SZ-Kulturpreis Tassilo:Im Bosco zu Hause

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Viele Jahre lang war Hans-Georg Krause für alles zuständig, was in der Würmtalgemeinde Gauting mit Kultur zu tun hatte. (Foto: Georgine Treybal/Starnberger SZ)

Hans-Georg Krause hat jahrelang das Kulturleben in Gauting geprägt: Er hebt ein Theaterfestival aus der Taufe, ein Kindertheater, Kabarettreihen, Lesungen und Konzerte. Vor allem aber verdankt ihm Gauting den Kultursaal "Bosco".

Von Katja Sebald, Gauting

Er hat das Kulturleben in seiner Heimatgemeinde nicht nur bereichert, er hat die Gautinger überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass der Münchner Vorort ein eigenes Kulturleben braucht. Er engagierte sich nicht nur in einem Verein, sondern hat den Verein selbst gegründet und die gesamte Organisation mehr oder weniger alleine gestemmt. Er stellte ein Theaterfestival auf die Beine, später auch Kindertheater, Kabarettreihen, Lesungen und Konzerte. Er wählte Stücke und Künstler aus. Er verhandelte mit Unterstützern und kämpfte um Zuschüsse. Bei Veranstaltungen schleppte er die Stühle, verkaufte Karten und organisierte die Technik. Vor allem aber ließ Hans-Georg Krause nicht locker, bis Gauting endlich einen Kultursaal hatte. "Ich bin zufrieden", sagt er heute.

Das Kulturhaus Bosco wird heute professionell geführt

Viele Jahre lang war Hans-Georg Krause in Gauting sozusagen für alles zuständig, was mit Kultur zu tun hatte. Mittlerweile hat er die Verantwortung weitgehend abgegeben. In dieser Spielzeit ist er zum letzten Mal für die Schauspielreihe zuständig, dann will er sich ganz zurückziehen. Wenn er heute eine Veranstaltung in "seinem" Bosco besucht, dann ist er einfach nur Zuschauer - zumindest in der Theorie. Denn natürlich hat er immer noch jede Menge Ideen, was man noch alles machen könnte. Das Theaterforum etwa war sein Baby, großgezogen hat er es praktisch allein. Mittlerweile ist es aber erwachsen und steht auf eigenen Beinen. Das Kulturhaus Bosco ist ein Erfolgsmodell. Es wird professionell geführt, auch gibt es für jede Sparte einen eigenen Programmleiter. Ein Team hat das übernommen, was Krause in den Anfangsjahren noch im Alleingang gestemmt hat. Ein guter Übergabeprozess sei wichtig, sagt er. "Ich wollte auf keinen Fall den Moment verpassen, in dem man loslassen muss."

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Angefangen hatte alles 1992, als eine anonyme Schrift in Gauting kursierte: Kommunalpolitiker aller Parteien und "Kulturbürger" fanden damals das "Diskursive Gutachten über Perspektiven einer kommunalen Kulturpolitik für die Gemeinde Gauting" in ihren Briefkästen. Die Verfasser wollten ungenannt bleiben, weil sie glaubten, dass der Inhalt für sich sprechen würde. Sie erreichten jedoch genau das Gegenteil: Die Diskussion fokussierte sich zuerst auf die Identität der Autoren und dann, nachdem Hans-Georg Krause und sein Mitstreiter Jens Groß sich geoutet hatten, auf die Frage, ob man in Gauting tatsächlich einen Kulturreferenten brauche. Man brauchte keinen. Punkt. Angespornt von dieser Niederlage aber gründete Krause am 23. September 1993 den Verein "Theaterforum Gauting".

Er holt bekannte Kabarettisten wie Gerhard Polt oder Sigi Zimmerschied nach Gauting

Im selben Jahr organisierte er die ersten Theatertage in der Aula der Hauptschule. Einmal im Jahr ein Programm zusammenstellen, Flyer gestalten und Plakate kleben - der Aufwand war anfangs durchaus überschaubar. Doch das Baby wurde größer, es bekam Geschwister: Ab 1995 gab es zusätzlich den "Kinderfrühling", 1998 den kleinen "TheaterSpielraum" im Keller der Schule als festen Spielort und ein ganzjähriges Programm, mehrere Veranstaltungen pro Woche. Kabarettisten wie Gerhard Polt und Sigi Zimmerschied traten in Gauting auf, Schauspieler wie Jörg Hube, Claus Eberth oder Thomas Holtzmann, hochkarätige Musiker. Mit der Eröffnung des Kultursaals Bosco im September 2005 hatte Krause sein großes Ziel erreicht. Gleichzeitig musste - und durfte - er sich nun vom Einzelkämpfer zum Teamplayer wandeln: Der Gemeinderat beauftragte den Verein, zusätzlich zum Programmangebot die organisatorische Betreuung des Kulturhauses zu übernehmen.

Krauses unermüdliches Engagement war bei weitem nicht nur seiner eigenen Leidenschaft fürs Theater geschuldet, es war von Anfang an auch ein politisches Anliegen. "Das Theaterforum und der Einsatz für einen Kultursaal ist mein Part, um die Identifikation mit dem Ort, in dem ich wohne, auszuleben", sagte er zum zehnjährigen Bestehen des Theaterforums. Er sah - und sieht - es als politisch-soziale Aufgabe einer Gemeinde, ein Kommunikationszentrum zu schaffen, nicht nur einen Veranstaltungsort, sondern auch einen Treffpunkt. Sein größter Erfolg ist deshalb nicht die Tatsache, dass auch nach zwei Jahren Pandemie in Gauting weiterhin Theater stattfindet, sondern dass der Kultursaal Bosco die Gautinger verbindet. "Und die Gemeinde trägt diese Idee mit", sagt der 72-Jährige mit Blick auf sein Lebenswerk. "Das ist anders als früher - und macht mich sehr zufrieden."

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