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SZ-Serie: Mit dem Bus in den Landkreis:Mit kleinem Wendekreis in die Zukunft

Der Landrat und Vertreter des MVV zeigen sich bei einer Probefahrt durch Starnberg angetan von dem französischen E-Bus "Aptis" mit einzeln lenkbaren Achsen und niedrigem Einstieg.

Große Fenster, ein kleiner Wendekreis und ein besonders niedriger Einstieg: Das sind Vorzüge eines Elektrobusses, der am Donnerstag durch Starnberg gekurvt ist. Mit dabei waren bei der Probefahrt im Prototyp Landrat Karl Roth sowie Vertreter des Landratsamtes, des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) und der französischen Herstellerfirma Alstom. Es war keine reine Vergnügungsfahrt, denn Elektromobilität kommt gerade auch im öffentlichen Nahverkehr an. Im nächsten Jahr startet in den Landkreisen München, Starnberg, Fürstenfeldbruck eine sogenannte Antriebsstudie, kündigte MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch bei der Rundfahrt durch die Stadt an.

Starnberg LRA, Elektrobusmodell 'Aptis'

Barrierefrei: Kreisrätin Sissi Fuchsenberger, Bürgermeisterin Eva John, Landrat Karl Roth, Bernd Rosenbusch vom MVV, Verkehrsexpertin Susanne Münster und Jens Sprotte von der Firma Alstom (v.li.) bei der Tour mit dem Elektrobus.

(Foto: Georgine Treybal)

Bei dieser Untersuchung testet der Verbund, auf welchen Linien sich welcher Antrieb eignet: Batterie, Wasserstoff oder Diesel wie bisher. Fahrtwege können dabei eine Rolle spielen, Wendemöglichkeiten, aber auch Steigungen und Ladeinfrastruktur. Bei künftigen Ausschreibungen würden sicher auch Elektrobusse eine Rolle spielen, glaubt Rosenbusch, "hundertprozentig", sagte er. In zwei bis drei Jahren werde sicherlich auch im Landkreis Starnberg ein mit Strom angetriebenes Fahrzeug unterwegs sein. Von welchem Hersteller, ist allerdings noch offen. Vom Dezember an würden drei Solaris-Busse im Landkreis München im Linienbetrieb eingesetzt.

Starnberg LRA, Elektrobusmodell 'Aptis'

Der Platz im Innenraum ist deutlich größer als bei konventionellen Fahrzeugen, weil die vier Räder, die jeweils mit eigenen Elektromotoren angetrieben werden, an den äußersten Kanten sitzen.

(Foto: Georgine Treybal)

Elektrobusse seien auch bei bisherigen Ausschreibungen immer wieder ein Thema gewesen, berichtete Landrat Roth. "Der erste Eindruck ist sehr gut", sagte er über den "Aptis" der Firma Alstom. Und SPD-Kreisrätin Elisabeth Fuchsenberger, die privat schon seit Jahren mit einem Elektro-Auto fährt, meinte: "Die Leute finden es einfach schick, mit einem Elektrobus zu fahren. Das hoffe ich jedenfalls."

Die ersten Alstom-Busse werden bereits in Paris und in der Region Île-de-France eingesetzt. Auch in Darmstadt wurde der Aptis schon getestet. Alstom liefert nach eigenen Angaben 50 Elektrobusse an die RATP, den staatlichen Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Paris und Umland. Der Hersteller aus dem Elsass war bei einer europaweiten Ausschreibung zum Zuge gekommen. Die Straßburger Verkehrsgesellschaft CTS hatte zuvor schon zwölf Fahrzeuge in Auftrag gegeben. Das Unternehmen hofft, im nächsten Jahr in Europa 3500 Elektrobusse zu verkaufen, und zielt dabei vor allem auf den Markt in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Spanien. Darum nutzt Jens Sprotte, der bei Alstom den Geschäftsbereich Stadtverkehr leitet, solche Termine wie in Starnberg gerne für Werbung in eigener Sache.

Starnberg LRA, Elektrobusmodell 'Aptis'

Das Fahrercockpit des Omnibusses.

(Foto: Georgine Treybal)

Eine Spezialität des Aptis ist der durchgehend niedrige Boden in einer Höhe von 33 Zentimetern; beim Halten wird eine Rampe ausgefahren, die bis zum Boden reicht. Das Fahrzeug ist also besonders barrierefrei für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen. Der Platz im Innenraum ist deutlich größer als bei konventionellen Fahrzeugen, weil die vier Räder, die jeweils mit eigenen Elektromotoren angetrieben werden, an den äußersten Kanten sitzen. Damit wird innen kein Platz für Radkästen benötigt. Große Teile der Elektrotechnik wurden aufs Dach verlegt, so dass auch dafür im Wagen kein Platz benötigt wird. Die einzeln lenkbaren Achsen machen den Wagen besonders wendig, er kommt mit wenig Platz auf dem Weg in Haltebuchten aus und bewältigt auch besonders enge Kurven. Brauchten konventionelle Busse üblicherweise 24 Meter Platz, um in eine Haltebucht zu gelangen, reichten dem Aptis 16 Meter, erklärte Lorenz Heller, Manager in der Geschäftsentwicklung von Alstom.

Über den Preis mochten die Vertreter des Unternehmens keine Angaben machen. MVV-Chef Rosenbusch geht aber davon aus, dass Elektrobusse mindestens doppelt so teuer sind wie Dieselfahrzeuge.

Die Lokalausgaben der Süddeutschen Zeitung suchen im Oktober gemeinsam mit dem MVV den Busfahrer oder die Busfahrerin des Jahres. Teilnahmecoupons liegen in allen Regionalbussen aus. Ihren Favoriten oder ihre Favoritin können Fahrgäste aber auch per E-Mail vorschlagen: busfahrer-aktion@mvv-muenchen.de.