SZ-Podiumsdiskussion zur Wahl in Krailling Drei Köpfe, eine Meinung

Wollen die Nachfolge von Christine Borst in Krailling antreten: Die drei Bürgermeisterkandidaten (v.li.) Henrik Jörgens, Rudolph Haux und Adrienne Akontz.

(Foto: Nila Thiel)

Die drei Bürgermeisterkandidaten vertreten beim wichtigsten Thema in Krailling, der Gestaltung der Ortsmitte, denselben Standpunkt - und das ist nicht der einzige Konsens.

Von Michael Berzl, Krailling

Die Unterschiede sind nur schwer auszumachen. Die drei Bürgermeisterkandidaten Adrienne Akontz (Grüne), Rudolph Haux ( FDP) und Henrik Jörgens (CSU) sind sich in vielen Punkten einig, wenn es um die künftige Entwicklung Kraillings geht. Auch bei dem im Ort wohl umstrittensten Thema, der Ortsmitteplanung mit einem Umbau des Paulhan-Platzes, die wegen der drastisch gestiegenen Kosten ohnehin vorerst auf Eis liegt. Dieses Vorhaben habe nicht die oberste Priorität, viel wichtiger sei die Grundschule, sagten einmütig die Bewerber bei einer Podiumsdiskussion der Süddeutschen Zeitung am Freitag. Ja zu einem Jugendbeirat, kein Geld, um den Berger Weiher auszubaggern und wenige Möglichkeit, um neuen Wohnraum in großem Stil zu schaffen: Auch das sind Statements, auf die sich drei Konkurrenten um den Chef Sessel im Rathaus einigen konnten.

Etwa 300 Zuhörer sind zu der Veranstaltung in der Grundschule gekommen, die von den SZ-Redakteuren Carolin Fries und David Costanzo moderiert wurde. Viele waren schon eine Viertelstunde vor Beginn da, um noch einen Sitzplatz in der Turnhalle zu bekommen, etliche mussten stehen. Der starke Andrang zeigt, wie groß das Interesse der Kraillinger daran ist, wer nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt der bisherigen Amtsinhaberin Christine Borst (CSU) die Geschicke der Gemeinde leiten soll. Er kann aber wohl auch ein Hinweis darauf sein, dass viele Wähler einen Monat vor dem Wahltermin noch unentschlossen sind, wem sie ihre Stimme geben sollen. Dem Applaus nach waren am Freitag noch keine eindeutigen Präferenzen zu erkennen.

Aufmerksam verfolgen fast 300 Zuhörer die Diskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten in Krailling. Der Andrang in der Turnhalle der Grundschule zeigt auch, wie groß das Interesse an der Neuwahl im Mai ist.

(Foto: Nila Thiel)

Auffällig viel Beifall gab es aber bei dem Thema Öffentlichkeitsarbeit, als Haux und Akontz ankündigten, die vom Rathausveröffentlichte Informationsbroschüre mit dem Titel "In Krailling", die erst vergangene Woche an alle Haushalte verteilt wurde, sofort abzuschaffen. Da wurde deutlich, dass die Kraillinger auf diese Form der Publicity in eigener Sache gerne verzichten würden. Die Grüne sprach von einer "Werbebroschüre, die auf Hochglanz gedruckt wird und im Papierkorb landet". Nur Jörgens erklärte: "Das 'In Krailling' finde ich gut".

Weitgehende Einigkeit mit kleinen Unterschieden im Detail ist beim Thema Verkehr festzustellen. Während sich FDP-Kandidat Haux skeptisch dazu äußerte, "Verkehrshindernisse" wie die Verschwenkungen in der Pentenrieder Straße zu bauen, weil dadurch Gefahrenstellen entstünden, erklärte seine Konkurrentin Akontz: "Wenn wir Autobahnen anbieten, halten sich die Leute nicht an Tempo 30". Die Verengung hält aber auch Haux für richtig. CSU-Bewerber Jörgens setzt auf mehr Kontrollen und hält viel von der erzieherischen Wirkung digitaler Tempoanzeigen, die bereits an manchen Straßen stehen: "Die Smileys haben eine sehr große Wirkung". Er wies außerdem darauf hin, dass gerade in dem kleinen Ortsteil Gut Hüll oft zu schnell gefahren werde. Auf die Frage nach einem Jugendbeirat antwortete Jörgens zwar spontan: "Wir brauchen nicht noch ein Gremium", stellte später aber klar, dass er nichts gegen einen Jugendbeirat habe, wenn sich geeignete Kandidaten fänden. Es gebe aber bereits jetzt viele Institutionen wie Vereine und Feuerwehr, die dringend Unterstützung bräuchten. Haux sieht in so einer Interessenvertretung sogar die Chance, "dass sich sogar die Bereitschaft entwickelt, politisch Verantwortung zu übernehmen". Akontz wies darauf hin, dass es viele Jugendliche gebe, die keine Lust auf Feuerwehr oder Vereine hätten, aber auch aufgefangen werden sollten.

Sie hatte nach eigenen Angaben schon früh geahnt und in einer Stellungnahme geschrieben, dass der Kraillinger Weiher verschlammen werde, und schlug als Lösung den Bau eines Absatzbeckens vor. Haux, der beruflich mit Wasserwirtschaft zu tun hat, unterstützte diese Idee. Jörgens erklärte, das Ausbaggern des Schlamms würde einen sechsstelligen Betrag kosten. "Das ist viel Geld, das wird nicht haben".

Der finanzielle Engpass ist ein Problem, das auch für andere Aufgaben in der Gemeinde zutrifft und jeden Bürgermeister beschäftigen wird - egal, wer gewählt wird.

Etwa 5500 Kraillinger sind dazu aufgerufen, am Sonntag, 12. Mai, darüber abzustimmen, wer ihr Bürgermeister werden soll. Der Termin für eine mögliche Stichwahl zwei Wochen darauf fiele mit der Europawahl zusammen.