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SZ-Serie "Mein kleines Biotop", Teil 3:Für Hummeln und Kompott

Obstgehölze erfüllen im Garten viele Funktionen, von denen Mensch und Natur profitieren

Apfel und Biene: Symbolträchtiger können zwei Begriffe im Umfeld des Gartens kaum sein. Der Apfelbaum ist Sinnbild des ewigen Lebens und der Hoffnung, Luther wollte ihn noch angesichts des Jüngsten Tags pflanzen. Seine Frucht gilt als Zeichen der Liebe, Sexualität und Fruchtbarkeit; der Apfel ist aber auch Zeichen für Reichtum, Macht und Erkenntnis. Die Biene wiederum dient als Emblem der Götter und Herrscher, steht aber vor allem für Fleiß und Tüchtigkeit der Untertanen. Und in jüngster Zeit als Symbol des Artensterbens, obwohl die Honigbiene davon weniger betroffen ist als ihre wilden Verwandten. Obstbäume sind vor allem auf sie angewiesen, um Früchte anzulegen - Insekten wiederum profitieren von Nektar, Pollen und schließlich den süßen Früchten. Die Schicksale von Apfel und Biene sind eng miteinander verknüpft.

Die Obstbaumblüte mag in milderen Lagen des Fünfseenlands den Höhepunkt überschritten haben - in Jana Schmaderers kleinem Hausgarten in Erling auf 667 Meter Meereshöhe ist sie noch voll im Gange. "Hier gibt es ganz schön bissige Winter - in Herrsching, wo wir bis 2013 gewohnt haben, war das anders", sagt die 50-Jährige. 130 Meter Höhenunterschied machen sich klimatisch deutlich bemerkbar: Deshalb sollte man die örtliche Lage beachten, falls man denn ein Apfelbäumchen pflanzen möchte.

Schmaderer, die Ausbildungen als Gartenbäuerin und Gartenerlebnis-Gästeführerin vorweisen kann, hat ihre Bäume vor fünf Jahren ausgesucht, nachdem sie sich im Obstlehrgarten in Weilheim informiert hatte. Für den Halbstamm in ihrem Garten fiel die Wahl auf den "Berleis": "Er hat seit 2014 bereits drei Mal sehr gut getragen", sagt Schmaderer. Außerdem haben sie und ihr Mann Peter eine Reihe Säulenäpfel an den Zaun gesetzt: drei verschiedene Sorten, die zu verschiedenen Zeiten reifen - vom frühreifen bis zum Lagerapfel. Für kompakte Gärten ist die Säulenform ideal, selbst in Kübeln lassen sich so auch Kirschen oder Zwetschgen ernten.

Die Säulenäpfel an der Südgrenze ihres Gartens düngt Jana Schmaderer mit Bokashi: einem hochwertigen Dünger, der nach Impfung mit Mikroorganismen unter Luftabschluss aus fermentierten Küchenabfällen entsteht.

(Foto: Arlet Ulfers)

Entscheidend für den Ertrag ist freilich im Frühjahr die Bestäubung durch Insekten, die wiederum selbst dringend auf die Nahrung in Form von Nektar und Pollen angewiesen sind. Honigbienen spielen dabei eine geringere Rolle, als oft angenommen wird: "Sie sind erst bei 14, 15 Grad aktiv", weiß Jana Schmaderer. So musste die Solidargemeinschaft Starnberger Land, der sie vorsteht, am vergangenen Sonntag eine Führung in Erling absagen: Für den "Besuch bei den Bienen" von Imkerin Inge Breiter war es zu kühl. Einige ihre Völker leben im Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins Machtlfing, den Schmaderer allen Hobbygärtnern in rauem Klima empfehlen kann. Am 11. Mai findet dort von 13 Uhr an ein Pflanzenmarkt statt.

Glücklich sind die Obstgärtner, die viele Schwebfliegen und Wildbienen zu Gast haben: Die ersten Bestäuber im Frühjahr sind Hummeln, die mit der dichten Behaarung als Kälteschutz bereits bei fünf Grad von Blüte zu Blüte brummen, weiß Schmaderer. Sie hat zudem an der Garagenwand Nisthilfen für Mauerbienen aufgehängt: "Die sind genau zu Beginn der Obstbaumblüte geschlüpft. Nun bauen sie schon wieder Nistgänge für die eigene Brut - bei einer Lebenserwartung von nur vier bis sechs Wochen müssen sie sich ranhalten."

Gerade bei Wildbienen sei es wichtig, dass sie ein Quartier nahe am Garten beziehen: Ihr Aktionsradius reiche nur 200 oder 300 Meter weit - während die domestizierten Arten auch zwei oder drei Kilometer vom Stock entfernt Nektar und Pollen sammeln. Wer eine Hummelpopulation im eigenen Grün begründen will, sollte den Königinnen im zeitigen Frühjahr Holzhaufen oder Steinspalten als Unterschlupf anbieten. Auch im Fachhandel gekaufte oder selbstgebastelte Nistkästen werden gern angenommen.

Bei Schmaderers herrscht jetzt, falls das Wetter mitspielt, nicht nur in den Apfelbäumchen Hochbetrieb. In ihrem Garten blühen noch Zierapfel und -quitte, Felsenbirne, Aronia-, Heidel-, Johannis- und Jostabeere. Auch wenn sie wie etwa der Bastard aus Johannis- und Stachelbeere nur recht unscheinbare Blüten entwickeln, sind sie für Insekten besonders wertvoll. Wie das Obst für die bienenfleißigen Schmaderers, das sie im Sommer und Herbst ernten und verarbeiten werden.

Trotz des rauen Erlinger Klimas gedeiht bei ihnen sogar ein Pfirsichspalier, das in einer geschützten Nische an der Südseite des Carports schon Anfang April geblüht hat. Im vergangenen Jahr hat es erstmals richtig getragen, Peter Schmaderer schätzt die Ernte auf etwa zehn Kilogramm: Noch immer stehen im Keller einige Gläser von 2018 mit Pfirsichmarmelade und -kompott in Apfelsaft.