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SZ-Adventskalender:Probier's mal mit Gemütlichkeit

SZ-Leser spenden Möbel für Tagespflege

"Unsere Gäste lieben knallige Farben": Julia Hager in einem der Sessel, die der SZ-Adventskalender gespendet hat.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Tagespflege der Nachbarschaftshilfe Weßling ist um eine Wohnung erweitert und saniert worden. Leser der Süddeutschen Zeitung spendeten Ruhesessel und bequeme Polsterstühle

Von Patrizia Steipe, Weßling

Die neuen Ruhesessel der Tagespflege am Höhenrainäcker in Weßling haben leuchtend orangefarbene Bezüge. "Unsere Gäste lieben knallige Farben", erklärt Julia Hager. Die Einrichtungsleiterin bei der Nachbarschaftshilfe Weßling-Oberpfaffenhofen-Hochstadt zeigt, wie man die Sessel dank der feststellbaren Rollen verschieben, für einen Mittagsschlaf flach stellen und den Stoff abwaschen kann. "Danke, liebe SZ", sagt Hager, denn die Ruhesessel sowie bequeme Polsterstühle konnten mit Mitteln aus dem SZ Adventskalender angeschafft werden.

Seit ein paar Wochen sind die Umbaumaßnahmen fertig, und es fällt gar nicht mehr auf, dass die Tagespflege um eine weitere Wohnung erweitert wurde. Eine Mauer wurde entfernt, sodass der Wohnbereich jetzt groß genug für die Corona-Abstände ist und acht Gäste kommen dürfen. Wenn die Infektionszahlen sinken, können zwei weitere Personen aufgenommen werden. Stolz führt Hager den "roten Salon" mit seiner roten Wandfarbe vor. Hier werden Therapien durchgeführt, aus der alten Küche ist jetzt ein großzügiger Verwaltungsraum geworden mit Platz für Angehörigengespräche. Überall wurde helles Laminat verlegt, und es gibt keine Türschwellen mehr.

Vieles davon hätten auch Weßlinger Spender und Sponsoren finanziert, zum Beispiel die großen Deckenleuchten. Einrichtungen unter 15 Personen seien immer an der Grenze der Wirtschaftlichkeit und benötigten deswegen alternative Finanzierungsmöglichkeiten, sagt Julia Hager, die ihre Ausbildung zur Pflegedienstleiterin erst vor kurzem beendet hat. Ihre Projektarbeit hat sie praktischerweise über die Umbauaktion der Tagespflege geschrieben.

Die modernen Möbel haben die Betreuer mit Antiquitäten aus ihrem Privatbestand ergänzt, sodass die Räume nicht wie eine Senioreneinrichtung, sondern wie ein gemütliches Heim wirken. Auf dem langen Tisch steht bereits das bunte Geschirr für den nächsten Tag. An den Plexiglastrennscheiben, die vor Ansteckungen schützen sollen, hängt selbstgebastelte Osterdekoration. "Unser Team und die Gäste sind so happy, dass wir es jetzt so schön haben", freut sich Hager.

Erleichtert ist sie auch, dass die Bewohner und das Pflegepersonal endlich geimpft sind. "Ich hatte große Angst, dass sich unsere Gäste gegenseitig oder bei uns anstecken und sterben". Endlich weiche die Anspannung einer heiteren Gelassenheit. Es wird viel gesungen, gebastelt und gelacht. Derzeit hören die zwischen 70 und 93 Jahre alten Bewohner besonders gerne italienische Schlager. Ein ehemaliges Mitglied des Männergesangsvereins stimmt mit seiner kräftigen Stimme ein. Eine über 90-jährige ehemalige Sportlerin wiederum macht mit der Gruppe Yoga. Daheim tanken die Angehörigen frische Kräfte. Viele Familien müssten erst eine Hemmschwelle überwinden, bevor sie einen Angehörigen bei einer Tagespflege anmelden. Dabei seien die Effekte oft verblüffend. "Viele Gäste gewinnen bei uns wieder alte Fähigkeiten zurück", hat Hager festgestellt, denn die Gruppe motiviere. In Weßling sind die Plätze allerdings alle belegt. Es gibt sogar eine Warteliste. Das nächste Projekt steht bereits fest. "Wir brauchen ein Auto mit Rollstuhlrampe", sagt Hager. Rund 35 000 Euro würden dafür benötigt. Derzeit könnten nur Rollstuhlfahrer den Fahrdienst nutzen, die sich selbständig oder mit Hilfe umsetzen können. "Es wäre schlimm, wenn wir jemanden ablehnen müssten, weil er nicht so mobil ist", versichert Hager.

© SZ vom 30.03.2021
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