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Ali Reza M. (li.) flüchtete vor fünf Jahren aus Pakistan. Nun lebt er in Hechendorf und absolviert eine Ausbildung in Oberschleißheim und Zwiesel.
Ali Reza M. (li.) flüchtete vor fünf Jahren aus Pakistan. Nun lebt er in Hechendorf und absolviert eine Ausbildung in Oberschleißheim und Zwiesel. Privat

Ali Reza M. benötigt für seine Ausbildung zum Flachglastechnologen einen Laptop

Von Christine Setzwein, Starnberg

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Ali Reza M. war 16, als er mit seinem Cousin aus Pakistan floh. Das war vor fünf Jahren. Da Ali noch minderjährig war, konnte er in Deutschland bleiben und wurde vom Jugendamt betreut. Sein Cousin hingegen musste wieder zurück nach Pakistan, da wohl in erster Linie familiäre Probleme die Fluchtursachen waren. Bis zu seinem 18. Lebensjahr wohnte Ali in der Jugendeinrichtung in Stockdorf, danach kam er in die Gemeinschaftsunterkunft in Hechendorf. Der heute 21-Jährige will unbedingt in Deutschland bleiben, er will persönlich und beruflich weiterkommen.

Bereits als Minderjähriger begann er ein Praktikum bei einer Firma in Oberschleißheim, danach arbeitete er dort weiter als Hilfskraft. Dafür nahm er auch das tägliche Pendeln zwischen Hechendorf und Oberschleißheim gerne in Kauf. Dieses Engagement und das große Interesse an der Arbeit überzeugte auch den Arbeitgeber. Er machte Ali das Angebot, eine Ausbildung zum Flachglastechnologen zu beginnen. Für seine Ausbildung, für die Berufsschule und für die Kommunikation mit dem Ausbildungsbetrieb und den Helfern benötigt Ali einen guten und modernen Laptop, den er sich nicht leisten kann.

So viel Glück wie Ali haben nicht alle jungen Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie. Laut Robert Ernst, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit in Weilheim, waren in diesem Ausbildungsjahr im Landkreis Starnberg - dem Landkreis übrigens, der bundesweit den höchsten Anteil an Studienberechtigungen hat - 545 Ausbildungsstellen im Angebot, davon sind noch 159 frei. Beworben darauf haben sich 320 junge Menschen, zum 1. Oktober waren noch 18 unversorgt. Für das kommende Ausbildungsjahr seien zwölf Prozent weniger Ausbildungsplätze gemeldet worden, sagt Ernst. Wegen der Pandemie "sind die Betriebe vorsichtiger". Ausbildungsverträge seien spät abgeschlossen worden, und es gebe weniger Praktikumsplätze. Gerade diese Plätze seine wichtig für diejenigen, die sich schriftlich oder am Telefon nicht so gut ausdrücken könnten und erst in der Praxis überzeugten. Ernst: "Da kommt schnell das Gefühl der fehlenden Perspektive auf."

Auch die Berufsberatung leidet unter dem Lockdown. Es gebe zwar ein spezielles Programm über Videochat, erläutert Petra Callwitz, die Leiterin der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben, "aber wenn wir nicht vor Ort sind und die Kinder zu Hause nicht unterstützt werden, verlieren die schwächeren Schüler den Weg zu uns". Eine Frage treibt Callwitz deshalb besonders um: "Wie erreichen wir unsere Schüler? Wie schaffen wir es, an sie ranzukommen und sie zu unterstützen, damit sie sich nicht selber abschreiben?"

Für Robert Ernst ist es entscheidend, was im nächsten halben Jahr passiert. Bleiben die Schulen offen oder nicht? Können die Schüler im Frühjahr Praktika machen? Kommen Insolvenzen? Was ist mit den Themen, die in der Schule nicht mehr behandelt werden konnten? Was ist, wenn mehr Ausbildungen abgebrochen werden? Ernst: "Wir müssen wachsam sein, sind aber vorsichtig optimistisch." Eines aber sei ganz klar: "Corona macht die Schere noch weiter auf."

Das befürchtet auch Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg (GWT). "Ich habe Sorge, dass wir eine Generation verlieren", sagt er. Auch heuer hätten nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden können, der Tag der Ausbildung, für den es viele Anmeldungen gab, sei ausgefallen. Digitale Ausbildung sei ja schön und gut, aber "die Azubis wollen was anfassen können". Beim Homeschooling werde sich die Spreu vom Weizen trennen, denn "viele Kinder sind davon ausgeschlossen". Aber die Unternehmen bräuchten Nachwuchs, weiß der Wirtschaftsförderer, vor allem Hotellerie und Gastronomie, Veranstaltungstechniker oder Mediengestalter. Winkelkötter: "Die hängen alle in den Seilen." Gerade für Saisonkräfte sei der Lockdown sehr bitter. "Es trifft am meisten die geringfügig Beschäftigten und die niedrig Qualifizierten." Auch die Quarantäne in den Flüchtlingsheimen sei ein Problem, denn "die Geflüchteten wollen arbeiten".

Gut also, wenn Azubis Hilfe bekommen, so wie Ali, der vom Seefelder Helferkreis unterstützt wird. Zum Beispiel bei der Bewältigung der Bürokratie, bei schulischen Belangen, bei der Nachhilfe oder bei der alltäglichen Lebenspraxis. So konnte Ali im September seine Ausbildung beginnen und wechselt nun zwischen der Praxis in Oberschleißheim und der Theorie in der Glasfachschule in Zwiesel.

© SZ vom 12.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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