muss.

Haben Sie Helfer für die Bühne?

Die Technik, Künstlerbetreuung und wenn möglich auch die zusätzliche Einlasshilfe am Gastspielabend übernimmt mein Mann, dann gibt es noch meine wunderbare Platzeinweiserin und meinen perfekten Layouter. Ansonsten mache ich von der Terminplanung über die Pressearbeit bis zur Pflege der Homepage und der Flyer-Herausgabe alles selbst und nach fast 25 Agenturjahren immer noch gern.

Können Sie diese Zwangspause finanziell überbrücken?

Gut, dass nicht allzu viele, die die Ersatztermine nicht wahrnehmen, ihr Geld zurück haben wollen. Das Programm für 2021 wäre normalerweise fertig, ist aber durch die Umstände etwas verzögert. ich gehe mal davon aus, dass sich die Krise spätestens bis dahin aufgelöst hat.

Was wünschen Sie sich und den anderen?

Gesund zu bleiben, wäre für uns alle eine wichtige Voraussetzung dafür, weiterhin ein breit gefächertes Kulturprogramm bieten, beziehungsweise genießen zu können. Auch die einsatzfreudige Motivation auf Veranstalter- und Künstlerseite sowie die Offenheit für Neues von Seiten der Besucher bleiben hoffentlich erhalten oder werden sogar wieder vermehrt auftreten.

Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Wir haben gerade das Fünfjährige mit unserer Brettlheimat begangen und gemeinsam mehr als 180 erfolgreiche Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Unser großer Dank dafür und wie wohl wir uns immer noch unter den Fittichen von Tina und Michi Jakob-Widmann samt Belegschaft vom Oberen Wirt fühlen, darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Denn nur weil alle Beteiligten zuverlässig miteinander an einem Strick ziehen, wird es Monis Brettl wohl noch eine ganze Weile geben.

Das klingt ja ganz fröhlich.

Bei allen Schwierigkeiten und Ängsten, mit denen derzeit alle kämpfen, kann ich nur sagen: Uns geht es ja noch gut, und wir sollten demütig und dankbar sein.

Vielen Dank für das Gespräch, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund.

© SZ vom 01.04.2020

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